Unerfüllte Erwartungen…

Es gibt diese Momente, Ereignisse, Menschen, von denen man einfach eine genaue Vorstellung hat. Man hat Erwartungen, hohe Erwartungen, welche oftmals weit weg von der Realität sind. Von allem Möglichen, Erreichbaren. Von überhaupt jenem, welches erreichbar ist, wäre, sein könnte. 

Meistens sind es diese Dinge, die fern in der Zukunft liegen, jene, bei welchen man genug Zeit hat sich alles auszumalen, alles im Kopf genau, bis ins kleinste Detail zu planen. Man lässt sie in vollkommener Perfektion vor dem inneren Auge ablaufen wie eine Diashow, während sich das wohlige Gefühl der Vorfreude in einem selbst ausbreitet. Doch mit dem Fortschreiten der Zeit, mit dem Näherrücken eines bereits in vollkommener Perfektion ausgemalten Ereignisses, steigt der innere Druck. Man kann sich das Ereignis als einen Luftballon vorstellen. Eine lose Hülle, die gefüllt werden muss mit Helium um zu fliegen, ganz unbeschwert, sodass sie allen Herumstehenden eine Freunde bereitet. Doch was, wenn man mit dem Volumen des Ballons nicht einverstanden ist, wenn man ihn größer haben möchte, weil er in den Erwartungen um einiges beeindruckender war. Man hört nicht auf ihn mit Helium vollzufüllen. Man macht einfach immer weiter, weil man nicht enttäuscht werden möchte, weil man sich selbst nicht enttäuschen möchte. Man will zwanghaft seinen eigenen Vorstellungen gerecht werden, unbedingt will man seine eigenen Erwartungen erfüllen. Während man sieht, wie das einströmende Helium dem Ballon langsam eine Form gibt, ihn immer größer werden lässt, ist man wie gebannt. Zu gebannt um die Heliumflasche rechtzeitig von dem Ballon zu lösen. Man hört nicht auf den Ballon immer größer werden zu lassen, weil man nicht möchte, weil man einfach nicht davon ablassen kann. Der Druck in dem Ballon steigt stetig, wird immer mehr, drängender. Und irgendwann ist er zu stark für die Hülle aus Gummi, sodass diese schließlich nachgibt und platzt. Das Helium entweicht binnen weniger Sekunden mitsamt den Träumen, Vorstellungen und Erwartungen. Übrig bleibt eine einzige Enttäuschung, eine unerfüllte Erwartung.

Um das zu verhindern, uns zu ersparen, sollten wir nicht so viel nachdenken, planen, uns Künftiges bis ins Unendliche ausmalen. Manchmal, auch wenn es schwer ist, sollten wir Sachen einfach auf uns zukommen lassen und sie locker angehen. Denn was viel befreiender ist, was um einiges glücklicher macht als das Ausmalen von Ereignissen, das unbewusste Kreieren von  Erwartungen, ist der Moment, in dem man merkt, dass alle Erwartungen übertroffen worden sind, dass die Realität schöner ist als die unzähligen Vorstellungen.

Der intensivste Monat im Jahr…

Gefühlt war für mich vor einer Woche noch November und der Nikolaus kam gerade erst vorgestern. So schnell wie die Zeit vergeht, kann ich zurzeit gar nicht nach links und rechts schauen. Es ist so viel zu tun, ich lebe von Tag zu Tag, erledige, was sofort zu erledigen ist. An Pläne ist nicht zu denken, der Stress und Druck halten mich auf Trab. Für mich ist der Dezember der Monat, der gefühlt am schnellsten vorbeigeht. Wobei vorbeigehen nicht mal das richtige Wort ist um es beschreiben – vorbeiziehen, besser noch: vorbeifliegen trifft es wohl eher. Man atmet einmal ein, einmal aus, und schon ist der Tag schon wieder vorbei und ein neuer Tag mit neuen Herausforderungen wartet auf einen. Umso schöner ist es dann, wenn man zwischen dem ganzen Stress und Zeitdruck mal ein paar Minuten für sich findet, in denen man sich auf Weihnachten einstimmen kann. Weihnachtsmusik, Schokolade, Kuschelsocken und Duftkerzen gehören bei mir da absolut zum Pflichtprogramm. Und in diesen kleinen Momenten werde ich mir einmal mehr darüber klar, wie gut ich es doch habe. Ich bin schließlich glücklich und zufrieden. Stress hin oder her, letztendlich wird Weinachten toll sein und die Atmosphäre an sich im Dezember ist meiner Meinung nach immer unbeschreiblich schön. Und selbst der Zeitdruck hat etwas Gutes – für meinen Teil arbeite ich nie so viel wie im Dezember. Der Stress spornt mich an. Wenn ich abends vollkommen erschöpft ins Bett falle, dann mit dem Gedanken heute etwas geschafft zu haben. Und das ist ein verdammt gutes Gefühl, mit dem es sich gleich besser schlafen lässt. Und zugleich ist es unglaublich motivierend, sodass das Aufstehen am nächsten Morgen gleich weniger schlimm erscheint, auch wenn nur ein kleines bisschen (dafür bin ich zu sehr Morgenmuffel). Aber letztendlich ist der Dezember nicht nur der gefühlt am schnellsten vergehende Monat im Jahr, sondern für mich ist er auch einer der Intensivsten. Sowohl was den Stress anbelangt, als auch die Stimmung, die einfach einzigartig ist. Und daher werde ich den Dezember, also das was davon noch übrig ist, in vollen Zügen auskosten, auch, wenn er nach einmal Blinzeln vermutlich vorüber ist und wir in ein neues Jahr starten. bokeh-1632921_1920.jpg

