Die eigene Wahrheit…

Ja oder nein. Wahr oder falsch. Manchmal ist es leider nicht so einfach. Verschiedene Ansichten, Meinungen haben ihren Ursprung in unterschiedlichen Wahrheiten. In individuellen Wahrheiten. Jeder hat seine eigene Wahrheit, glaubt fest an sie. Die eigene Wahrheit ist durch die eigenen Ansichten festgelegt. Daher gibt es verschiedene Wahrheiten.
Manchmal gibt keine eindeutigen Beweise, die eine allgemeingültige Wahrheit unterstreichen. Es gibt immer Argumente für die unterschiedlichsten Sichtweisen. Es liegt jeweils im Auge des Betrachters. Auf unterschiedliche, individuelle Wahrheiten stößt man tagtäglich. Wir finden sie in dem Glauben oder auch in der Politik. In verschiedenen Ländern und Kontinenten. Eines ist allerdings bei jeder einzelnen Wahrheit gleich. Es gibt jemanden, der an sie glaubt. Vielleicht muss es auch nicht immer eine allgemeingültige Wahrheit geben. Denn wenn man versuchen würde eine solche festzulegen. dann würde sie immer unvollkommen sein. Die vollkommene Wahrheit gibt es nämlich oftmals nicht. Natürlich wäre mit ihr so einiges leichter, klarer. Aber manchmal ist eben diese Unvollkommenheit auch der Schlüssel zur Menschheit. Zu verschiedenen Ansichten, Meinungen, Menschen. Sie ist der Schlüssel zu Individuen. So welche, wie wir sie sind. Wir, mit unseren unterschiedlichen Ansichten, Meinungen und Weltbildern. Wir betrachten die gleichen Dinge auf unterschiedlichste Art und Weise. Wir ziehen unsere eigenen, oftmals verschiedenen Resümees. Aus diesen unzähligen Resümees formen wir uns eine eigene Wahrheit. Wenn wir neue Erfahrungen machen, dann kommen neue Resümees derer hinzu und unsere Wahrheit verändert sich vielleicht. Denn sie ist niemals vollkommen. Sie kann sich in jeder Sekunde verändern. Sich neu formen.
Es gibt also weitaus mehr, als nur wahr oder falsch. Und vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Jeder kann das glauben und für wahr halten, was er will. Er kann eine individuelle Wahrheit haben. Denn diese macht ihn als Mensch aus. Diese macht uns, jeden einzelnen Menschen individuell. Auch wenn viele nicht erkennen, wie falsch ihre eigene, Wahrheit doch ist.

Alles wissen wollen…

Wissen. Die wohl größte Waffe überhaupt. Mit ihr kann man Macht haben. Viel Macht. Dementsprechend verspüren wir eine gewisse Gier danach. Auch in unpassenden Momenten.

Ich würde mich zu den Menschen zählen, die immer gerne alles wissen. Man könnte mich als wissbegierig bezeichnen. Negativ ausgedrückt auch als neugierig. Manchmal verspüre ich diese Gier aber auch nicht. In manchen Unterrichtsstunden beispielsweise, aber das ist ein anderes Thema.

Vor ein paar Tagen wurde meine Fensterscheibe in blaues Licht gehüllt und die bekannte Polizeisirene ertönte. Sehr laut. Sie verschwand nicht immer leiser werdend wie gewohnt, sondern die Lautstärke blieb konstant. Ich wusste, dass etwas passiert sein musste. In dem Moment packte mich meine Gier nach Wissen. Ich schaute aus dem Fenster und sah die Ursache der Sirene. Vor einem gelb blinkendem Bus lag eine dunkle Gestalt. Herum standen Menschen mit Warnwesten und Polizisten. Ich konnte nur wenig erkennen, weil mir eine Masse von Menschen die Sicht versperrte. Passanten. Neugierige Passanten. Aber anstatt zu helfen, schauten sie nur. Bildeten einen einheitlichen Kreis und befriedigten ihre Gier nach Wissen mit dem bloßen Schauen auf einen scheinbar verletzten Menschen.

In dem Moment, fand ich das abstoßend. Warum bleibt man da stehen? Helfen oder weitergehen, aber nicht bloß gaffen. Aber dann stellte ich noch etwas fest. Ich gehörte quasi zu ihnen. Ich selbst drückte mir schließlich die Nase an der Fensterscheibe platt, um ja ganz genau sehen zu können, was passiert war.

