Achterbahn der Gefühle…

Der Puls fährt hoch. Und wieder runter. Innerlich drehe ich durch. Die Emotionen spielen verrückt. Momentan befinde ich mich in der Prüfungsphase und eine Klausur jagt die Nächste. Und damit auch ein Gefühl das Andere. Verzweiflung löst Euphorie ab. Die wiederum wird verdrängt von Unsicherheit. Ungewissheit darüber, ob man genug gemacht hat. Ob das Getane ausreicht. Einen Moment fühle ich mich, als hätte ich alles im Griff. Im nächsten Augenblick entgleitet mir jegliche Sicherheit. Ich versuche sie verzweifelt aufzufangen. Sie wiederzubekommen. Aber merke wie ich den Zweifeln langsam nachgebe. Und anfange aufzugeben. Doch dann übermannt mich wieder das Gefühl der Entschlossenheit. Mein Ehrgeiz fängt mich auf und nimmt das Ruder in die Hand. Ich schwimme eine Weile sicher und ungestört vorwärts. Bis sich mir ein Stein in den Weg legt, der zu einer innerlichen Blockade führt. Ein Hindernis, was nur mit viel Kraft aus dem Weg geräumt werden kann. Manchmal verharre ich einen Augenblick, manchmal eine Weile länger. Solange, bis ich genug Stärke gesammelt habe. Um dann die negativen Gedanken zu verbannen. Gänzlich. Sodass der Weg wieder frei ist. Ich durchstarten kann. Und hoffentlich auf einer Erfolgswelle reiten werde.

Streben nach fremden Glück…

Eine links. Die andere Einkaufstüte rechts. Das Plastik schnitt unangenehm in die Haut zwischen Zeigefinger und Daumen. Während sie schnellen Schrittes vorwärts ging, drohte der Knoten ihres Mantelgürtels langsam dem Druck des Windes nachzugeben. Das würde zur Freilegung des fingerbreiten Kaffeeflecks auf ihrem weißen Lieblingspulli führen. Der Morgen war bereits kein guter gewesen. Sie hatte verschlafen, sich unterwegs beim Bäcker ihren morgendlichen Kaffee geholt und mit dem ersten Schluck direkt das Verbrennen ihrer Zungenspitze gemerkt. Vor Schreck hatte sie den Pappbecher fallen gelassen. Nachdem sie auf der Damentoilette des Büros ihren Pulli vergeblich mit Seife und Wasser bearbeitet hatte, zog sie sich einen Blazer über. Dankbar nahm sie zur Kenntnis, dass so immerhin kein anderer ihr Frühstück zur Sicht bekam. Der Pulli war noch Stunden danach klamm. Während sie von ihren Kunden beschimpft wurde, dachte sie darüber nach, was sie für ihre Kinder abends kochen würde. Gestern hatte sie dem Kleinsten Pfannkuchen versprochen. Und sie hatte kein Mehl mehr zuhause. Nach Feierabend langte sie über den Schreibtisch nach ihrer Tasche. Dabei fegte sie den Becher mit den gelben Bleistiften herunter. Als sie sich auf den Boden kniete, protestierten ihre Knochen knackend. Genervt sammelte sie die Stifte und abgebrochenen Spitzen auf, stand schmerzenden Rückens wieder auf und zog ihren Blazer aus. Dann hing sie ihn über die Lehne ihres unbequemen Stuhls. Die Chefin hatte den Vorschlag neuer Stühle abgelehnt. Genauso wie letzte Woche ihre Bitte um eine Gehaltserhöhung. Erschöpft lief sie zu ihrem Auto. Sie hatte morgens keinen Parkplatz gefunden und es daher weiter weg als gewöhnlich geparkt. Ein Blick auf die Benzinanzeige brachte sie zu einem Zwischenstopp bei der Tankstelle. Benzin war teurer geworden. Das Wechselgeld von 15,43 € bekam sie in Münzen zurück. Sie nahm es ohne ein Wort zu sagen hin. Zu müde war sie. Im Supermarkt entdeckte sie dann auf dem Weg zum Mehl einiges, was ihrem Kühlschrank die gähnende Leere nehmen würde. Die zwei Plastiktüten füllten sich schnell. Ihren Stoffbeutel hatte sie zuhause. Beim Einpacken des Gekauften wurde sie aufgefordert sich zu beeilen. Der hinter ihr wartende Kunde hatte es scheinbar eilig. Jetzt trug sie die Tüten zum Auto. Komplett erschöpft. Da sah sie einen jungen Mann mit Handy am Ohr an ihr vorbeigehen. Sicherlich war er nicht einmal halb so alt wie sie. So jung und sorgenfrei. Für einen Moment wünschte sie sich sein Leben.