Verhasst Fahrschule…

Im Moment bin ich dabei meinen Führerschein zu machen und darf jede Woche in einem  Auto mit der großen, bunten Aufschrift „Fahrschule“ fahren. Ich, als noch relativ unterprobte Autofahrerin, störe sicherlich oft die anderen Verkehrsteilnehmer. Am häufigsten wohl damit, dass ich schlicht und einfach den meisten Autofahrern, die ebenfalls unterwegs sind, zu langsam fahre. Zugegeben, ich bin schon manchmal leicht überfordert und vergesse daher das ein oder andere Mal den Blick in den Rückspiegel oder ich merke erst einen Meter vor der Kurve, dass ich den Blinker noch gar nicht eingeschaltet habe (und wenn ich ihn dann noch einschalte, dann kann es auch passieren, dass ich die Seiten vertausche), nichtsdestotrotz wünsche ich mir manchmal ein wenig mehr Rücksichtnahme von den anderen Verkehrsteilnehmern. Jeder hat doch mal klein angefangen und müsste sich doch daher allzu gut in meine Situation hineinversetzen können. Wenn ich früher als Beifahrerin mitgefahren bin, dann habe ich auch manchmal über die Fahrschulen geschmunzelt. Es sieht oft einfach so aus, als wäre der Fahrende gerade sturzbetrunken. Aber jetzt, wo ich selbst mal vorne links im Auto saß, weiß ich ganz genau wie viele Unsicherheiten mit einer einfachen Fahrt am Anfang mit einhergehen. Und aufgebrachte Fußgänger sind da genau so wenig beruhigend wie dauerhupende Autos. Ich muss auch nicht auf irgendwelche Straßenschilder durch wilde Gestik aufmerksam gemacht werden, ich habe schließlich einen Fahrlehrer an meiner Seite, der mir das Fahren beibringt (im Notfall drückt er auch auf die Bremse, keine Angst). Aber natürlich funktioniert das nicht innerhalb der ersten Stunde und deshalb bitte ich einfach um ein wenig mehr Nachsicht, wenn man eine Fahrschule vor sich fahren sieht. Mindestens jeder andere Autofahrer sollte die Situation doch verstehen!pexels-photo-227730.jpg

Herbstgefühle…

Die Tage werden kürzer, kälter, düsterer und doch hat der Herbst seinen ganz eigenen Charme. Die goldene Blätterdecke reflektiert einzelne Sonnenstrahlen, die es geschafft haben die graue, einheitliche Wolkendecke zu durchbrechen, welche hartnäckig den Himmel eingenommen hat. Trotz sinkender Temperaturen, Regen und matschigen Straßen, hat der Herbst auch eine warme Seite an sich. Er sorgt für so ein manches wohliges, heimisches Gefühl im Herzen, welches sich langsam ausbreitet. Sei es, wenn man nachhause kommt und sich fühlt, als würde man langsam auftauen oder wenn man einen heißen Kakao trinkt, während man aus dem Fenster schaut und dabei zusieht wie die Wolken sich entleeren und ein gleichmäßiger Nieselregen gleichmäßig auf die Straßen herabfällt. Während die Blätter an den Bäumen weniger werden, nimmt die Vorfreude auf Weihnachten und den ersten Schnee zu. Obwohl man sich oft verflucht, dass man sich nicht noch wärmer angezogen hat, sorgt die Kälte letzendes dafür, dass alle näher zusammenrücken, beisammen sind. Der Nebel verhüllt einem draußen zwar die Sicht, doch drinnen werden die Gespräche klarer, tiefgründiger. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger. Man steht bei Dunkelheit auf, man schläft bei Dunkelheit ein. Kuscheldecken, Kuschelsocken und Kerzen sorgen für eine wohlige Atmosphäre. Während sich viele Tiere in ihren Unterschlüpfen verkriechen, werden die dicken Wollpullis aus den Schränken hervorgeholt. Die Straßen werden leerer, die Schränke mit den Süßigkeiten voller. Während man durch die Kälte schwächer wird, werden die Gefühle stärker.  Erkältungen verbreiten sich, während der Egoismus abnimmt. Es gibt ein Miteinander, man ist beieinander, man denkt an einander. Kastanien, Bucheckern und rosige Wangen. Blätter, Pfützen und Duftkerzen. All das gehört für mich zum Herbst, welcher einzigartig wird durch seine vielen, vollkommen unterschiedlichen Eigenschaften, welche miteinander verschmelzen. Immer wieder. Jedes Jahr aufs Neue.
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Illusionen in der Realität…

