Achterbahn der Gefühle…

Der Puls fährt hoch. Und wieder runter. Innerlich drehe ich durch. Die Emotionen spielen verrückt. Momentan befinde ich mich in der Prüfungsphase und eine Klausur jagt die Nächste. Und damit auch ein Gefühl das Andere. Verzweiflung löst Euphorie ab. Die wiederum wird verdrängt von Unsicherheit. Ungewissheit darüber, ob man genug gemacht hat. Ob das Getane ausreicht. Einen Moment fühle ich mich, als hätte ich alles im Griff. Im nächsten Augenblick entgleitet mir jegliche Sicherheit. Ich versuche sie verzweifelt aufzufangen. Sie wiederzubekommen. Aber merke wie ich den Zweifeln langsam nachgebe. Und anfange aufzugeben. Doch dann übermannt mich wieder das Gefühl der Entschlossenheit. Mein Ehrgeiz fängt mich auf und nimmt das Ruder in die Hand. Ich schwimme eine Weile sicher und ungestört vorwärts. Bis sich mir ein Stein in den Weg legt, der zu einer innerlichen Blockade führt. Ein Hindernis, was nur mit viel Kraft aus dem Weg geräumt werden kann. Manchmal verharre ich einen Augenblick, manchmal eine Weile länger. Solange, bis ich genug Stärke gesammelt habe. Um dann die negativen Gedanken zu verbannen. Gänzlich. Sodass der Weg wieder frei ist. Ich durchstarten kann. Und hoffentlich auf einer Erfolgswelle reiten werde.

Quelle von allem Schönen…

Es ist der Anfang. Und kann das Ende bedeuten. Der Ursprung des Lebens. Und Auslöser vom Tod. Es schafft Lebensraum, schafft Hoffnung. Wenn man geschafft ist, kann es die notwendige Energie geben. Es gibt Antrieb. Treibt alltägliche Prozesse voran, treibt uns an. Es berührt uns und lässt sich gleichzeitig nicht von uns berühren. Zeitlich ist es schwer zu erfassen. Es bedeutet Wohlfühlen, Geborgenheit und Wärme. Aber es kann auch anders. Kann sich von seiner kühlen und kalten Seite zeigen. Es tritt immer anders auf. Mal in natürlicher Form, mal ist es künstlich. Es kann aufdringlich sein, aber auch zurückhaltend. Es zeigt sich in unterschiedlichen Farben. An unterschiedlichen Orten. Oft genügt ein Blick nach oben. Aber nicht immer. Manchmal ist es eine Entscheidung. Oft aber auch naturgegeben. Ob es sich steuern lässt, hängt von seiner Quelle ab. Einschalten und ausschalten. An und aus. Oft möglich. Übergänge schaffen. Manchmal möglich. So oder so. Wir brauchen es. Sind angewiesen auf seine Anwesenheit. Ebenso auch auf seine Abwesenheit. Wenn es weg ist, schlafen wir ein vor Müdigkeit. Und werden wacher, wenn es wieder da ist. Manch einer braucht es auch zum Einschlafen. Kann nicht ohne. Nächtlich dann in seiner sanftesten Form. Denn ewig seiner vollen Intensität ausgesetzt zu sein, würde einen zum Durchdrehen bringen. In Momenten, in denen man vor Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit durchdreht, kann es einen aufblicken lassen. Dann gibt es im Augenblick der persönlichen Dunkelheit einen Lichtblick. Denn es ist das komplette Gegenteil von Dunkelheit. Es strahlt. Ist hell und pur. Das Licht.

Schummelpaket…

Reinpassen. Sich anpassen, um dazuzugehören. Um in einer breiten Masse unterzugehen und nicht aufzufliegen. Nicht erwischt zu werden. Die Furcht vor dem Moment der Enthüllung. Indem alle realisieren, dass du hier nicht hingehörst. Fehl am Platz bist. Deplatziert. Dich platziert hast, wo du eigentlich nichts verloren hast.