Ich hielt kurz inne und löste mich dann von der Scheibe. So wollte ich nicht sein. Und irgendwie fehlte mir in dem Moment das Verständnis für mein Handeln. Wenn man etwas wissen möchte, was einem hilft, dann ist das legitim und verständlich. Aber warum möchte man banales, etwas, was nichts mir einem zu tun hat wissen? Warum will ich so etwas wissen? Es interessiert einen. Pure Neugierde. Am schlimmsten ist es noch, wenn dann die Handys gezückt werden. Man will ja alles festhalten. Alles, was anders, außergewöhnlich ist, bringt schließlich Klicks. Und bei Klicks darf man auch mal die eigenen Moralvorstellungen vergessen. Wenn man denn dann welche hat. Traurig.
Ab dem Zeitprunkt habe ich bewusst darauf geachtet, nicht allzu neugierig zu sein, wenn ein Unfall passiert. Neugierde und das Leid Anderer passen einfach nicht zusammen. Für mich zumindest nicht.

Eine neue Welt…

Eine andere Welt. Ein Traum vieler und doch ein Alptraum für diejenigen, die sie als ihre Heimat betrachten. Denn sie ist nur eine große Lüge. Und wenn einem diese Lüge wie ein Vorhang vor den Augen weggerissen wird, dann muss man begreifen, dass man in der Unwirklichkeit gelebt hat. Dass vor einem die Wirklichkeit liegt. Die unvollkommene Wahrheit.

Ich liebe Filme, Serien und das Internet. Man taucht ein in eine neue Welt und kann sich für diese Perfektion begeistern. Selbst das Böse scheint perfekt. Perfekt inszeniert. Im Internet findet man viele Bilder von schönen Menschen. Man wünscht sich, ein ebenso perfektes Aussehen. Ein ebenso perfektes Leben. Und obwohl man irgendwo tief in sich drin weiß, dass es wahrscheinlich Stunden über Stunden gedauert hat, das Bild in perfektem Licht und perfekter Position aufzunehmen, eifert man diesen Bildern nach. Obwohl die innere Stimme dir sagt, dass das Bild Stunden über Stunden bearbeitet wurde, empfindet man Neid. Neid auf die Perfektion, die dieses Bild ausstrahlt. Ob es letztendlich nur ein großer Schwindel ist, stört dabei nicht weiter. Das verdrängen wir.

Irgendwie ist es doch verständlich. Man möchte durch die Dinge, die man im Internet teilt, Anerkennung bekommen. Da postet man lieber das aufgeräumte Zimmer, als das unaufgeräumte. Man zieht das bearbeitete Bild mit dem perfekten Teint, dem Bild vor, auf dem man mit geröteter Haut und einer Menge Pickeln zu sehen ist. Verständlich. Klar.

Aber was macht das mit uns? Wir sehen diese Bilder, die einer scheinbar perfekten Welt entspringen und wollen auch. Wollen makellos sein. Ein perfektes Leben haben. Genau so, wie es die Personen, den Bildern nach zu urteilen, scheinbar führen. Wir wollen ein Leben, welches wir aller Welt zeigen können, weil es so perfekt ist.
Wir wollen Anerkennung und Selbstbestätigung.
Damit man sich nicht zu sehr von dieser scheinbar perfekten Welt in ihren Bann ziehen lässt, sollte man sich immer wieder darüber im Klaren sein, dass es um mehr als Aufmerksamkeit und Perfektion im Internet geht. Man sollte sich immer wieder bewusst machen, in welcher Welt wir leben. Ich habe große Achtung vor bekannten Leuten, die auch mal ihren echten Alltag im Internet präsentieren. Ohne jeglichen Glanz und Glamour. Denn das ist letztendlich die Welt, in der wir leben. Und das sollten wir niemals auch nur für eine Sekunde vergessen. Wirklich nie.

Vorurteile beim Friseur…

Ich hasse sie. Ich verachte sie. Und will sie nicht haben. Und doch habe ich sie. Leider.

Es geht um Vorurteile. Sie sind im Leben unsere ständigen Begleiter, obwohl wir sie am liebsten abschütteln würden. Aber sie sitzen fest, ganz fest in unserem Unterbewusstsein. Wenn wir dann etwas wahrnehmen, sendet uns das Unterbewusstsein ein Zeichen. Als ich letztens beim Friseur war, läuteten in meinem Kopf die Alarmglocken.

