Wie man zur Marionette wird…

Man ist stark. Das redet man sich zumindest ein. Weil es die Situation irgendwie greifbarer macht. Als ob man sie in den Händen hält, sie beliebig steuern kann. Obwohl es vielleicht umgekehrt es. Und sie viel eher dich steuert. Deine Worte und Gefühle.

Es geht um Macht. Innerhalb einer Situation, die beidseitig beherrschbar ist. Je nachdem wer welchen Schritt wagt, kann kontrollieren. Hat Kontrolle, über den jeweils anderen. Man kann sich einreden, dass alles einfach an einem abprallt, einen nicht im Geringsten tangiert. Aber es ist doch eigentlich ganz anders. Du bist stark, weil die Situation vor dir liegt. Du betrachtest sie, das Betrachten gibt dir ein Gefühl von Kontrolle. Du kannst bestimmen von welcher Seite aus du sie betrachtest, wie nah du herangehst und schaust. Ob du überhaupt hinschaust, wann du lieber wegschaust und ignorierst. Du hast die Möglichkeit jederzeit auf Abstand zu gehen, dich umzudrehen und woanders hinzuschauen.

Wenn aber ein anderer kommt, diese vor dir liegende Situation einfach nimmt und dir vor die Füße schmeißt, dich zwangsläufig hineinzerrt, dann entgleitet dir die Kontrolle über die eben noch von dir aus der Ferne betrachtete Situation. Es ist als würde man dir den Boden unter den Füßen einfach wegreißen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Deinen Füßen fehlt der Boden als Halt, als Anhaltspunkt und du bist der Situation schutzlos ausgeliefert.

Du weißt noch mal mehr wo sie ist, die Situation. Ob du dich schon in ihr befindest oder ob sie auf dich zurast. So verdattert bist du. Deine Augenlider blinzeln wie verrückt und doch nimmst du nichts wahr. Kannst oben und unten nicht mehr zuordnen, vorne und hinten. Es ist schrecklich.

Und du hasst dich dafür. Dafür, dass du weißt, dass ein anderer dir einfach so die Fäden aus der Hand reißen kann und auf einmal du, die eben noch die Situation scheinbar fest in beiden Händen hatte, selbst zur Marionette wirst. Dass ein anderer plötzlich die Kontrolle hat. Über deine Handlungen, Gefühle, über dich. Scham erfüllt dich.
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Tiefschläge…

Berge und Täler – aus denen besteht das Leben nun mal. Und während man versucht von einem Berg zum nächsten zu gelangen, passiert man zwangsläufig auch das ein oder andere Tal.

Das wurde einem früher schon erzählt. Im Zusammenhang mit schlechten Ereignissen, als Aufmunterungsversuch. Es kann nur besser werden. Haben sie gesagt. Aber wer weiß das schon? Wer ist sich so sicher, dass man nicht erst einmal noch weiter, noch tiefer herabsteigt – dorthin, wo die Gefühle weichen, wo es keine Kontrolle, kein Licht der Hoffnung mehr gibt. Und wenn man da gelandet ist, dann ist es vielleicht sogar egal, ob der nächste Berg vor einem liegt. Weil man einfach keine Kraft mehr hat. Ihn zu besteigen, sich wieder aufzurappeln, überhaupt etwas zu machen. Denn das Gehirn denkt auch nicht mehr normal. Es ist wie eine schwarze Wand direkt vor den Augen, als ob man in die tiefschwarze Nacht hinausschaut – nur ist kein Mond vorhanden.

Kein Licht, was einen leitet, an das man sich klammern kann, wenn man vollkommen verloren scheint, die Richtung einfach nicht kennt, beziehungsweise einfach so lange gelaufen ist, dass man sich schlussendlich nur noch auf den kalten Boden legen möchte. Ausharrend in der Kälte, in der Ungewissheit, die geprägt ist von Trauer, Zweifeln und einer Leere.

Einem Nichts, dass sich langsam in deinem Kopf ausbreitet, deine Gedanken verblassen lässt und dich vollkommen einnimmt, dich innerlich auffrisst. Und man ist zu schwach, zu erstarrt, um etwas dagegen zu tun, um dagegen vorzugehen. Eigentlich ist es auch ganz angenehm. Schließlich hindert es dich am Denken. Es hindert die negativen Gedanken daran dich noch weiter herunter zu ziehen. Denn du liegst ja schon am Boden. Tiefer kannst du nicht sinken. Denkst du, bevor der nächste Tiefschlag kommt und dich noch ein kleines bisschen weiter hinunter drückt. Auf dein Herz, deine Lunge, sodass du nichts fühlst, am Atmen gehindert wirst.

