Selbstverliebt oder nur zweifelnd…

Da in der letzten Zeit mein Zimmer vollkommen neu gestrichen worden ist, habe ich alle Bilder, meinen Spiegeln und meine Uhr von der Wand abgehängt. Dass führte dazu, dass ich nicht nur gesehen habe, dass Bilder in einem Zimmer sehr viel ausmachen, sondern auch, dass ich meinen Spiegel in den letzten Tagen extrem vermisst habe. Ich war wirklich erstaunt, wie oft mein Blick zu dem Fleck Wand gewandert ist, an dem zuvor mein Spiegel gehangen hatte. Und ich habe mich gefragt, weshalb ich scheinbar allgemein so oft in den Spiegel schaue.

Im ersten Moment würde man vielleicht sagen, dass ich selbstverliebt und arrogant bin, aber genauso gut könnten es doch Zweifel sein, die mich dazu bringen mein Äußeres im Spiegel zu betrachten. Zugegebenermaßen bin ich sehr auf mein Äußeres bedacht. Ich bin keine, die praktisch denkt, dass lässt sich schon an der Länge meiner Haare feststellen. Aber das bedeutet natürlich nicht gleich, dass ich oberflächlich bin.
Ein Mensch kann nach meinem Empfinden nach noch so hässlich sein –  wenn er nett ist, dann macht seine positive Ausstrahlung  für mich sein Äußeres vollkommen wett. Denn Äußerlichkeiten sind etwas, wofür wir nichts können.

Gepflegtheit ist beispielsweise wiederum etwas, was mir persönlich an anderen Menschen wichtig ist. Denn es ist etwas, wofür jeder selbst verantwortlich ist. Vor fett triefende, ungekämmte Haare und gelbe Zähne, denen man ansieht, dass sie nie die Begegnung mit einer Zahnbürste machen, empfinde ich persönlich als unschön. Und einen solchen Eindruck empfinde ich nicht als oberflächlich. Natürlich kommt es auch immer auf den individuellen Menschen an. Denn man kennt, wenn man jemanden ansieht, noch nicht die Geschichte hinter dem Menschen, die ihn ausmacht.

Dass ich mich schminke, empfinden einige vielleicht als unnötig oder kein Muss. Und das ist es auch absolut nicht. Aber ich fühle mich so wohler und es macht mir zusätzlich Spaß. Ehrlicherweise gehe ich ungerne mit einem knallroten Pickel auf die Straße, einfach, weil oft der erste Eindruck zählt. Und der wird, auch wenn einige es nicht wahrhaben wollen, nun mal am Äußeren festgemacht. Mir persönlich ist es also wichtig gut auszusehen. Daher achte ich auf meine Klamotten, meine Frisur und mein Makeup.

Aber macht mich das gleich selbstverliebt? Ich würde das definitiv verneinen. Denn oftmals fällt mein Blick nicht in den Spiegel, damit ich sehe wie „super-wunder-toll“ ich aussehe. Nein, in den meisten Fällen überprüfe ich nur mein Äußeres. Ob irgendwo ein neuer Pickel ist, eine Strähne auf meinem Kopf macht was sie will und wirr absteht und ob mein Outfit verrutscht ist, ohne dass ich es bemerkt habe.

Es ist nicht so, dass ich innerlich eine Checkliste habe, aber unterbewusst checke ich den Gesamteindruck einmal kurz ab. Man muss ja auch bedenken, dass so ein Blick in den Spiegel nicht mehr als ein paar Millisekunden in Anspruch nimmt. Ich bleibe dafür jetzt nicht extra stehen. Außer natürlich, wenn ich etwas, für mich Störendes, gefunden habe. Denn dann versuche ich es auszubessern. Wenn ich nichts Irritierendes feststellen kann, dann fühle ich mich bestätigt und erleichtert und gehe ein wenig selbstbewusster und sicherer weiter.