Er stand komplett neben sich. Eigentlich wollte er nach der Uni nur noch Brot und Aufstrich für den nächsten Morgen kaufen. Sein kleiner Bruder wartete bereits auf ihn zuhause. Der Vater war geschäftlich unterwegs. Seine Mutter hatte er nie kennengelernt. Im Gang mit den Backwaren klingelte sein Handy. Unbekannte Nummer. Eine junge Frau fragte zunächst nach seinem Namen. Dann, ob er einen Augenblick hätte. Es sei dringend. Er solle sich doch einmal kurz hinsetzen. Nachdem sie hörte wo er war, schlug sie mit sanfter Stimme vor einmal an die frische Luft zu gehen. Draußen angekommen redete sie. Ein Satz reichte aus. Seine kleine Welt zerplatze. Vater hatte einen Unfall gehabt. Die Frau redete weiter. Er konnte ihr längst nicht mehr folgen. Kurz drehte sich alles, sein Kopf pochte. Gedanken überschlugen sich, übertönten ihre Worte. Dann setzte er sich in Bewegung. Wie fremdgesteuert. Er wusste nicht wohin. Oder doch. Er musste zu seinem Wagen. Er musste etwas machen. Starren Blickes überquerte er den kleinen Parkplatz. Das gelbe Licht der grellen Beleuchtung schmerzte in seinen Augen. Er blinzelte eine Träne weg. Da fiel eine Frau in sein Sichtfeld. Sie war ordentlich gekleidet und wirkte organisiert. Durchstrukturiert. Sicherlich hatte sie eine perfekte Familie. Ihr Leben im Griff. Für einen Moment wünschte er sich ihr Leben.

Wir vergleichen uns. Gleichen Schwächen und Stärken ab. Freude und Leid. Und das alltäglich. Meistens unterbewusst. Ohne ein Bewusstsein dafür zu haben, dass Vieles uns verborgen bleibt. Wir oberflächlich sind. An der Oberfläche kratzen und uns oft bloß mit unseren eigenen Vorstellungen messen. Die realitätsfern sind. Wir interpretieren Positives in den uns völlig fernen Gegenüber ein und messen unsere eigenen Gedanken und Gefühle damit.

Aber wer ist frei von schlechten Momenten? Momenten der Trauer, des Leids.

Wer ist komplett perfekt? So ganz ohne Zweifel, Macken und schlechte Angewohnheiten.

Wer ist immer glücklich? Hat nie ein Unglück erlebt und ist stets zufrieden.

Auf der anderen Seite ist das Gras grüner. Schon als Kind habe ich das gehört. Aber warum wollen wir eigentlich immer etwas anderes, etwas von Anderen. Auch, wenn es womöglich gar nicht da ist. Aus Gesichtsausdrücken leiten wir Charakterzüge ab. Aus Erfolg, ein glückliches Leben. Aus einem Talent, eine tolle Persönlichkeit. Irgendwo zeigt das ewige Streben nach Mehr, dass wir einen Antrieb haben. Allerdings bringt es auch zum Vorschein, dass es schwer fällt zu verweilen. Einfach zu genießen. Vielleicht sollten wir uns darauf konzentrieren eigene Glücksmomente zu erkennen. Und uns nicht mit erdachten Gefühlen Anderer auseinanderzusetzen. Denn wir wissen nie wie es in Anderen aussieht. Uns selbst kennen wir. Und wir können eigenes Glück spüren. Uns daran erfreuen und einen Moment verweilen. Nach einer Weile können wir uns dann weiter auf die Suche machen. Nach dem nächsten Glücksmoment.