Es gibt Momente, in denen man sich verliert. Man verliert jegliches Selbstvertrauen. Traut sich selbst nicht mehr. Man hört auf in Geschafftes, Getanes und Wissen zu vertrauen. Man fühlt sich fehl am Platz. In Momenten der Unsicherheit schleicht sich dieses Gefühl ein. Das Gefühl eine Heuchlerin zu sein. Anderen bloß etwas vorzuspielen. Sich selbst vorzuspielen, man gehöre hier her. Man rechtfertigt seinen Platz mit Glück. Den eigenen Erfolg mit Zufall. Eigenes Können tut man ganz ab. Andere müssen sich vertan haben. Sich getäuscht haben. Weil man selbst etwas vortäuscht. Und die Anderen auf die Illusion bloß hereinfallen. Man fragt sich, wann die Täuschung bemerkt wird.

Wann entdeckt jemand, dass ich hier nicht hingehöre? Nicht dazugehöre. Alle anderen besser sind. Besser reinpassen. Stets wissen was zu tun ist. Im Wissen voraus sind. So weit, dass Aufholen unmöglich scheint. Gefühlschaos. Man steht im Stau. Während alle anderen links überholen. Und das mit links. Mit einer Einfachheit und Lockerheit, von der man selbst nur träumen kann. Ist das alles ein Traum? Man zwickt sich in den Arm.

Und realisiert, dass man sich in der Realität befindet. Es wahr ist. Man sich getäuscht hat. Und Andere nicht täuscht. Obwohl es sich wirklich wie eine Täuschung anfühlt. Als hätte man geschummelt. Sich heimlich reingeschmuggelt. Als hätte man hier nichts verloren. Dabei hat man nur sich selbst kurz verloren. Aber auch wiedergefunden. Seinen Platz gefunden. Einen verdienten, erarbeiteten Platz. Also nimmt man Platz und atmet durch. Denn man ist kein Schummelpaket.

Streben nach fremden Glück…

Eine links. Die andere Einkaufstüte rechts. Das Plastik schnitt unangenehm in die Haut zwischen Zeigefinger und Daumen. Während sie schnellen Schrittes vorwärts ging, drohte der Knoten ihres Mantelgürtels langsam dem Druck des Windes nachzugeben. Das würde zur Freilegung des fingerbreiten Kaffeeflecks auf ihrem weißen Lieblingspulli führen. Der Morgen war bereits kein guter gewesen. Sie hatte verschlafen, sich unterwegs beim Bäcker ihren morgendlichen Kaffee geholt und mit dem ersten Schluck direkt das Verbrennen ihrer Zungenspitze gemerkt. Vor Schreck hatte sie den Pappbecher fallen gelassen. Nachdem sie auf der Damentoilette des Büros ihren Pulli vergeblich mit Seife und Wasser bearbeitet hatte, zog sie sich einen Blazer über. Dankbar nahm sie zur Kenntnis, dass so immerhin kein anderer ihr Frühstück zur Sicht bekam. Der Pulli war noch Stunden danach klamm. Während sie von ihren Kunden beschimpft wurde, dachte sie darüber nach, was sie für ihre Kinder abends kochen würde. Gestern hatte sie dem Kleinsten Pfannkuchen versprochen. Und sie hatte kein Mehl mehr zuhause. Nach Feierabend langte sie über den Schreibtisch nach ihrer Tasche. Dabei fegte sie den Becher mit den gelben Bleistiften herunter. Als sie sich auf den Boden kniete, protestierten ihre Knochen knackend. Genervt sammelte sie die Stifte und abgebrochenen Spitzen auf, stand schmerzenden Rückens wieder auf und zog ihren Blazer aus. Dann hing sie ihn über die Lehne ihres unbequemen Stuhls. Die Chefin hatte den Vorschlag neuer Stühle abgelehnt. Genauso wie letzte Woche ihre Bitte um eine Gehaltserhöhung. Erschöpft lief sie zu ihrem Auto. Sie hatte morgens keinen Parkplatz gefunden und es daher weiter weg als gewöhnlich geparkt. Ein Blick auf die Benzinanzeige brachte sie zu einem Zwischenstopp bei der Tankstelle. Benzin war teurer geworden. Das Wechselgeld von 15,43 € bekam sie in Münzen zurück. Sie nahm es ohne ein Wort zu sagen hin. Zu müde war sie. Im Supermarkt entdeckte sie dann auf dem Weg zum Mehl einiges, was ihrem Kühlschrank die gähnende Leere nehmen würde. Die zwei Plastiktüten füllten sich schnell. Ihren Stoffbeutel hatte sie zuhause. Beim Einpacken des Gekauften wurde sie aufgefordert sich zu beeilen. Der hinter ihr wartende Kunde hatte es scheinbar eilig. Jetzt trug sie die Tüten zum Auto. Komplett erschöpft. Da sah sie einen jungen Mann mit Handy am Ohr an ihr vorbeigehen. Sicherlich war er nicht einmal halb so alt wie sie. So jung und sorgenfrei. Für einen Moment wünschte sie sich sein Leben.