Denn ja, ich gebe es zu, mein Äußeres ist für mich wichtig. Aber das Äußere schließt für mich genauso auch die Haltung einer Person ein und ganz wichtig: Den Gesichtsausdruck. Wenn mir jemand auf der Straße scheinbar gut gelaunt mit einem Lächeln entgegenkommt, fällt der mir viel positiver auf, als jemand, dessen Mundwinkel scheinbar versuchen den Boden zu berühren. Aber selbst das ist natürlich bei Weitem nicht alles und längst nicht so wichtig, wie der Charakter und das Herz. Denn ohne die kann man äußerlich noch so schön wirken – insgesamt bleibt man in den Augen Anderer auf lange Zeit hässlich.
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13 Gedanken zu “Selbstverliebt oder nur zweifelnd…

  1. Schöner Artikel. Und wahnsinnig tiefgängige Gedanken hier im ganzen Blog – und nicht nur über Dinge, die Teenager bewegen 😉

    Ich gucke tagsüber oft in Spiegel. Klar, ich schminke und style mich auch viel (mein Blog hier dreht sich ja auch zum großen Teil darum) – aber das mache ich morgens und danach kontrolliere ich höchstens mal nach dem Essen, ob der Lippenstift vielleicht nachgezogen werden muss, meist vergesse ich aber auch das.

    Aber wenn ich nach dem Büroalltag zu Hause etwas Zeit allein habe oder die Kinder im Bett sind, sitze ich oft (für höchstens 5 Minuten) an meinem Spiegeltisch und rede mit mir selbst -klingt bekloppt, aber ich schaue mir dabei gern ins Gesicht. Ich spreche dann halt über Probleme und mögliche Lösungen – und was diese bei mir auslösen. Das hilft, die richtige Lösung für mich zu finden. Ganz so, wie ich ja auch bei meinem Gegenüber im Gespräch die Mimik und Gestik mit beurteile. Es kommt glaube ich aus meiner Kindheit, ich war mehr oder weniger allein zu Hause, weil meine Brüder schon ausgezogen waren – ich musste vieles mit mir selbst ausmachen, gerade, weil meine Eltern auch sehr mit den Problemen meiner Brüder zu kämpfen hatten, habe ich manchmal das Gefühl gehabt, ihnen nicht auch noch zur Last fallen zu können.

    Meinem Mann macht das übrigens manchmal Angst, er meint, ich sei wie ein Wellensittich vor dem Spiegel – vielleicht ist es genau das, Einsamkeit. Ich vermisse die Schulzeit, in der man die beste Freundin einfach jeden morgen greifbar hatte und alles, wirklich alles erzählen konnte. Heute hat man im Alltag eben nicht jeden Tag Zeit zu telefonieren. Und als Mutter rede ich wahnsinnig viel mit meinen Kindern, aber ab einem gewissen Alter sollte man sich hüten, über alles ganz hemmungslos zu reden (die NSA ist nichts im Vergleich zu einem 4 oder 5 jährigem Kind im Kindergarten!).

    Ich würde es als eine Art Meditation beschreiben, mal einfach in den Spiegel zu schauen und zu sehen, wie sehen die Augen aus – müde, traurig, sorgenvoll. Sieht das Gesicht angespannt aus oder entspannt. Ist das eigene Lächeln aufgesetzt und dahinter verbirgt sich eigentlich was anderes? Mir hilft es, mir klar zu werden, was ich brauche, damit es mir gut geht – und nur dann kann ich gut sein für andere, z.B. für meine Kinder, die mich brauchen.

    Ich habe Dir mal ein Abo da gelassen. Dein Blog ist auch eine Art Spiegel – die Anregung, über Dinge nachzudenken, die einen bewegen.

