Der Strom der breiten Masse…

Ich war in der dritten Klasse, als auf einmal von Tag zu Tag immer mehr Mädchen braune, offene Chucks anhatten. Da die Mehrheit diese speziellen Schuhe hatte, hieß das für mich automatisch, dass es cool war. Und ich wollte auch cool sein. Im Umkehrschluss bedeutete das natürlich, dass ich dieselben Schuhe haben musste. Denn diese Schuhe machten mich cool. Dachte ich zumindest.

Bis zur siebten Klasse passte ich mich Kleidungstechnisch immer an. Ich wollte dazugehören, mit dem Trend gehen und cool sein. Denn man war cool, wenn man dem Trend folgte. Wie die breite Masse das eben tat. So schloss ich mich der Masse an und  trug, was alle trugen. Wenn eine Marke in meinen Augen cool war wenn sie in den Augen der breiten Masse cool war, dann kaufte ich mir Sachen davon. Das Aussehen dieser Kleidungsstücke war mir mehr oder weniger egal. Es ging schließlich nur um die Marke. Irgendwann veränderte sich mein Bewusstsein diesbezüglich. Ich merkte, dass Sachen, unabhängig von Marken, Trends und anderen Meinungen, mir selbst gefallen müssen. Dass ich mich nicht anpassen muss. Sondern dass ich selbst urteilen sollte. Und dieses Bewusstsein übertrug sich schnell auch auf andere Bereiche. Ich fing an Sachen zu hinterfragen, mir eine eigene Meinung zu bilden und nicht einfach nur Leuten nachzureden. Und ich fing an mich für meine eigene Meinung stark zu machen. Zu argumentieren, auch mal eine Diskussion zu starten. Es gibt Leute, die wollen rigoros anders sein. Färben sich die Haare knallbunt. Und das nicht, weil sie es schön finden, sondern weil es für sie eine Art von Rebellion ist. Eine Rebellion gegen den Strom der Masse. Aber auch das finde ich für mich selbst nicht sinnvoll. Warum sollte ich meine eigene Meinung von den Meinungen Anderer abhängig machen? Ich bilde mir eine Meinung nicht, um mit dem Strom der Masse zu schwimmen und genauso wenig, um aus Prinzip dagegen anzuschwimmen. Ich höre mir gerne Argumente von allen Seiten an und positioniere mich dann. Unabhängig davon, was die Mehrheit denkt. Denn nur weil die Mehrheit etwas denkt, heißt es nicht, dass es richtig ist. Genauso wenig wie es automatisch falsch sein muss. Das Urteil über richtig und falsch muss jeder für sich selbst bestimmen. Früher wollte ich richtig denken. Und richtig war scheinbar das, was alle dachten. Dass man das überhaupt nicht pauschalisieren kann, merkte ich erst später. Zurückschauend bin ich ungläubig darüber, dass es nicht schon früher Klick bei mir gemacht hat. Aber das ist wahrscheinlich unserer Gesellschaft zuzuschreiben. Vieles wird uns scheinbar vorgegeben. Trends, Verhaltensweisen, Lebensweisen. Doch eigentlich sollte jeder doch selbst für sich entscheiden wie er leben möchte, solange er damit niemanden in seiner Lebensweise einschränkt oder verletzt.
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7 Gedanken zu “Der Strom der breiten Masse…

  1. …. warum es nicht schon früher „Klick“ gemacht hat….. du schreibst, dass du in der siebten Klasse warst, als es anfing…. das ist „normal“ denn in diesem Alter setzt eine unglaubliche Persönlichkeitsentwicklung ein……

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    • Genauso war es bei mir. Ich stellte mich vor den Spiegel und sah erstmals Fehler, ich sah in den Spiegel und setzte mich das erste Mal mit meinem Ich auseinander. Dachte über Dinge nach, die ich nie hinterfragt hatte, die ich immer nur hingenommen hatte.

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  2. Gut dass sich dein Bewusstsein dann doch geändert hat, es mag mal okay sein mit dem Strom zu schwimmen, wenn man mal einem Trend folgt, mal eine Meinung teilt, aber nicht immer. Es ist wichtig dass jeder für sich eine eigene Meinung hat, sonst finde ich ist man nicht Mensch, nicht authentisch genug. Dass man das in jungen Jahren vllt erst noch verstehen und irgendwo erlernen muss ich nachvollziehbar.. 🙂 Schön geschrieben. Ist ganz lustig so in sich reinzuhorchen indem man sich selber fragt…Hmm schwimme ich da mit, in diesem Strom der Masse, gehöre ich den Trendnachläufern an, und habe ich eigene Meinungen die ich auch vertreten kann!? Danke für diesen Beitrag!🙂

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    • Danke dir für diesen Kommentar! Natürlich muss man auch irgendwo bedenken, dass unsere Meinung beeinflusst wurde. Von der Masse, von der Gesellschaft in der wir leben. Wäre ich irgendwo aufgewachsen, wo jeder seine Haare grün färbt, vielleicht würde ich das jetzt auch machen. Aber nichtsdestotrotz ist es entscheidend, dass man selbst es schön findet. Auch wenn die Beurteilung vielleicht geprägt ist von der Umgebung.

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