Er stand komplett neben sich. Eigentlich wollte er nach der Uni nur noch Brot und Aufstrich für den nächsten Morgen kaufen. Sein kleiner Bruder wartete bereits auf ihn zuhause. Der Vater war geschäftlich unterwegs. Seine Mutter hatte er nie kennengelernt. Im Gang mit den Backwaren klingelte sein Handy. Unbekannte Nummer. Eine junge Frau fragte zunächst nach seinem Namen. Dann, ob er einen Augenblick hätte. Es sei dringend. Er solle sich doch einmal kurz hinsetzen. Nachdem sie hörte wo er war, schlug sie mit sanfter Stimme vor einmal an die frische Luft zu gehen. Draußen angekommen redete sie. Ein Satz reichte aus. Seine kleine Welt zerplatze. Vater hatte einen Unfall gehabt. Die Frau redete weiter. Er konnte ihr längst nicht mehr folgen. Kurz drehte sich alles, sein Kopf pochte. Gedanken überschlugen sich, übertönten ihre Worte. Dann setzte er sich in Bewegung. Wie fremdgesteuert. Er wusste nicht wohin. Oder doch. Er musste zu seinem Wagen. Er musste etwas machen. Starren Blickes überquerte er den kleinen Parkplatz. Das gelbe Licht der grellen Beleuchtung schmerzte in seinen Augen. Er blinzelte eine Träne weg. Da fiel eine Frau in sein Sichtfeld. Sie war ordentlich gekleidet und wirkte organisiert. Durchstrukturiert. Sicherlich hatte sie eine perfekte Familie. Ihr Leben im Griff. Für einen Moment wünschte er sich ihr Leben.

Wir vergleichen uns. Gleichen Schwächen und Stärken ab. Freude und Leid. Und das alltäglich. Meistens unterbewusst. Ohne ein Bewusstsein dafür zu haben, dass Vieles uns verborgen bleibt. Wir oberflächlich sind. An der Oberfläche kratzen und uns oft bloß mit unseren eigenen Vorstellungen messen. Die realitätsfern sind. Wir interpretieren Positives in den uns völlig fernen Gegenüber ein und messen unsere eigenen Gedanken und Gefühle damit.

Aber wer ist frei von schlechten Momenten? Momenten der Trauer, des Leids.

Wer ist komplett perfekt? So ganz ohne Zweifel, Macken und schlechte Angewohnheiten.

Wer ist immer glücklich? Hat nie ein Unglück erlebt und ist stets zufrieden.

Auf der anderen Seite ist das Gras grüner. Schon als Kind habe ich das gehört. Aber warum wollen wir eigentlich immer etwas anderes, etwas von Anderen. Auch, wenn es womöglich gar nicht da ist. Aus Gesichtsausdrücken leiten wir Charakterzüge ab. Aus Erfolg, ein glückliches Leben. Aus einem Talent, eine tolle Persönlichkeit. Irgendwo zeigt das ewige Streben nach Mehr, dass wir einen Antrieb haben. Allerdings bringt es auch zum Vorschein, dass es schwer fällt zu verweilen. Einfach zu genießen. Vielleicht sollten wir uns darauf konzentrieren eigene Glücksmomente zu erkennen. Und uns nicht mit erdachten Gefühlen Anderer auseinanderzusetzen. Denn wir wissen nie wie es in Anderen aussieht. Uns selbst kennen wir. Und wir können eigenes Glück spüren. Uns daran erfreuen und einen Moment verweilen. Nach einer Weile können wir uns dann weiter auf die Suche machen. Nach dem nächsten Glücksmoment.

Du bist Gold wert…

Gold glänzt. Ist wertvoll. Sein Wert erkennbar. Zumindest wenn es funkelt. Wenn es andere erhellt. Aber es kann sein Strahlen verlieren. Durch Vernachlässigung. Nicht kümmern. Wenn es unbekümmert links liegen gelassen wird. Es verschmutzt. Zwar ist es noch wertvoll. Aber nur all jene wissen um seinen wahren Wert, welche sein Inneres bereits gesehen haben. Es kennen. Es im strahlendem Zustand erleben durften. Oder Potential in ihm gesehen und sich gekümmert haben. Und es dadurch langsam sein verlorenes Strahlen wiedergewonnen hat.