Ich habe lange Haare und damit die nicht total kaputt gehen müssen, lasse ich sie regelmäßig schneiden. Naja, das erzähle ich zumindest immer beim Friseur. Um ehrlich zu sein gehe ich nicht regelmäßig zum Friseur, sondern nach Lust, Zeit und Geld. Letzte Woche war es dann mal wieder so weit und ich wollte meine Haare um ein ganzes Stück kürzen lassen. Ich bin keine, die gerne mit ihren Haaren wild rumexperimentiert, von daher war es für mich eine große Sache, mich von zehn Zentimetern meiner Haare zu trennen.

Ich ging mit einer Freundin zu zehn verschiedenen Friseuren. Es war bereits 19 Uhr und keiner hatte mehr Zeit für uns. Am nächsten Tag versuchte ich mein Glück erneut und konnte einen Termin ergattern. Der Laden war klein gehalten und fünf Friseurinnen schnitten gerade was das Zeug hielt. Die Friseurinnen hatten alle lange schwarze Haare, nur eine fiel vollkommen aus dem Raster. Der halbe Kopf war rasiert, an der anderen Kopfhälfte klebten billige Plastikhaare. Diese Haare waren orange und liefen zu den Spitzen gelb aus. Ich bin ehrlich. In dem Moment des Wartens habe ich mir gewünscht, dass eine der anderen Friseurinnen, mit den für mich schöneren Haaren, zu mir kommt. Ich weiß, dass das einfache Spitzenschneiden den auszubildenden Friseuren als allererstes beigebracht wird. Zumindest denke ich das. Ich hätte mir also keine Sorgen machen müssen. Trotzdem schrillten die Alarmglocken in meinem Kopf, als die Friseurin mit ebendiesen orangenen Haaren auf mich zukam. Sie war total freundlich und mit dem Endergebnis bin ich auch total zufrieden.

Warum habe ich also, obwohl ich es nicht will, Vorurteile?

Ich denke, dass jeder Mensch Vorurteile hat. Ob man nun positiv oder negativ gegenüber einer Sache voreingenommen ist, spielt dabei keine wesentliche Rolle. Man verbindet mit dem, was Wahrgenommen wird, immer etwas. Das Verbundene verallgemeinern wir dann und übertragen es auf Andere.

Wenn ich beispielsweise einen kleinen Hund sehe, der auf der Wiese einem Stöckchen hinterherläuft, dann denke ich: „Oh wie süß!“ Ich nehme diesen Hund als süß war und verbinde das mit kleinen Hunden.
Das nächste Mal, wenn also ein kleiner Hund an mir vorbeiläuft, bin ich wieder völlig entzückt.

Unterbewusst urteilen wir immer über alles, was wir sehen oder anderweitig wahrnehmen. Manchmal allerdings nur werden wir uns dieser Vorurteile wirklich bewusst, da sie in uns bestimmte Gefühle und Gedanken hervorrufen. Und im Nachhinein müssen wir uns oft eingestehen, dass diese Vorurteile total unbegründet waren.

Fliegen…

Über den Wolken
Unter dem Himmel
Am Ende nur Berge

Über dem Schnee
Unter der Sonne
Am Ende nur Blau

Über dem Meer
Unter dem Mond
Am Ende nur der Horizont

Über der Erde
Unter irdischem Zwang
Am Ende nur Gefangenschaft

Über den Menschen
Unter menschlicher Gewalt
Am Ende nur Fesseln

Über den Lebenden
Unter den Toten
Am Ende nur Unwissenheit

Man will, was man nicht hat…

Jeder von uns hat verschiedene Merkmale, die ihn in der Gesamtheit zu etwas Besonderem machen. Einzigartig. Äußerlich, ebenso wie innerlich. In letzter Zeit ist mir verstärkt aufgefallen, dass die meisten unzufrieden sind mit Dingen, die Andere wiederum bewundern. Eine Freundin von mir würde am liebsten rote, lockige Haare haben.