Allgemeines Lebensrisiko…

Er rauchte nicht. Trank nicht. Schaute immer zweimal nach links und einmal nach rechts. Dann erst überquerte er eine Straße. Im Straßenverkehr war er stets aufmerksam. Nahm Risiken wahr und dementsprechend ernst. Hielt sich lieber zurück. Sah zunächst nach vorne. Dann erst ging er einen Schritt. Er scheute blindes Handeln. Sah genau hin. Und dachte nach. Danach handelte er. Stets gut überlegt. Mögliche Folgen mehrfach bedacht. Er überdachte sein Leben. Immer. Und dann fiel in seinem Studentenzimmer die Glühbirne aus. Mal wieder die über seinem Bett. Also stieg er drauf. Herunter fiel er. Und starb sofort.

Sie fürchtete sich nicht. War furchtlos und abenteuerlustig. Lebte ihr Leben. Unbedacht. Doch beachtlich. Sie liebte Gewitter im Wald. Eislaufen auf dem halb zugefrorenem See in ihrem Heimatdorf. Sie nahm Getränke von Fremden im Club stets dankend an. Lief danach in der Dunkelheit mit Kopfhörern in den Ohren nachhause. Ihre Umgebung nahm sie dabei nur verschwommen wahr. Alkohol und Nikotin hatten ihre Sinne getrübt. Wenn ihre Füße sie nicht mehr trugen, streckte sie ihre Hand aus. Und fuhr per Anhalter weiter. Sie liebte das Risiko. Adrenalin. Unkontrollierbare Momente. Kontrollverlust. Sie lebte ihr Leben dementsprechend. Gab oft Kontrolle ab. Gab es auf alles zu überdenken. Im Altenheim schlief sie eines Abends in ihrem Bett ein. Und wachte am nächsten Morgen nicht wieder auf.

Wie lebt man? Also richtig. Im Sinne von alles mitnehmen. Erleben. Nichts verpassen. Wie lebt man richtig? Also gegenteilig von falsch. Wie mache ich nichts falsch. Fehler gehören dazu. Aber welche sind langfristig gut. Gut für mich. Weil ich aus ihnen lerne. Weil sie eine Weiterentwicklung anstoßen. Und welche bremsen mich. Hindern mich daran dazuzulernen. Weil ich mich womöglich nicht davon erhole. Ein Fehler mich zerstört.

Was ist erlaubt. Was darf ich. Mir und anderen zumuten. Und was erlaube ich mir lieber nicht. Worauf verzichte ich. Und gewinne langfristig deshalb.

Risikoreich leben und arm dran sein und sterben?

Manchmal scheint der Verzicht auf Risiko am besten. Aber führen wir den Gedanken daran aus. Denken wir ihn weiter und konsequent zu Ende. Es würde unser Ende bedeuten. Unser eigenes Verderben.

Es fängt an mit einer Straße. Straßenunfälle. Alltäglich. Also die Straße lieber nicht überqueren?

Es geht weiter mit Essen. Unentdeckte Allergien, mögliches Ersticken. Kommt vor. Also nicht essen?

Es hört auf mit zuhause. Ausrutschen, Fallen, sich ungünstig Stoßen. Nicht selten. Also?