Aber wann sehe ich Gold? Wer ist Gold wert? Ist es wert? Und wer glänzt zwar wunderschön, aber entpuppt sich als Attrappe? Als unecht. Gekünstelt. Verlogen. Wird man betrogen? Bauchgefühl. Aber auch das täuscht. Einmal reicht. Man fällt drauf rein. Man fällt rein. In den übersehenen Abgrund. Jetzt ist man unten. Befindet sich in einem Tief. Das Tal der Gefühle. Und doch lernt man dazu. Nach dem Besinnen. Man kann noch gewinnen. Sich selbst wiedergewinnen. Man steigt langsam nach oben. Empor. Jeder Schritt scheint härter. Gleichzeitig wird man immer stärker. Zieht Kraft aus dem Gelernten. Aus Fehlern lernt man. Nun hat man ein Ziel vor Augen. Zielt darauf ab sich wiederzufinden. Und irgendwann ist man oben. An der Spitze. Kurz kraftlos. Langfristig bestärkt. Und man genießt den Ausblick. Wahrscheinlich mehr, als jeder auf der Bergspitze Wohnende. Denn die anderen sehen die schöne Aussicht. Du aber kennst die Anstrengung. Siehst Mühe und Schmerz, den der Aufstieg dich gekostet haben. Und, dass du es geschafft hast. Das ist kostbar. Unbezahlbar. Wertvoll. Du weißt, du bist es wert. Anderen. Aber vor allem dir selbst. Du bist Gold wert.

Frühlingsgefühle…

Die Sonne streckt noch langsam ihre Fühler aus, während die Mücken gnadenlos bereits alles und jeden zerstechen, was nicht bei drei wieder im Haus ist.

Die Pollen wehen durch die Lüfte und sorgen für einen Umsatzanstieg bei Unternehmen, die Taschentücher verkaufen und Waschanlagen, in die zu Haufe gelbe Autos fahren.

Die meisten Menschen laufen, trotz des Blicks am Morgen auf die Wetterapp, entweder im Kleid durch den Schatten oder im Mantel durch die pralle Sonne.

Doch trotz der kleinen Unannehmlichkeiten,  die der Frühling mit sich bringt, ist er immer noch unter den Top Vier der atemberaubendsten Jahreszeiten:

Obwohl man sich ausschließlich von Eis ernährt, hat man das Gefühl man würde aufgrund der Fässer Schweiß, die man täglich füllt, mindestens zehn Kilo abnehmen.

Obwohl man nur Ameisen und Mücken zu Gesicht bekommt, hat man aufgrund der von Vogelgesang geprägten Geräuschkulisse das Gefühl man wäre kommunikativ wie nie.

Der Frühling ist doch herrlich.
Regenbogen

 

Schlafen – mein Hobby…

Ich schlafe gerne. Meistens bin ich, wenn ich nichts vorhabe, die letzte, die ihren Hintern aus dem Bett schwingt. Wobei ich zugeben muss, dass selbst dann das Aufstehen kein freiwilliger Prozess ist. Viel mehr geht es einher mit dem Wegziehen meiner Decke und als Reaktion darauf verärgertes Grummeln meinerseits. Aber auch, wenn ich schließlich auf beiden Füßen stehe, bin ich lange nicht wach. Meine Füße sind noch im Schlafmodus und steuern schnell mal die falsche Richtung an, was ich natürlich immer zu spät merke, da meine Augen nur gerade weit genug geöffnet sind, um zu registrieren, dass es für die vollkommene Freilegung meiner Pupillen einfach zu hell ist. Schließlich will ich nicht erblinden. Auch mein Gehirn ist noch nicht funktionsfähig, denn die einzigen Ideen, die mir morgens so durch den Kopf schwirren, beinhalten mich einfach wieder ins Bett zu legen und weiterzuschlafen.

„Du hast genug Zeit und wenn es knapp wird, dann lässt du einfach das Schminken weg“ ist nur ein Gedanke, der fast alltäglich auftritt. Leider bin ich Meisterin der Selbstmanipulation, daher befindet mein funktionsunfähiges, morgendliches Gehirn die eigenen Ideen fast immer für großartig und richtet sich danach. Heißt in einfachen Worten: Ich schlafe einige wenige Minuten länger und befinde mich danach im totalen Stress.