Schon immer haben mich optische Täuschungen und Illusionen fasziniert. Ich erinnere mich daran, dass ich mir als Kind früher unzählige optische Täuschungen angeschaut habe und immer wieder aufs Neue vollkommen verblüfft war. Und obwohl der Zauber groß war,  schwang doch immer irgendwo der Gedanke mit, dass der Gestalter der optischen Täuschung letztendlich auch darauf aus war, einen zu überlisten, die Augen, die Gedanken eines jeden zu verwirren, sie zu überführen.

Noch aufregender sind für mich daher die optischen Täuschungen, die zufällig entstehen. Schnappschüsse, die für großen Wirbel sorgen, weil verschiedene Personen Verschiedenes darauf sehen. Letztes Jahr gab es beispielsweise einen riesigen Wirbel um den Schnappschuss eines Kleides, welches einige als schwarz-blau angesehen und andere wiederum, mich selbst eingeschlossen, es ganz klar als gold-weiß erkannt haben. Tatsächlich ist das Kleid schwarz-blau, was allerdings nur die Minderheit auch erkannte.

Heute habe ich ein Bild gesehen, welches auch langsam die Runde macht.
Was seht ihr spontan, wenn ihr es euch anschaut?

Also ich persönlich war anfänglich total verwirrt. Ich sehe weiße Streifen auf den Beinen und war mir nicht wirklich sicher was die zu bedeuten haben. Eine tiefgründige Bedeutung gibt es wohl auch nicht wirklich. Es handelt sich lediglich um weiße Farbe. Doch was ist daran besonders?

Einige Stimmen im Internet haben sich zu Wort gemeldet und mitgeteilt, dass sie eingeölte Beine erkennen.
Der eine sieht also weiße Streifen, der andere eingeölte Beine. Eine ganz ungewollt entstandene optische Täuschung, die die Gemüter spaltet und mal wieder für Verblüffung sorgt. Ich freue mich schon wieder auf die nächste ungewollte Illusion!

Das Ende einer Pause…

Manchmal braucht man Zeit. Ein wenig, ein wenig mehr, ganz für sich selbst. Es gibt Sachen, die gehen nicht ohne Zeit, die bekommt man einfach nicht hin, wenn man unter Druck steht, wenn tausend andere Gedanken einem durch den Kopf schwirren und man in jeder freien Minute versucht ein Auge zuzubekommen. Damit man genug Kraft hat. Für den nächsten Tag, die nächsten Stunden, die Arbeit, die darauf wartet erledigt zu werden, die Sachen, die so dringend getan werden müssen. Die einfach nicht verschoben werden können, nicht aufgeschoben werden dürfen. In diesen Tagen ist man innerlich verloren. Verloren in der Arbeit, in dem Tun und Handeln und der vollkommenen Konzentration, die von einem gefordert wird. Und man verliert dabei den Gedanken an sich selbst, an die Dinge, die einem Spaß machen. Denn Zeit dafür hat man ja sowieso nicht. Und oft wird aus diesen Momenten ein längerer Zeitraum, eine längere Zeit, in der man gefühlt keine Zeit hat. Und wenn so eine Phase, voller Stress und Zeitdruck dann endlich mal vorüber ist, heißt das keinesfalls, dass man selbst auch vollkommen damit abgeschlossen hat. Denn irgendwo ist man innerlich immer noch in dieser Phase gefangen, braucht erst einmal ein wenig Zeit für sich selbst um zu realisieren, dass sie vorbei ist, diese Phase, dass man wieder Zeit hat. Für sich, für unbefangene Gedanken, für die Dinge, die einem Spaß machen. Man muss sich langsam aus dieser Blase voller Druck vortasten und wenn sie dann zerplatzt muss man es erst einmal auf sich wirken lassen und vor allem sich Zeit nehmen. Denn man befindet sich in eine Art Schwebezustand und muss erst einmal versuchen wieder irgendwo mit beiden Füßen fest auf dem Boden zu stehen. Aber eines gibt es, was nach Pausen, die irgendwo keine wirklichen Pausen waren, weil man ja keine Zeit hatte, immer der Fall ist. Wenn die Pause vorüber ist, ist man motiviert. Motivierter als zu vor. Die Aufgestauten Gedanken wollen gehört werden, der Druck verwandelt sich in Tatendrang und die Motivation ist so groß wie gefühlt nie zu vor. Man ist motiviert zu handeln, etwas zu erschaffen, einfach zu machen. Zu schreiben, in meinem persönlichen Fall.
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Aus Freude wird Trauer…