Was ist die Schlussfolgerung? Für mich ist es leben. Zu leben. Dabei stets abzuwägen. Manchmal auch einfach nicht nachdenken. Denn ein Risiko ist immer da. Mal ist es geringer. Mal ausgesprochen hoch. Und doch ist es unausgesprochen sicher. Das einzig Sichere. Verlässlich wie unser Tod. Bis dahin ist alles unklar. Klarheit können wir lediglich mit diesem Bewusstsein schaffen. Es uns bewusst machen, dass wir viel nicht wissen. Unwissend sind über den Ausgang vieler Anfänge. Und, dass Risiko alltäglich ist. Also bleibt uns nicht anderes übrig, als unseren Alltag zu leben. Und froh darüber zu sein. Dass wir selbst etwas erleben. Dass wir Leben beginnen und enden sehen. Dass wir selber leben. Lebendig sind. Lass uns einfach leben. Auch wenn es machmal nicht einfach ist.

Neuer Anfang eines alten Weges…

Sie legt sich in ihre Liege. Der silberne Laptop liegt mittig in ihrem Schoß. Sie klappt ihn auf. Atmet einmal tief ein. Und langsam wieder aus. Dann berührt sie mit ihren Fingerkuppen sanft die Buchstaben auf der dunklen Tastatur. Und schreibt drauf los. Erst ein wenig zögerlich. Dann, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

Drei Jahre ist es nun her seit ich meinen letzten Blogbeitrag geschrieben habe. Und ich habe es vermisst. Zu schreiben und meine Gedanken über nichts und die Welt zu teilen. Inzwischen bin ich 22 Jahre alt. Bin gereift und habe ein wenig mehr zu mir selbst gefunden. Weiß ein wenig mehr, was ich will und was nicht. Wer ich bin und wo ich einmal im Leben sein möchte. Zumindest in etwa. Ankommen tut man wohl nie ganz. Denn das würde Stagnation bedeuten.

Unser Leben ist ein Weg, den wir allmählich beschreiten. Mal setzen wir einen Fuß bedächtig vor den anderen. Mal rennen wir. Mal straucheln wir, fallen womöglich hin. Und stehen wieder auf. Weil wir wissen, dass wir unser Ziel noch nicht erreicht haben. Mal verweilen wir. Mal verirren wir uns. Und doch geht es immer irgendwann weiter. Wir lernen. Lernen dazu und Neues kennen. Begegnen Menschen, begrüßen sie in unserem Leben. Beschreiten mit ihnen gemeinsam unseren Weg. Manchmal trennen sich die Wege. Unterschiedliche Richtungen werden eingeschlagen. Man verabschiedet sich. Vielleicht trifft man später noch einmal auf einander. Vielleicht aber auch nicht. So oder so. Man macht weiter, geht weiter. Denn es gibt viel zu sehen, zu erleben, zu lernen. Über das Leben, über sich selbst. Aus Fehlern und aus schönen Momenten. Aus anderen Menschen, die einen lehren, inspirieren und Freude bereiten. Sie zeigen einem Richtungen, Versionen und regen einen zum Nachdenken an. Über nichts und die Welt.

So wie man selbst etwas aus zwischenmenschlichen Beziehungen mitnimmt, gibt man auch anderen etwas. Sei es Mut. Sei es Hoffnung. Sei es eine Option. Denn Optionen gibt es immer. Jeder Moment ist eine Entscheidung. Für etwas. Und gegen etwas anderes. Zeit ist kostbar. Wir entscheiden immer wieder neu mit wem wir sie verbringen möchten. Was wir in der uns verbleibenden Zeit machen möchten. Wem wir sie schenken. Wem wir Aufmerksamkeit schenken und in welchen Momenten wir lieber unaufmerksam bleiben. Wann wir verweilen und genießen. Wann wir davongehen und mit wem. Wann wir alleine sein möchten und wann wir zusammen einen Weg beschreiten. Weil es gemeinsam einfacher für beide ist. Gegenseitige Unterstützung einem notwendig erscheint. Und weil es mehr Freude macht.