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    • Erst einmal freue ich mich unheimlich über diesen langen Kommentar und freue mich darauf dich in Zukunft hier wieder zu sehen. Tatsächlich setze ich mich auch manchmal vor den Spiegel und probiere die unterschiedlichsten Gesichtsausdrücke aus, Denn oftmals ist einem die eigene Mimik einem relativ unbekannt. Wenn ich mich auf Fotos sehe, bin ich oftmals überrascht, weil ich im Moment der Aufnahme ein anderes Bild von mir vor Augen hatte. Vor dem Spiegel lerne ich mich selbst also ein wenig besser kennen. Mein Aussehen und wie Gefühle sich darauf auswirken. Die Metapher mit dem Spiegel finde ich wirklich toll. Danke dir dafür und auch für die ganzen lieben Worte!
      Liebe Grüße,
      moteens

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  2. Guten Morgen,
    Du achtest auf Dein Äußeres… Schön. Und ab und zu ein Blick in den Spiegel darf doch sein.
    Ich vermeide das morgens nach einer Partynacht, weil ich da immer erschrecke 😊
    Aber mal schauen, ob alles passt, das hat nichts mit Narzissmus zu tun.
    Mir geht es da so wie Dir, ich mag gepflegte Menschen auch.
    Bei meinen geschäftlichen Begegnungen, die ich die ganze Woche habe, beurteilt man Menschen, und da kann man gar nichts dafür, in den ersten 10 sec. und wenn jemand schlampig daher kommt… es ist der erste Eindruck.
    Einen schönen Tag Dir
    Liebe Grüsse
    Thomas

    Gefällt 2 Personen

    • Genauso ist es! Und das hat gar nichts mit Oberflächlichkeit oder Arroganz zu tun. Das erste Urteil wird eben anhand des Äußeren gefällt und man kann selbst entscheiden auf welche Art und Weise man herüberkommen möchte. Ich wünsche dir noch eine schöne Woche!
      moteens

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      • In einem bestimmten Maße zwar nur, aber ja. Eine Ungerechtigkeit aber bleibt: Wer selbst nicht so hübsch aussieht (und/oder sich dafür betrachtet) hat leider meistens Pech gehabt. Denn wer dadurch kein so tolles Feedback bekommt, und sei es nur unterschwellig, wird tendenziell noch unsicherer, und so dreht sich das alles im Kreis. Dabei ist viel aber auch Frage der Persönlichkeit, bloß- die lässt sich oft auch nicht so zurecht biegen, wie es einem passt. Das heißt aber nicht, dass man den Schein nicht wahren sollte: Es ist nicht nur eine Frage des tatsächlichen Aussehens, sondern auch des Aussehen-Wollens. Die einzige Gefahr besteht darin, sich darauf zu reduzieren. Aber da bin ich sowieso optimistisch, dass das bei dir nicht der Fall ist ;-P .

        Euch eine schöne Woche,
        Marcello

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      • Grundsätzlich lehne ich es ab zu reduzieren. Wenn jemand nur auf die Äußerlichkeiten achtet, dann ist er für mich oberflächlich und somit gleich unten durch. Und ja, natürlich hat man gewissermaßen Pech, wenn man nicht zu jenen gehört, die egal was sie essen schlank bleiben und frei von Pickeln sind. Und doch, kann ein äußerlich schöner Mensch für mich ganz schnell unattraktiv wirken, wenn die Persönlichkeit nicht stimmt. Einige Eigenschaften sind an sich einfach so hässlich, dass sie auf das Äußere abfärben, sodass der Mensch, trotz eigentlicher äußerlicher Schönheit, nicht schön wirkt. Anders herum kann ich sagen, dass ich schon viele Menschen kennengelernt habe, dessen innere Schönheit auf ihr (für mich im ersten Eindruck nicht ganz so schönes Äußere) abgefärbt hat, sodass sie im Laufe der Zeit in meinen Augen immer schöner geworden sind. Generell sind diese feststehenden Kriterien, nach denen man Äußerlichkeiten betrachtet, unfair und nutzlos. Denn man ist, wer man ist und keiner sollte äußerlich als hässlich gelten.

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  3. Schönes Bild passend zum Text,- und der Text wieder sehr wahr. Ich selten schminke mich eher selten, dennoch kann ich deine Worte bis auf weniges genau unterstreichen. Besonders beim Letzten Satz kann ich nur immer wieder nicken. Wie Recht du hast! 🙂

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