Ich sehe auf das schwarze Brett am Eingang meiner Schule und freue mich. Morgen werden die ersten beiden Stunden Unterricht ausfallen, da kurzfristig eine Versammlung der Schüler angesetzt worden ist. Ich frage mich, was wohl der Grund dafür sein könnte, allerdings fällt mir so spontan nichts ein, was von einer solchen Wichtigkeit sein könnte. Innerlich die Schultern zuckend trete ich von dem Brett weg und meine Gedanken wandern schnell zu anderen Dingen. Nur die Freude über die ausfallenden Stunden bleibt unterbewusst hängen.

Zuhause. Am Mittagstisch fragt meine Mutter mich, ob ich einen bestimmten Lehrer schon einmal im Unterricht hatte. Ich bejahe es. Die letzten fünf Jahre war er mein Lehrer gewesen. Jung, engagiert und immer fröhlich. Was meine Mutter mir dann mitteilt, hallt in meinen Ohren wieder. Er ist tot.

Wie in eine Starre verfallen fühle ich mich. Meine Gedanken sind wie eingefroren. Nach dem Schock kommen die Fragen. Fragen, welche unbeantwortet bleiben. Und dann das Schuldgefühl. Über die Freude der ausfallenden Stunden. Über die Versammlung, die angesetzt worden war – wegen des Todesfalls. Ich kann es nicht fassen, glauben. Es fühlt sich nicht real an. Alles erscheint irreal. Ich sehe um mich herum eine Welt, fühle mich aber nicht so, als wäre ich mittendrin. Sondern eher, als wäre ich abseits davon. Ganz für mich allein, obwohl um mich herum Menschen sind. Den Kloß in meinem Hals schlucke ich herunter und versuche mich zu erinnern. An Stunden mit dem Lehrer, an ihn als Menschen. Ich bin überfordert. Es rast alles auf mich zu. Ich werde förmlich von dieser Nachricht überrollt. Diese Nachricht, die mir zeigt, dass alles endlich ist, dass es von dem einen Tag auf den anderen Tag vorbei sein kann. Dass es jeden treffen kann und dass das Schicksal vor nichts und niemandem zurückschreckt. Wissen, welches ich vorher schon hatte, begreife ich erst jetzt. Nehme ich erst jetzt wirklich war und versuche es zu verarbeiten. Doch das braucht Zeit. Es ist schlicht und einfach zu viel. Zu viel Angst, die mit einhergeht. Zu viel Schmerz, der plötzlich da ist, zu viel Trauer. Ich schiebe es von mir weg. Versuche mich frei zu machen, doch die negativen Gefühle lassen nicht los. Sie holen mich ein. Tag für Tag. Ich wache daran denkend auf, ich schlafe daran denkend ein. Es ist überall. Ein beklemmendes Gefühl, welches mich auf meine Lippen beißen lässt und mir einen Kloß im Hals beschafft. Was vor allem einfach nicht weggeht. In jeder Sekunde begleitet es mich, bei jeder einzelnen Handlung ist es anwesend. Es lässt sich nicht verscheuchen, verdrängen. Es ist wie eine große Welle, die mir die Füße unter dem Boden wegzieht und mich überrollt. Wie ein Stein auf meiner Brust, der mir die Luft zum Atmen nimmt. Erst nach einigen Tagen nimmt dieses Gefühl ab. Es wird von der Akzeptanz abgelöst. Langsam begreife ich, ich verarbeite und kann damit leben. Lebe damit und lerne daraus zu schätzen. Das Leben, die einzelnen Momente, die jeden Augenblick ein Ende habe können. Der Schock ist nun überwunden. Ebenso die Schuld und der Schmerz. Es bleibt lediglich die Trauer. Eine Trauer, die nie ein Ende finden wird.
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