Ich habe mich dazu entschieden den Weg des Bloggens weiter zu gehen. Weil es mir Freude bereitet. Und ich hoffentlich zum Nachdenken anregen kann. Einen Austausch anstoßen kann. Es fühlt sich richtig an. Ich hoffe, dass ich diesen Weg nicht alleine beschreite. Dass alte Weggefährten wieder zu mir finden. Und neue Wegbegleiter dazukommen. Auf einen neuen Anfang. Oder das Weiterführen von nie Beendetem. Denn der Weg endet nie. Und ich laufe weiter. Gerade voller Vorfreude.

Frühlingsgefühle…

Die Sonne streckt noch langsam ihre Fühler aus, während die Mücken gnadenlos bereits alles und jeden zerstechen, was nicht bei drei wieder im Haus ist.

Die Pollen wehen durch die Lüfte und sorgen für einen Umsatzanstieg bei Unternehmen, die Taschentücher verkaufen und Waschanlagen, in die zu Haufe gelbe Autos fahren.

Die meisten Menschen laufen, trotz des Blicks am Morgen auf die Wetterapp, entweder im Kleid durch den Schatten oder im Mantel durch die pralle Sonne.

Doch trotz der kleinen Unannehmlichkeiten,  die der Frühling mit sich bringt, ist er immer noch unter den Top Vier der atemberaubendsten Jahreszeiten:

Obwohl man sich ausschließlich von Eis ernährt, hat man das Gefühl man würde aufgrund der Fässer Schweiß, die man täglich füllt, mindestens zehn Kilo abnehmen.

Obwohl man nur Ameisen und Mücken zu Gesicht bekommt, hat man aufgrund der von Vogelgesang geprägten Geräuschkulisse das Gefühl man wäre kommunikativ wie nie.

Der Frühling ist doch herrlich.
Regenbogen

 

Im Café…

Vertieft in ein Gespräch und trotzdem aufmerksam genug um die Flugbahn einer Wespe zu beobachten, die von einem Tisch zum anderen fliegt, sitze ich da. Die Tische neben uns sind frei, lediglich ein älterer Herr mit sich lichtendem Haar und Hornbrille starrt versunken in die aufgeschlagene Zeitung vor ihm. Kurz abschweifend denke ich darüber nach, was die aufgeschlagene Seite des beidseitig bedrucktem, schwarz-weiß Exemplars ihm wohl an Neuigkeiten vermittelt. Ob der alte Mann bei den neuen Schrecklichkeiten etwas fühlt oder ob er ein neutraler Leser ist und die Nachrichten lediglich auf sich einprasseln lässt, sie aufschnappt, ihnen aber den Weg zu seinem Herzen verwehrt.

Die Wespe landet auf seinem dünnen, weißen Haar an der rechten Seite seines Kopfes. Der Mann merkt nichts. Er liest weiter. Die kleine Wespe scheint ihren Körper erfolgreich abgebremst zu haben. Sie schaut sich um. Entscheidet sich dazu ihre Umgebung genauer zu erkunden. Sie krabbelt näher an das Ohr. Hinter das Ohr. Das Rechte. Ich kann sie nicht mehr sehen.

Die Hand des Mannes schnellt blitzartig hervor. Sie trifft sein Ohr. Das Rechte. Die arme, kleine Wespe, denke ich. Der Mann nimmt seine dunkel gefärbte Brille von der Nase, die Zeitung liegt längst schräg auf seinem Schoß. Eine Seite droht herauszufallen. Mit rechter Hand tastet er sein Ohr ab, kratzt schließlich.

10 Sekunden. Eine Minute. Noch eine Minute verstreicht. Schließlich streicht er über sein Haar. Dort, wo die Wespe sich aufgehalten hatte. Nach hinten gleiten seine Finger. Immer, immer wieder. Schließlich liegen die paar Haare wieder glatt an der Haut. Ich erblicke die Wespe. Sie krabbelt am Boden entlang. Direkt zwischen seinen Füßen befindet sie sich nun. Nur einmal müsste er seinen rechten Fuß minimal nach links bewegen. Es wäre ihr Ende.