Sie hat schwarzes, glattes Haar. Andere beneiden sie um ihr Haar und wünschen sich ebendieses. Ich habe mich gefragt, warum man immer das haben will, was man nicht hat. Angekommen bin ich bei dem Schluss, dass jeder sich das, was er nicht hat, viel besser vorstellt, als es eigentlich ist. Außerdem werden nur die Vorteile in dem Unbekannten gesehen. Die roten Locken sind nur ein kleines Beispiel, was sich genauso auf größere Dinge übertragen lässt. Den Beruf, die Umgebung und das Umfeld beispielsweise.
Allerdings denke ich, dass man erst objektiv urteilen kann, wenn man selbst das hat, wonach man lange Zeit gestrebt hat. Erst dann nimmt man alle Facetten der neuartigen Sache wahr. Dazu gehören auch die negativen Erfahrungen, der Stress, der Kummer, der einem bereitet werden kann. In dem Fall der Locken eventuell, dass sie schwer zu bändigen sind. Da ich mit meinen glatten Haaren da nicht aus Erfahrungen sprechen kann, gebe ich einfach das Gehörte wieder.
Sind wir mal ehrlich. Selbst Personen, deren Leben wir gerne hätten, stehen morgens auch nicht immer sorgenfrei auf und sehen in ihrem Spiegelbild reinen Perfektionismus.

Den gibt es nämlich nicht. Wenn es so wäre, dann wäre es ja auch nicht mehr spannend. Was für den einen perfekt ist, ist für den anderen fehlerhaft. Jeder hat unterschiedliche Ansichten und Ideale, die sich im Laufe des Lebens durchaus verändern können. Und wenn wir etwas erreichen, wonach wir früher gestrebt haben, dann fällt uns etwas Neues ein, wonach wir wetteifern.
Natürlich soll jeder versuchen das zu bekommen, was er sich erträumt. Manchmal allerdings muss man sich auch mit dem zufrieden geben, was man bereits hat. Außerdem sollte man sich bewusst machen, dass  irgendwo in der weiten Welt da draußen sicherlich jemand existiert, der genau das haben will.

Warum so negativ…

Ich muss gestehen, dass ich es liebe Zeitschriften zu lesen. Und damit meine ich jetzt nicht diese Zeitschriften, die zur Bildung wenigstens etwas beitragen, nein ich meine diejenigen, in denen über Promis, Klatsch und Tratsch geschrieben wird. Eine habe ich sogar abonniert.

Also nicht ich direkt. Es war ein Weihnachtsgeschenk. Und ja, ich habe mich ziemlich gefreut. Doch mittlerweile kann ich froh sein, wenn ich die Zeitung überhaupt noch zu lesen bekomme, da meine Mutter und meine Schwester sie auch mal gerne aus der Post stibitzen und ich sie dann zwei Wochen später in irgendeiner Ecke wiederfinde. Heute war eine neue Zeitschrift im Briefkasten. Sollte eigentlich am Montag kommen, aber ich habe das Gefühl, dass ich eh nie dazu komme die Zeitungen pünktlich zu lesen, von daher ist mir das jetzt auch schnuppe. Eben habe ich mit dem Lesen angefangen und mir ist aufgefallen, dass fast jeder Artikel etwas Schlechtes über eine Person enthält. Mit Ausnahme des Horoskops und den Diät-Tipps versteht sich. Irgendwie traurig. Ich muss ehrlich sagen, dass das vielleicht auch der Grund ist warum frau sich so gerne Klatschzeitschriften kauft. Ich weiß das klingt irrsinnig. Aber komischerweise fühlt man sich selbst besser, wenn man liest, dass PromiXY zugenommen hat. Was sich ja eigentlich total schwachsinnig anhört. Ich meine, man hat mit den Personen nichts zu tun und doch fühlt man sich besser, wenn es denen schlecht geht. Wir fühlen uns eben verstanden und nicht so schlecht, wenn wir sehen, dass unsere Vorbilder, Idole oder was auch immer beispielsweise auch eine ganz normale Figur haben und nicht wirklich so aussehen, wie auf den bearbeiteten Plakaten.

Ich selber kann mir nicht vorstellen selbst man berühmt zu sein. Bleiben wir mal beim Thema Gewicht. Nimmt man als Frau zu ist man sofort schwanger und wenn man abnimmt magersüchtig – Außer man ist ein erfolgreiches Supermodel. Und nein, damit meine ich nicht, dass es wichtig ist, was die anderen von deinem Aussehen oder dir selbst halten, wenn du selbst damit zufrieden bist. Aber wer möchte, dass alle Zeitschriften berichten, dass man schwanger ist, obwohl man nur eine Schokolade mehr gegessen hat als sonst. Ok, vielleicht auch zwei oder drei… Nein, ich will das alles nicht. Viel zu oberflächlich und verlogen.

