Es schleicht sich ein…

Ganz langsam kommt es angekrochen. Unaufhaltsam breitet es sich in dir aus. Das damit einhergehende Gefühl ist unangenehm, penetrant. Es kriecht in alle Ecken deiner selbst und bleibt dort. Es hält, beißt sich fest. Jeglicher Versuch der Ablenkung scheitert, denn es lässt für nichts anderes Platz. Es lässt es nicht zu , dass du an etwas anderes denkst. An nichts anderes, als das, was der Auslöser dafür ist. Bei jedem deiner Schritte schwingt es unterbewusst mit. Fühlt sich bei jedem Meter schwerer an. Es lastet auf deinen Schultern und nimmt dein Bewusstsein ein. Es bringt dich dazu dich mies zu fühlen. Mies und schuldig. Vor allem wohl schuldig. Denn ohne deine eigene Schuld wärst du nun mal nicht in dieser Situation. Hättest es nicht im Nacken sitzen. Ständig. Und das eine ganze Zeit lang. Erst, wenn du dir selbst deinen Fehler eingestehst und ihn ausbügelst, zieht es sich langsam zurück. Aber selbst dann, wenn der Fehler scheinbar der Vergangenheit angehört, ist es noch immer irgendwo in dir. Unterbewusst. Und es erinnert dich an deinen Fehler. An das, wofür du dich schämst. Es flüstert dir, dass Fehler dazugehören, aber immer Narben hinterlassen. Narben, welche nach einer Zeit nicht mehr schmerzen und immer unauffälliger werden, aber dennoch für immer sichtbar bleiben. Unvergesslich eben. Sie erinnern an deinen Fehler. Der Fehler, der etwas ganz bestimmtes in dir ausgelöst hat. Das, was dich um deinen Verstand gebracht hat: Das schlechte Gewissen.
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17 Gedanken zu “Es schleicht sich ein…

  1. Deine Texte sind immer sehr interessant und nachvollziehbar. Im vorliegenden Fall bin ich der Meinung, dass das auch eine Frage des Alters ist. Mit zunehmenden Jahren und Lebenserfahrung sieht man Fehler als etwas völlig Normales (natürlich immer unter dem Gesichtspunkt, dass man sie zu vermeiden versucht). Ansonsten passieren Fehler eben (nobody is perfect), und es hatte sicher auch in der Entwicklungsgeschichte des Menschen seinen Sinn, dass Menschen sich dabei schlecht fühlten, wenn sie Fehler machten und dabei einem anderen schadeten; schließlich ging es damals jeweils ums nackte Überleben. Heute eher nicht mehr, so dass das Bestreben, Fehler zu vermeiden, eigentlich reichen sollte. Aber manche Programme haben wir wohl immer noch in uns

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    • Fehler gehören dazu. Sonst wäre das Leben ja auch zu aalglatt, zu langweilig. Und doch kann man bei Fehlern die damit verbundenen Gefühle, in manch einer Situation das schlechte Gewissen, nicht einfach abschalten…

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      • Stimmt. Aber die Erfahrung lehrt, zumindest meine, dass es Sinn macht, Fehler einfach als das zu nehmen, was sie sind: Lern-Momente. Und wer etwas vorsichtig durch´s Leben geht, der vermeidet auch Fehler, durch die andere Schaden nehmen. Somit … schlechtes Gewissen überflüssig (mag ev. in der Urzeit von Nutzen gewesen sein)

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      • Die meisten, kleineren Fehler, haben eh keine große Auswirkung auf die Zukunft. Aber nichtsdestotrotz habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich ein Treffen oder etwas anderes vergesse…

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      • Sicher gibt es Sachen die sind ein NO-GO. Für Verabredungen gibts deshalb elektronische Kalender. Die erinnern einen beizeiten. Und etwa für das Vergessen der Rückgabe des Bügeleisens gibt es eine „Entschuldigung“

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      • Verabredungen habe ich zum Glück noch nie vergessen, aber wenn ich beispielsweise vergesse jemanden anzurufen, dem ich es zugesagt habe (das ist mir leider schon passiert), dann ist da dieses schlechte Gewissen. Und natürlich entschuldigt man sich und im besten Fall ist dann alles wieder gut, aber das schlechte Gewissen habe ich persönlich mindestens bis zur Entschuldigung. Und wenn es ein schwerer Fehler war, dann quält es mich noch Tage später.

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  2. Super gelungen 🙂 Deine Texte über die verschiedenen Gefühle sind immer toll gelungen und beschreiben sie perfekt. Man kann sich da total einfühlen und mitfiebern, was es wohl ist (so langsam glaube ich, dass ich den Dreh raus habe :D) Ein ganz herzliches Dankeschön dafür.

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