Aber seine Füße bleiben fest auf dem Boden, rühren sich nicht. Der Herr setzt sich seine Brille wieder auf. Plötzlich bewegt sich sein Kopf. Wenn er jetzt die Wespe erblickt – es würde für sie nicht gutausgehen. Er dreht sich um. Schneller, als ich es ihm zugetraut hätte. Sein Blick fällt auf mich. Böse schaut er mich an.
Glück gehabt, kleine Wespe, denke ich und starre zurück.

Schlafen – mein Hobby…

Ich schlafe gerne. Meistens bin ich, wenn ich nichts vorhabe, die letzte, die ihren Hintern aus dem Bett schwingt. Wobei ich zugeben muss, dass selbst dann das Aufstehen kein freiwilliger Prozess ist. Viel mehr geht es einher mit dem Wegziehen meiner Decke und als Reaktion darauf verärgertes Grummeln meinerseits. Aber auch, wenn ich schließlich auf beiden Füßen stehe, bin ich lange nicht wach. Meine Füße sind noch im Schlafmodus und steuern schnell mal die falsche Richtung an, was ich natürlich immer zu spät merke, da meine Augen nur gerade weit genug geöffnet sind, um zu registrieren, dass es für die vollkommene Freilegung meiner Pupillen einfach zu hell ist. Schließlich will ich nicht erblinden. Auch mein Gehirn ist noch nicht funktionsfähig, denn die einzigen Ideen, die mir morgens so durch den Kopf schwirren, beinhalten mich einfach wieder ins Bett zu legen und weiterzuschlafen.

„Du hast genug Zeit und wenn es knapp wird, dann lässt du einfach das Schminken weg“ ist nur ein Gedanke, der fast alltäglich auftritt. Leider bin ich Meisterin der Selbstmanipulation, daher befindet mein funktionsunfähiges, morgendliches Gehirn die eigenen Ideen fast immer für großartig und richtet sich danach. Heißt in einfachen Worten: Ich schlafe einige wenige Minuten länger und befinde mich danach im totalen Stress.

Obwohl ich, wie man mittlerweile langsam mitbekommen haben sollte, den Schlafprozess beinahe zu meinen Hobbys zählen kann, sträube ich mich Tag für Tag davor früh ins Bett zu gehen. Am Abend lässt es sich für mich einfach am kreativsten, effektivsten und besten arbeiten. Für mich ist also das Schulsystem, welches elendiges Weckerstellen und das Schreiben von Klausuren in den frühen Morgenstunden beinhaltet, vollkommen ungeeignet. Da ich auch nicht einsehe meine besten Stunden des Tages, die den Abend einnehmen, zu verschlafen, verbringe ich die ersten Schulstunden meistens sehr schläfrig an meinem Pult.

Eine weitere Sache ist das Essen. Wenn ich müde bin, und die Müdigkeit am morgen hält wie bereits erwähnt mehrere Stunden an, dann habe ich absolut keinen Hunger. Sowieso kosten das Kauen und Schlucken des Essens, genauso wie das Heben der Arme, um die Kost zum Mund zu führen, Energie, die ich morgens einfach aufbringen kann, weil sie schlicht und einfach nicht vorhanden ist. Nur mein Magen macht dem ganzen immer wieder einen Strich durch die Rechnung, in dem er einfach nach purer Lust und Laune anfängt zu plärren. Und es geht dabei nicht um ein leises Murren. Nein, der Lärm den der veranstaltet bringt mir die Aufmerksamkeit der gesamten Klasse inklusive des vornestehenden Lehrers ein, was dazu führt, dass ich augenblicklich alles daran setze mir meine Schläfrigkeit nicht mehr anmerken zu lassen, während ich empört zu meiner Nachbarin schaue, um die anderen der Herkunft des Knurrens betreffend ein Stück weit zu verwirren. Denn auch bei Schläfrigkeit – der Spaß darf nicht fehlen!

