Wie man zur Marionette wird…

Man ist stark. Das redet man sich zumindest ein. Weil es die Situation irgendwie greifbarer macht. Als ob man sie in den Händen hält, sie beliebig steuern kann. Obwohl es vielleicht umgekehrt es. Und sie viel eher dich steuert. Deine Worte und Gefühle.

Es geht um Macht. Innerhalb einer Situation, die beidseitig beherrschbar ist. Je nachdem wer welchen Schritt wagt, kann kontrollieren. Hat Kontrolle, über den jeweils anderen. Man kann sich einreden, dass alles einfach an einem abprallt, einen nicht im Geringsten tangiert. Aber es ist doch eigentlich ganz anders. Du bist stark, weil die Situation vor dir liegt. Du betrachtest sie, das Betrachten gibt dir ein Gefühl von Kontrolle. Du kannst bestimmen von welcher Seite aus du sie betrachtest, wie nah du herangehst und schaust. Ob du überhaupt hinschaust, wann du lieber wegschaust und ignorierst. Du hast die Möglichkeit jederzeit auf Abstand zu gehen, dich umzudrehen und woanders hinzuschauen.

Wenn aber ein anderer kommt, diese vor dir liegende Situation einfach nimmt und dir vor die Füße schmeißt, dich zwangsläufig hineinzerrt, dann entgleitet dir die Kontrolle über die eben noch von dir aus der Ferne betrachtete Situation. Es ist als würde man dir den Boden unter den Füßen einfach wegreißen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Deinen Füßen fehlt der Boden als Halt, als Anhaltspunkt und du bist der Situation schutzlos ausgeliefert.

Du weißt noch mal mehr wo sie ist, die Situation. Ob du dich schon in ihr befindest oder ob sie auf dich zurast. So verdattert bist du. Deine Augenlider blinzeln wie verrückt und doch nimmst du nichts wahr. Kannst oben und unten nicht mehr zuordnen, vorne und hinten. Es ist schrecklich.

Und du hasst dich dafür. Dafür, dass du weißt, dass ein anderer dir einfach so die Fäden aus der Hand reißen kann und auf einmal du, die eben noch die Situation scheinbar fest in beiden Händen hatte, selbst zur Marionette wirst. Dass ein anderer plötzlich die Kontrolle hat. Über deine Handlungen, Gefühle, über dich. Scham erfüllt dich.
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3 Gedanken zu “Wie man zur Marionette wird…

    • Kommt drauf an. In manche Situationen wird man von anderen gebracht. Aber du hast recht, man kann entscheiden in welcher Form man sich der Situation aussetzt. Obwohl auch hier gesagt werden muss, dass es Einschränkungen gibt, die einhergehen mit der Macht, mit welcher eine Person in die jeweilige Situation hineineingeht.

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      • Im Prinzip geb ich dir recht. Ich habe im Lauf der Jahre für mich die Methode entwickelt, dass ich, wenn mir etwas zuviel wird, und ich 2x vergeblich darum bat, mich in Ruhe zu lassen, mich dann umdrehe und gehe. Wenn jemand meint, seine Macht ausspielen zu müssen, werde ich ohnehin darunter zu leiden haben. Also kann ich auch gleich gehen, und werde weniger damit zu tun haben. Mein eigenes Wohlergehen liegt mir am nächsten. Ich halte es da eher mit Bosbach, der GENAU DAS tat.

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