Der eine Wunsch…

In der Schule haben wir uns mit dem Thema „Bedürfnisse“ beschäftigt. Meine Lehrerin hat dazu einen, wie ich finde, sehr guten Einstieg gewählt. Zunächst fragte sie uns, was wir machen würden, wenn wir hundert Euro geschenkt bekämen. Jeder bekam die Chance zu antworten. Viele würden sich Klamotten kaufen, die meisten allerdings würden auf eine Reise/Führerschein/Wohnung sparen. Ich im Übrigen auch. Danach fragte die Lehrerin, was wir uns wünschen würden, wenn wir einen einzigen Wunsch frei hätten. Und nein, man konnte sich nicht weitere Wünsche wünschen. Sie ging einmal die Klasse durch, sodass jeder seine Antwort auf die Frage mit den anderen teilen konnte. Da ich relativ weit außen saß, war ich eine der letzten. Folgende Wünsche wurden von meinen Klassenkameraden geäußert: Geld, Haus, Pool, Flugzeug, Insel und unendlich viele Klamotten. Ich wusste von Anfang an, was ich mir sofort und auf der Stelle wünschen würde, allerdings dachte ich bei den Antworten meiner Mitschüler, dass ich die Frage missverstanden hatte. Als ich an der Reihe war, fragte ich bei meiner Lehrerin nach, ob es sich um etwas Materielles handeln müsste. Sie verneinte. Ich wählte „lebenslange Gesundheit“. Die anderen waren sichtlich irritiert. Mir ist bewusst, dass man nicht lange Zeit zum Nachdenken hatte und die meisten intuitiv den ersten Einfall geäußert haben. Aber dass keiner auch nur mit dem Gedanken gespielt hat sich etwas Immaterielles zu wünschen, hat mich doch sehr erschüttert. Da sieht man mal, wie gut es uns in Europa geht. Die meisten denken zuerst an Geld. Es ist nicht schwer zu erraten, warum sich die anderen materielle Luxusbedürfnisse gewünscht haben. Unsere Grundbedürfnisse sind weitestgehend gestillt und unsere Gesellschaft ist so fokussiert auf Geld, dass der Blick zu dem Immateriellen fehlt. Warum auch? Was man nicht hat, kann man sich kaufen. Wenn es nur so schön einfach wäre.

Ich erinnere mich noch zu gut an eine Aufgabe in der Grundschule. Wir sollten aufschreiben, wie wir uns unser Leben in zwanzig Jahren vorstellen. Und das so, wie wir es uns bestenfalls ausmalen. Als wir die Aufgabe mit nach Hause nehmen durften habe ich sie stolz meiner Mutter gezeigt. Doch sie war nicht so begeistert. Ich hatte nur Luxusgegenstände aufgezählt, die mal mir gehören würden und nicht einmal über etwas, was man nicht mit Geld kaufen konnte, geschrieben. Meine Mutter redete damals mit mir und erklärte, dass der Luxus an sich nicht glücklich macht. Viel schöner ist es, wenn man Menschen um sich hat, die man liebt und vor allem wenn man gesund ist. Irgendwie habe ich in dem Moment, indem die Wünsche geäußert wurden, an dieses Gespräch zurückerinnert.

Menschen lassen sich einfrieren…

Das erste Mal hörte ich im Philosophieunterricht davon, dass sich Menschen nach dem Tod einfrieren lassen, in der Hoffnung in der Zukunft wieder zum Leben erweckt zu werden. Walt Disney hat es angeblich gemacht und Kanye West plant wohl ebenfalls sich und seine Familie nach dem Tod in einem Eisblock zu lagern, anstatt alle beerdigen zu lassen.

Der Wunsch nach einem ewigen Leben ist in der Menschheit schon immer da gewesen und sind wir mal ehrlich: Jeder hat wahrscheinlich einmal mit dem Gedanken eines ewigen Lebens gespielt. Jetzt, da er laut Wissenschaftlern eventuell möglich ist, werden solche Methoden immer beliebter. Dass reiche Eltern ihre an Krankheiten verstorbenen Kinder einfrieren lassen kann ich irgendwo nachvollziehen, wenn auch nicht gutheißen.