 

Ein Traum für Stalker…

Wir posten, teilen, schreiben. Tagtäglich. Privates wird öffentlich gemacht. Anonymität wird zum Fremdwort. Dort draußen – in der Welt des Internets. Jene Welt, welche die meisten von uns in Form ihres Smartphones in der Hosentasche haben.

Auch ich gehöre wohl zu denen, die manch ältere Generation als Junkies bezeichnet. Abhängige, die einfach nicht von ihren elektronischen Geräten lassen können. Es ist für viele das Sinnbild schlechthin der vorherrschenden, gestörten Kommunikation. Obwohl eine Kommunikation ja zweifelsfrei stattfindet. Nicht umsonst heißt es „Soziale Medien“. Nur fehlt eben der direkte Augenkontakt. Gefühle werden durch Smileys ausgedrückt, oft fehlt einfach die Echtheit. Und doch wird so viel geschrieben, gepostet, genapt wie nie zuvor. Aber dass wir anderen dadurch auch eine Angriffsfläche bieten, ist den wenigsten bewusst.

Das neuste Update von der beliebten App Snapchat, über die man zeitlich begrenzt Fotos und Videos an Freunde schicken kann, finde ich persönlich ziemlich beunruhigend. Die Neuheit, die sogenannte „Snap Map“ zeigt deinen Standort all deinen Freunden an. Beim Öffnen der App wird der Standort aktualisiert. Natürlich gibt es auch eine Möglichkeit das Ganze zu umgehen, allerdings stelle ich mit Erschrecken in meinem eigenen Umfeld fest, dass die wenigsten sich scheinbar über die Tragweite der neuen Funktion Gedanken machen und die Funktion blind hinnehmen.

Ich frage mich, wer denn wirklich will, dass jeder weiß, wo man sich gerade aufhält. Und das zu jedem Zeitpunkt. Die Karte zeigt nicht nur das Land oder die Stadt an. Nein, der Standort ist so genau, dass es möglich ist die genaue Adresse mitsamt der Hausnummer ausfindig zu machen. Die ideale Möglichkeit für Stalker.

Anstatt geschockt zu sein, sind allerdings alle hellauf begeistert. Irgendwie freue ich mich jetzt schon darauf zu sehen, wie die euphorisierten Nutzer reagieren werden, wenn sie bemerken, dass Ausreden nicht mehr ziehen. Man kann schließlich nicht sagen, dass man gerade schwer beschäftigt zuhause an einem Vortrag sitzt, wenn Snapchat doch anzeigt, dass man gerade in der Stadt unterwegs ist. Genauso verhält es sich mit zufälligen Begegnungen. Ob zukünftige Begegnungen wirklich zufällig sind, kann man nicht mehr mit Gewissheit sagen, wo es doch ein Leichtes ist eine Begegnung zu provozieren, wo man ja ganz genau weiß wo der andere sich gerade aufhält.

Also für mich ist ganz klar, dass diese neue Funktion mir gestohlen bleiben kann. Wer wissen will wo ich bin, der soll (ganz altmodisch) einfach fragen. Und dann liegt es immer noch allein bei mir meinen Aufenthaltsort zu verraten – oder eben auch nicht.