Du schließt deine Augen, starrst gegen deine Augenlider, die die pechschwarze Nacht abbilden und schläfst ein. Und du hoffst einfach nur, dass du von vereinzelten Strahlen der Hoffnung geweckt wirst, von Sonnenstrahlen. Damit du wieder die Kraft hast aufzustehen, weiterzugehen, den Berg zu besteigen und hoffentlich auf der Spitze des nächsten Bergen ein wenig Zeit bekommst um zu verweilen, um dich zu stärken, damit du den nächsten Tiefschlag überstehst. Denn eins ist gewiss: Er kommt bestimmt.
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Unerfüllte Erwartungen…

Es gibt diese Momente, Ereignisse, Menschen, von denen man einfach eine genaue Vorstellung hat. Man hat Erwartungen, hohe Erwartungen, welche oftmals weit weg von der Realität sind. Von allem Möglichen, Erreichbaren. Von überhaupt jenem, welches erreichbar ist, wäre, sein könnte. 

Meistens sind es diese Dinge, die fern in der Zukunft liegen, jene, bei welchen man genug Zeit hat sich alles auszumalen, alles im Kopf genau, bis ins kleinste Detail zu planen. Man lässt sie in vollkommener Perfektion vor dem inneren Auge ablaufen wie eine Diashow, während sich das wohlige Gefühl der Vorfreude in einem selbst ausbreitet. Doch mit dem Fortschreiten der Zeit, mit dem Näherrücken eines bereits in vollkommener Perfektion ausgemalten Ereignisses, steigt der innere Druck. Man kann sich das Ereignis als einen Luftballon vorstellen. Eine lose Hülle, die gefüllt werden muss mit Helium um zu fliegen, ganz unbeschwert, sodass sie allen Herumstehenden eine Freunde bereitet. Doch was, wenn man mit dem Volumen des Ballons nicht einverstanden ist, wenn man ihn größer haben möchte, weil er in den Erwartungen um einiges beeindruckender war. Man hört nicht auf ihn mit Helium vollzufüllen. Man macht einfach immer weiter, weil man nicht enttäuscht werden möchte, weil man sich selbst nicht enttäuschen möchte. Man will zwanghaft seinen eigenen Vorstellungen gerecht werden, unbedingt will man seine eigenen Erwartungen erfüllen. Während man sieht, wie das einströmende Helium dem Ballon langsam eine Form gibt, ihn immer größer werden lässt, ist man wie gebannt. Zu gebannt um die Heliumflasche rechtzeitig von dem Ballon zu lösen. Man hört nicht auf den Ballon immer größer werden zu lassen, weil man nicht möchte, weil man einfach nicht davon ablassen kann. Der Druck in dem Ballon steigt stetig, wird immer mehr, drängender. Und irgendwann ist er zu stark für die Hülle aus Gummi, sodass diese schließlich nachgibt und platzt. Das Helium entweicht binnen weniger Sekunden mitsamt den Träumen, Vorstellungen und Erwartungen. Übrig bleibt eine einzige Enttäuschung, eine unerfüllte Erwartung.

Um das zu verhindern, uns zu ersparen, sollten wir nicht so viel nachdenken, planen, uns Künftiges bis ins Unendliche ausmalen. Manchmal, auch wenn es schwer ist, sollten wir Sachen einfach auf uns zukommen lassen und sie locker angehen. Denn was viel befreiender ist, was um einiges glücklicher macht als das Ausmalen von Ereignissen, das unbewusste Kreieren von  Erwartungen, ist der Moment, in dem man merkt, dass alle Erwartungen übertroffen worden sind, dass die Realität schöner ist als die unzähligen Vorstellungen.