Obwohl ich, wie man mittlerweile langsam mitbekommen haben sollte, den Schlafprozess beinahe zu meinen Hobbys zählen kann, sträube ich mich Tag für Tag davor früh ins Bett zu gehen. Am Abend lässt es sich für mich einfach am kreativsten, effektivsten und besten arbeiten. Für mich ist also das Schulsystem, welches elendiges Weckerstellen und das Schreiben von Klausuren in den frühen Morgenstunden beinhaltet, vollkommen ungeeignet. Da ich auch nicht einsehe meine besten Stunden des Tages, die den Abend einnehmen, zu verschlafen, verbringe ich die ersten Schulstunden meistens sehr schläfrig an meinem Pult.

Eine weitere Sache ist das Essen. Wenn ich müde bin, und die Müdigkeit am morgen hält wie bereits erwähnt mehrere Stunden an, dann habe ich absolut keinen Hunger. Sowieso kosten das Kauen und Schlucken des Essens, genauso wie das Heben der Arme, um die Kost zum Mund zu führen, Energie, die ich morgens einfach aufbringen kann, weil sie schlicht und einfach nicht vorhanden ist. Nur mein Magen macht dem ganzen immer wieder einen Strich durch die Rechnung, in dem er einfach nach purer Lust und Laune anfängt zu plärren. Und es geht dabei nicht um ein leises Murren. Nein, der Lärm den der veranstaltet bringt mir die Aufmerksamkeit der gesamten Klasse inklusive des vornestehenden Lehrers ein, was dazu führt, dass ich augenblicklich alles daran setze mir meine Schläfrigkeit nicht mehr anmerken zu lassen, während ich empört zu meiner Nachbarin schaue, um die anderen der Herkunft des Knurrens betreffend ein Stück weit zu verwirren. Denn auch bei Schläfrigkeit – der Spaß darf nicht fehlen!

 

Wie man zur Marionette wird…

Man ist stark. Das redet man sich zumindest ein. Weil es die Situation irgendwie greifbarer macht. Als ob man sie in den Händen hält, sie beliebig steuern kann. Obwohl es vielleicht umgekehrt es. Und sie viel eher dich steuert. Deine Worte und Gefühle.

Es geht um Macht. Innerhalb einer Situation, die beidseitig beherrschbar ist. Je nachdem wer welchen Schritt wagt, kann kontrollieren. Hat Kontrolle, über den jeweils anderen. Man kann sich einreden, dass alles einfach an einem abprallt, einen nicht im Geringsten tangiert. Aber es ist doch eigentlich ganz anders. Du bist stark, weil die Situation vor dir liegt. Du betrachtest sie, das Betrachten gibt dir ein Gefühl von Kontrolle. Du kannst bestimmen von welcher Seite aus du sie betrachtest, wie nah du herangehst und schaust. Ob du überhaupt hinschaust, wann du lieber wegschaust und ignorierst. Du hast die Möglichkeit jederzeit auf Abstand zu gehen, dich umzudrehen und woanders hinzuschauen.

Wenn aber ein anderer kommt, diese vor dir liegende Situation einfach nimmt und dir vor die Füße schmeißt, dich zwangsläufig hineinzerrt, dann entgleitet dir die Kontrolle über die eben noch von dir aus der Ferne betrachtete Situation. Es ist als würde man dir den Boden unter den Füßen einfach wegreißen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Deinen Füßen fehlt der Boden als Halt, als Anhaltspunkt und du bist der Situation schutzlos ausgeliefert.

Du weißt nicht einmal mehr wo sie ist, die Situation. Ob du dich schon in ihr befindest oder ob sie auf dich zurast. So verdattert bist du. Deine Augenlider blinzeln wie verrückt und doch nimmst du nichts wahr. Kannst oben und unten nicht mehr zuordnen, vorne und hinten. Es ist schrecklich.

Und du hasst dich dafür. Dafür, dass du weißt, dass ein anderer dir einfach so die Fäden aus der Hand reißen kann und auf einmal du, die eben noch die Situation scheinbar fest in beiden Händen hatte, selbst zur Marionette wirst. Dass ein anderer plötzlich die Kontrolle hat. Über deine Handlungen, Gefühle, über dich. Scham erfüllt dich.