Der intensivste Monat im Jahr…

Gefühlt war für mich vor einer Woche noch November und der Nikolaus kam gerade erst vorgestern. So schnell wie die Zeit vergeht, kann ich zurzeit gar nicht nach links und rechts schauen. Es ist so viel zu tun, ich lebe von Tag zu Tag, erledige, was sofort zu erledigen ist. An Pläne ist nicht zu denken, der Stress und Druck halten mich auf Trab. Für mich ist der Dezember der Monat, der gefühlt am schnellsten vorbeigeht. Wobei vorbeigehen nicht mal das richtige Wort ist um es beschreiben – vorbeiziehen, besser noch: vorbeifliegen trifft es wohl eher. Man atmet einmal ein, einmal aus, und schon ist der Tag schon wieder vorbei und ein neuer Tag mit neuen Herausforderungen wartet auf einen. Umso schöner ist es dann, wenn man zwischen dem ganzen Stress und Zeitdruck mal ein paar Minuten für sich findet, in denen man sich auf Weihnachten einstimmen kann. Weihnachtsmusik, Schokolade, Kuschelsocken und Duftkerzen gehören bei mir da absolut zum Pflichtprogramm. Und in diesen kleinen Momenten werde ich mir einmal mehr darüber klar, wie gut ich es doch habe. Ich bin schließlich glücklich und zufrieden. Stress hin oder her, letztendlich wird Weinachten toll sein und die Atmosphäre an sich im Dezember ist meiner Meinung nach immer unbeschreiblich schön. Und selbst der Zeitdruck hat etwas Gutes – für meinen Teil arbeite ich nie so viel wie im Dezember. Der Stress spornt mich an. Wenn ich abends vollkommen erschöpft ins Bett falle, dann mit dem Gedanken heute etwas geschafft zu haben. Und das ist ein verdammt gutes Gefühl, mit dem es sich gleich besser schlafen lässt. Und zugleich ist es unglaublich motivierend, sodass das Aufstehen am nächsten Morgen gleich weniger schlimm erscheint, auch wenn nur ein kleines bisschen (dafür bin ich zu sehr Morgenmuffel). Aber letztendlich ist der Dezember nicht nur der gefühlt am schnellsten vergehende Monat im Jahr, sondern für mich ist er auch einer der Intensivsten. Sowohl was den Stress anbelangt, als auch die Stimmung, die einfach einzigartig ist. Und daher werde ich den Dezember, also das was davon noch übrig ist, in vollen Zügen auskosten, auch, wenn er nach einmal Blinzeln vermutlich vorüber ist und wir in ein neues Jahr starten.

Verhasste Fahrschule…

Im Moment bin ich dabei meinen Führerschein zu machen und darf jede Woche in einem  Auto mit der großen, bunten Aufschrift „Fahrschule“ fahren. Ich, als noch relativ unterprobte Autofahrerin, störe sicherlich oft die anderen Verkehrsteilnehmer. Am häufigsten wohl damit, dass ich schlicht und einfach den meisten Autofahrern, die ebenfalls unterwegs sind, zu langsam fahre. Zugegeben, ich bin schon manchmal leicht überfordert und vergesse daher das ein oder andere Mal den Blick in den Rückspiegel oder ich merke erst einen Meter vor der Kurve, dass ich den Blinker noch gar nicht eingeschaltet habe (und wenn ich ihn dann noch einschalte, dann kann es auch passieren, dass ich die Seiten vertausche), nichtsdestotrotz wünsche ich mir manchmal ein wenig mehr Rücksichtnahme von den anderen Verkehrsteilnehmern. Jeder hat doch mal klein angefangen und müsste sich doch daher allzu gut in meine Situation hineinversetzen können. Wenn ich früher als Beifahrerin mitgefahren bin, dann habe ich auch manchmal über die Fahrschulen geschmunzelt. Es sieht oft einfach so aus, als wäre der Fahrende gerade sturzbetrunken. Aber jetzt, wo ich selbst mal vorne links im Auto saß, weiß ich ganz genau wie viele Unsicherheiten mit einer einfachen Fahrt am Anfang mit einhergehen. Und aufgebrachte Fußgänger sind da genau so wenig beruhigend wie dauerhupende Autos. Ich muss auch nicht auf irgendwelche Straßenschilder durch wilde Gestik aufmerksam gemacht werden, ich habe schließlich einen Fahrlehrer an meiner Seite, der mir das Fahren beibringt (im Notfall drückt er auch auf die Bremse, keine Angst). Aber natürlich funktioniert das nicht innerhalb der ersten Stunde und deshalb bitte ich einfach um ein wenig mehr Nachsicht, wenn man eine Fahrschule vor sich fahren sieht. Mindestens jeder andere Autofahrer sollte die Situation doch verstehen!