Aber dass Menschen, die an Altersschwäche sterben, in der Zukunft mit einem veralteten Körper, altersschwachen Muskeln und mit eventuell sogar einem nicht mehr so funktionsfähigem Gehirn weiter leben wollen, ist für mich unvorstellbar. Warum sollte man den Gesetzen der Natur so derartig trotzen? Außerdem wäre das vergleichbar mit der Situation einem Menschen, der vor zweihundert Jahren gelebt hat, die jetzige Welt begreifbar zu machen. Für die Firmen, die so etwas versprechen, ist es auf jeden Fall ein gutes Geschäft, schließlich zahlt jeder über 200.000 Euro – Natürlich ein kleines Sümmchen für einen millionenschweren Mann wie Kanye West.
Mich würde eure Meinung dazu in den Kommentaren freuen! Wenn ihr unendlich viel Geld zur Verfügung hättet, würdet ihr den Versuch wagen und euch einfrieren lassen, auch wenn ihr den Gesetzen der Natur damit trotzt?

Immer dieses Kritisieren…

Kritik verbinde ich generell mit etwas Negativem, auch wenn ich weiß, dass sie durchaus positiv sein kann. Obwohl ich, was Kritik angeht, sehr stolz bin und nicht immer alles sofort aufnehme, erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich Kritik an anderen äußere. Gestern beispielsweise probte meine Schwester ihre eigens ausgedachte Choreographie. Nur nebenbei erwähnt hat sie meiner Meinung nach den Rhythmus im Blut und ist ein Naturtalent!
(Tut mir leid, aber im Moment fühle ich mich in der Pflicht, solche lobenden Worte aufzuschreiben.)
Heute hat sie mir ohne Aufforderung, einfach so, ein Armband geschenkt – Wie süß ist das denn bitte?
Naja ich schweife ab. Als sie mir also ihre Choreographie vortanzte, sagte ich am Ende, was ich besser machen würde. Nicht, weil es schlecht war. Nein im Gegenteil! Meine Kritik bezog sich außerdem auf eine kleiner Sache. Trotzdem, als ich das realisierte, entschuldigte ich mich sofort. Obwohl meine Schwester abwinkte und sagte, dass sie Kritik gut fände, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Wenn man in etwas viel Herzblut reinsteckt, gehört es sich als Außenstehender meiner Meinung nach nicht, ungefragt Kritik zu äußern.
Ich selbst hatte da auch schon meine Erfahrungen mit. Vielleicht wissen einige es schon aus meinen früheren Beiträgen: Ich spiele Klavier. Wenn ich an Feiertagen oder auch mal so zwischendurch Verwandten etwas vorspiele, höre ich fast immer etwas wie „Es war wirklich schön, ABER am Anfang/ in der Mitte/ am Ende würde ich schneller/langsamer/leiser/lauter spielen…“
Jedes mal rechtfertige ich mich dann und sage, dass ich es aber laut dem Komponisten genau so spielen soll. Warum sind einige immer so besserwisserisch? Oder ein anderes Beispiel: Heute traf ich mich mit einer Freundin und ging mit ihr in die Stadt. Dafür machte ich mich „schön“ sprich: Ich schminkte mich vorher und zog eine neue Bluse an. Davor aß ich mit meiner Schwester etwas Kleines. Nachdem meine Mutter mich ausgiebig gemustert hatte, fragte sie, ob sie mir einen „Verbesserungsvorschlag“ machen könnte. Da ich eh keine Zeit mehr hatte etwas zu ändern, verneinte ich. Meine Mutter und ich haben in Style-Fragen eh meistens unterschiedliche Meinungen, daher war ich Kritik gewohnt. Meine Schwester wollte allerdings genau wissen, was meine Mutter an meinem Aussehen zu kritisieren hatte. Nachdem sie ausgiebig gequengelt hatte, sagte meine Mutter: „Neben den großen Flecken auf deiner Bluse finde ich die Farbe auf deinen Augenbrauen zu grau“.

Danke Mama, dachte ich nur. Die „großen“ Flecken, hatten noch nicht einmal einen Radius von einem Millimeter und waren so unauffällig, dass ich sie zuvor nicht bemerkt hatte. Das Augenbrauengel, was meine Brauen angeblich grau macht, hatte sie mir, nur mal nebenbei erwähnt, vor wenigen Tagen mitgebracht. Plötzlich zweifelte ich an dem Outfit und der Schminke, obwohl ich beides zuvor für „gut“ befunden hatte. Was macht Kritik mit uns? Sie lässt uns zweifeln. Und klar Zweifel sind in Maßen gut, wenn sie uns anregen etwas anders, besser zu machen. In dem Moment, wo diese Kritik aber unerwünscht ist, zieht sie uns nur herunter.