Der intensivste Monat im Jahr…

Gefühlt war für mich vor einer Woche noch November und der Nikolaus kam gerade erst vorgestern. So schnell wie die Zeit vergeht, kann ich zurzeit gar nicht nach links und rechts schauen. Es ist so viel zu tun, ich lebe von Tag zu Tag, erledige, was sofort zu erledigen ist. An Pläne ist nicht zu denken, der Stress und Druck halten mich auf Trab. Für mich ist der Dezember der Monat, der gefühlt am schnellsten vorbeigeht. Wobei vorbeigehen nicht mal das richtige Wort ist um es beschreiben – vorbeiziehen, besser noch: vorbeifliegen trifft es wohl eher. Man atmet einmal ein, einmal aus, und schon ist der Tag schon wieder vorbei und ein neuer Tag mit neuen Herausforderungen wartet auf einen. Umso schöner ist es dann, wenn man zwischen dem ganzen Stress und Zeitdruck mal ein paar Minuten für sich findet, in denen man sich auf Weihnachten einstimmen kann. Weihnachtsmusik, Schokolade, Kuschelsocken und Duftkerzen gehören bei mir da absolut zum Pflichtprogramm. Und in diesen kleinen Momenten werde ich mir einmal mehr darüber klar, wie gut ich es doch habe. Ich bin schließlich glücklich und zufrieden. Stress hin oder her, letztendlich wird Weinachten toll sein und die Atmosphäre an sich im Dezember ist meiner Meinung nach immer unbeschreiblich schön. Und selbst der Zeitdruck hat etwas Gutes – für meinen Teil arbeite ich nie so viel wie im Dezember. Der Stress spornt mich an. Wenn ich abends vollkommen erschöpft ins Bett falle, dann mit dem Gedanken heute etwas geschafft zu haben. Und das ist ein verdammt gutes Gefühl, mit dem es sich gleich besser schlafen lässt. Und zugleich ist es unglaublich motivierend, sodass das Aufstehen am nächsten Morgen gleich weniger schlimm erscheint, auch wenn nur ein kleines bisschen (dafür bin ich zu sehr Morgenmuffel). Aber letztendlich ist der Dezember nicht nur der gefühlt am schnellsten vergehende Monat im Jahr, sondern für mich ist er auch einer der Intensivsten. Sowohl was den Stress anbelangt, als auch die Stimmung, die einfach einzigartig ist. Und daher werde ich den Dezember, also das was davon noch übrig ist, in vollen Zügen auskosten, auch, wenn er nach einmal Blinzeln vermutlich vorüber ist und wir in ein neues Jahr starten. bokeh-1632921_1920.jpg

Herbstgefühle…

Die Tage werden kürzer, kälter, düsterer und doch hat der Herbst seinen ganz eigenen Charme. Die goldene Blätterdecke reflektiert einzelne Sonnenstrahlen, die es geschafft haben die graue, einheitliche Wolkendecke zu durchbrechen, welche hartnäckig den Himmel eingenommen hat. Trotz sinkender Temperaturen, Regen und matschigen Straßen, hat der Herbst auch eine warme Seite an sich. Er sorgt für so ein manches wohliges, heimisches Gefühl im Herzen, welches sich langsam ausbreitet. Sei es, wenn man nachhause kommt und sich fühlt, als würde man langsam auftauen oder wenn man einen heißen Kakao trinkt, während man aus dem Fenster schaut und dabei zusieht wie die Wolken sich entleeren und ein gleichmäßiger Nieselregen gleichmäßig auf die Straßen herabfällt. Während die Blätter an den Bäumen weniger werden, nimmt die Vorfreude auf Weihnachten und den ersten Schnee zu. Obwohl man sich oft verflucht, dass man sich nicht noch wärmer angezogen hat, sorgt die Kälte letzendes dafür, dass alle näher zusammenrücken, beisammen sind. Der Nebel verhüllt einem draußen zwar die Sicht, doch drinnen werden die Gespräche klarer, tiefgründiger. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger. Man steht bei Dunkelheit auf, man schläft bei Dunkelheit ein. Kuscheldecken, Kuschelsocken und Kerzen sorgen für eine wohlige Atmosphäre. Während sich viele Tiere in ihren Unterschlüpfen verkriechen, werden die dicken Wollpullis aus den Schränken hervorgeholt. Die Straßen werden leerer, die Schränke mit den Süßigkeiten voller. Während man durch die Kälte schwächer wird, werden die Gefühle stärker.  Erkältungen verbreiten sich, während der Egoismus abnimmt. Es gibt ein Miteinander, man ist beieinander, man denkt an einander. Kastanien, Bucheckern und rosige Wangen. Blätter, Pfützen und Duftkerzen. All das gehört für mich zum Herbst, welcher einzigartig wird durch seine vielen, vollkommen unterschiedlichen Eigenschaften, welche miteinander verschmelzen. Immer wieder. Jedes Jahr aufs Neue.
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Das Ende einer Pause…

