Allgemeines Lebensrisiko…

Er rauchte nicht. Trank nicht. Schaute immer zweimal nach links und einmal nach rechts. Dann erst überquerte er eine Straße. Im Straßenverkehr war er stets aufmerksam. Nahm Risiken wahr und dementsprechend ernst. Hielt sich lieber zurück. Sah zunächst nach vorne. Dann erst ging er einen Schritt. Er scheute blindes Handeln. Sah genau hin. Und dachte nach. Danach handelte er. Stets gut überlegt. Mögliche Folgen mehrfach bedacht. Er überdachte sein Leben. Immer. Und dann fiel in seinem Studentenzimmer die Glühbirne aus. Mal wieder die über seinem Bett. Also stieg er drauf. Herunter fiel er. Und starb sofort.

Sie fürchtete sich nicht. War furchtlos und abenteuerlustig. Lebte ihr Leben. Unbedacht. Doch beachtlich. Sie liebte Gewitter im Wald. Eislaufen auf dem halb zugefrorenem See in ihrem Heimatdorf. Sie nahm Getränke von Fremden im Club stets dankend an. Lief danach in der Dunkelheit mit Kopfhörern in den Ohren nachhause. Ihre Umgebung nahm sie dabei nur verschwommen wahr. Alkohol und Nikotin hatten ihre Sinne getrübt. Wenn ihre Füße sie nicht mehr trugen, streckte sie ihre Hand aus. Und fuhr per Anhalter weiter. Sie liebte das Risiko. Adrenalin. Unkontrollierbare Momente. Kontrollverlust. Sie lebte ihr Leben dementsprechend. Gab oft Kontrolle ab. Gab es auf alles zu überdenken. Im Altenheim schlief sie eines Abends in ihrem Bett ein. Und wachte am nächsten Morgen nicht wieder auf.

Wie lebt man? Also richtig. Im Sinne von alles mitnehmen. Erleben. Nichts verpassen. Wie lebt man richtig? Also gegenteilig von falsch. Wie mache ich nichts falsch. Fehler gehören dazu. Aber welche sind langfristig gut. Gut für mich. Weil ich aus ihnen lerne. Weil sie eine Weiterentwicklung anstoßen. Und welche bremsen mich. Hindern mich daran dazuzulernen. Weil ich mich womöglich nicht davon erhole. Ein Fehler mich zerstört.

Was ist erlaubt. Was darf ich. Mir und anderen zumuten. Und was erlaube ich mir lieber nicht. Worauf verzichte ich. Und gewinne langfristig deshalb.

Risikoreich leben und arm dran sein und sterben?

Manchmal scheint der Verzicht auf Risiko am besten. Aber führen wir den Gedanken daran aus. Denken wir ihn weiter und konsequent zu Ende. Es würde unser Ende bedeuten. Unser eigenes Verderben.

Es fängt an mit einer Straße. Straßenunfälle. Alltäglich. Also die Straße lieber nicht überqueren?

Es geht weiter mit Essen. Unentdeckte Allergien, mögliches Ersticken. Kommt vor. Also nicht essen?

Es hört auf mit zuhause. Ausrutschen, Fallen, sich ungünstig Stoßen. Nicht selten. Also?

Was ist die Schlussfolgerung? Für mich ist es leben. Zu leben. Dabei stets abzuwägen. Manchmal auch einfach nicht nachdenken. Denn ein Risiko ist immer da. Mal ist es geringer. Mal ausgesprochen hoch. Und doch ist es unausgesprochen sicher. Das einzig Sichere. Verlässlich wie unser Tod. Bis dahin ist alles unklar. Klarheit können wir lediglich mit diesem Bewusstsein schaffen. Es uns bewusst machen, dass wir viel nicht wissen. Unwissend sind über den Ausgang vieler Anfänge. Und, dass Risiko alltäglich ist. Also bleibt uns nicht anderes übrig, als unseren Alltag zu leben. Und froh darüber zu sein. Dass wir selbst etwas erleben. Dass wir Leben beginnen und enden sehen. Dass wir selber leben. Lebendig sind. Lass uns einfach leben. Auch wenn es machmal nicht einfach ist.

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