Manchmal braucht man Zeit. Ein wenig, ein wenig mehr, ganz für sich selbst. Es gibt Sachen, die gehen nicht ohne Zeit, die bekommt man einfach nicht hin, wenn man unter Druck steht, wenn tausend andere Gedanken einem durch den Kopf schwirren und man in jeder freien Minute versucht ein Auge zuzubekommen. Damit man genug Kraft hat. Für den nächsten Tag, die nächsten Stunden, die Arbeit, die darauf wartet erledigt zu werden, die Sachen, die so dringend getan werden müssen. Die einfach nicht verschoben werden können, nicht aufgeschoben werden dürfen. In diesen Tagen ist man innerlich verloren. Verloren in der Arbeit, in dem Tun und Handeln und der vollkommenen Konzentration, die von einem gefordert wird. Und man verliert dabei den Gedanken an sich selbst, an die Dinge, die einem Spaß machen. Denn Zeit dafür hat man ja sowieso nicht. Und oft wird aus diesen Momenten ein längerer Zeitraum, eine längere Zeit, in der man gefühlt keine Zeit hat. Und wenn so eine Phase, voller Stress und Zeitdruck dann endlich mal vorüber ist, heißt das keinesfalls, dass man selbst auch vollkommen damit abgeschlossen hat. Denn irgendwo ist man innerlich immer noch in dieser Phase gefangen, braucht erst einmal ein wenig Zeit für sich selbst um zu realisieren, dass sie vorbei ist, diese Phase, dass man wieder Zeit hat. Für sich, für unbefangene Gedanken, für die Dinge, die einem Spaß machen. Man muss sich langsam aus dieser Blase voller Druck vortasten und wenn sie dann zerplatzt muss man es erst einmal auf sich wirken lassen und vor allem sich Zeit nehmen. Denn man befindet sich in eine Art Schwebezustand und muss erst einmal versuchen wieder irgendwo mit beiden Füßen fest auf dem Boden zu stehen. Aber eines gibt es, was nach Pausen, die irgendwo keine wirklichen Pausen waren, weil man ja keine Zeit hatte, immer der Fall ist. Wenn die Pause vorüber ist, ist man motiviert. Motivierter als zu vor. Die Aufgestauten Gedanken wollen gehört werden, der Druck verwandelt sich in Tatendrang und die Motivation ist so groß wie gefühlt nie zu vor. Man ist motiviert zu handeln, etwas zu erschaffen, einfach zu machen. Zu schreiben, in meinem persönlichen Fall.
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Hilfe, ich prokrastiniere…

Wir alle kennen es doch. Plötzlich erscheint die weiße Wand vor einem so tiefgründig, der Bleistift ist auf einmal unheimlich interessant und man muss unbedingt nochmal kurz auf das Handy schauen, damit man ja nichts verpasst. In so welchem Momenten sollten wir eigentlich etwas Anderes machen. Etwas Wichtiges, was wir vor uns herschieben. Vielleicht, weil wir Angst davor haben es anzupacken oder weil wir einfach nur zu faul. In so welchen Situationen prokrastinieren wir. Schieben Sachen unnötig auf und können uns einfach nicht dazu aufraffen mit der wesentliche Sache anzufangen. Stattdessen vertagen wir diese, weil wir zu faul sind, zu müde. Das ist natürlich der inoffizielle Teil des Ganzen. Offiziell heißt es, dass wir zu beschäftigt, zu gestresst sind und viel zu wenig Zeit haben. Und das ist nicht nur der offizielle Weg, sondern diese Ausreden reden wir Anderen so lange ein, bis wir sie selbst irgendwann automatisch auch glauben. Bis wir diese Ausreden als Tatsachen abstempeln und uns mit diesen scheinbaren Tatsachen rechtfertigen. Vor allem vor uns selbst. Aber manchmal sollte man sich einfach zusammenreißen. Schluss machen mit dieser Prokrastination und Aufgaben einfach nur anpacken. Auch, wenn sie komplex erscheinen und nach viel Arbeit aussehen. Wenn wir uns zusammenreißen, dann können wir es schaffen. Und die Wand wird nicht plötzlich die Farbe wechseln, daher müssen wir sie nicht die ganze Zeit anstarren. Dafür haben wir später auch noch Zeit.
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