Mitleid…

Es ist, als ob man nach unten gedrückt wird. Man muss nun nach oben schauen um etwas zu sehen, fühlt sich klein und schwach. Noch schwächer, als sowieso schon. Manchmal kommt es ganz unerwartet. Vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen.

Ich hasse Mitleid. Und das hat einen ganz einfachen Grund. Wenn mich jemand bemitleidet, dann fühle ich mich automatisch ein kleines bisschen schlechter. Ich fühle mich bemitleidenswert. Wenn es dann noch etwas ist, was dauerhaft zu meinem Leben dazugehört, dann gibt man mir das Gefühl, dass mein Leben bemitleidenswert ist. Aber das ist es keinesfalls.

Mitleid ist zudem etwas, was keinem weiterhilft. Anders als Trösten bestärkt es einen in seinen Zweifeln, in seiner Schwäche. Es zieht ihn noch weiter runter, als sowieso schon. Es scheint mir so, als ob die meisten jemanden bemitleiden, wenn sie ihm das Gefühl des Mitfühlens vermitteln wollen, wenn sie selbst auch nicht richtig wissen wie sie reagieren sollen, welche Gefühle angebracht wären. Aber wenn jemand mit Höhenangst auf einem Dreimeterbrett steht, dann macht man ihn ja auch nicht noch ein weiteres Mal auf die Höhe aufmerksam und zeigt ihm wie weit es nach unten geht. Entweder man schweigt oder man versucht ihn dazu zu ermutigen die Höhenangst zu überwinden, sich selbst zu überwinden. Und genau das ist der Schlüssel. Wenn es jemandem schlecht geht, dann sollte man dem entgegensteuern und nicht etwa ihn in seinem Schlechtfühlen bekräftigen. Denn sonst erreicht man meist das Gegenteilige von dem, was man eigentlich erreichen wollte: Dass es dem anderen besser geht.

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16 Gedanken zu “Mitleid…

  1. Ich empfinde es so, man kann Mitleid haben, aber einem Menschen ist damit nicht geholfen, daher versuche ich es mir nicht anmerken zu lassen, sondern versuche eher Ratschläge und Tipps zu geben – falls dies denn möglich ist.

    Lg

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  2. Du hast recht. Es kann Menschen noch mehr auf ihre Situation hinweisen. Aber andererseits kann man Mitleid auch nutzen sich in eine Person einzufühlen um ihr mit der eigenen Erfahrung einen besseren Rat geben zu können um aus Situationen wieder raus zu kommen.
    Allerdinfs so wie du es beschreibst kann ich mich anschließen, da bringt Mitleid rein gar nichts :).

    Vielen Dank für das Kompliment.
    LG,
    Sabrina

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    • Problematisch ist es immer dann, wenn lediglich auf die Situation hingewiesen wird und kein guter Rat beispielsweise kommt. Dann ist es einfach nur demotivierend.
      Liebe Grüße,
      moteens

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  3. Mitleid ist umsonst… Ich kann mich noch gut an eine Situation erinnern, als meine Tante meine Mutter am Telefon fragte, wie sie das ganze aushalte, sie selber (die Tante) könne das nicht. Danach war meine Mutter erst recht wütend und ist ausgeflippt. Damals war mein Vater arbeitslos und das Familienleben sehr angespannt.
    Mitleid ist umsonst, Neid muß man sich verdienen. Beneidet zu werden muß man sich verdienen.

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    • Da hast du allerdings recht. Mitleid macht mich auch oft wütend und ich frage mich, was die Leute sich dabei denken. Aber in den meisten Fällen ist es einfach die Hilflosigkeit, die Unwissenheit, die sie dazu bringt.

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  4. Ich bin auch keine Freundin von Mitleid. Wie wenig es bringt, sieht man, wenn man mal eine Diskussion unter jenen Depressiven verfolgt hat, die sich gerne gegenseitig bemitleiden. Deshalb bin ich da gerade wenn ich in einer schwierigen Phase war auch immer aus allen Gruppen raus. Denn mit „Oh du Arme, wie traurig dass es dir so schlecht geht, mir geht es auch ganz schlecht“ kommt man nicht raus aus dem Loch, man zieht sich eher gegenseitig runter.

    Wie Du richtig schreibst, ist es viel besser, wenn man den anderen bestärkt, etwas zu tun, damit es besser wird, wo das möglich ist und wo es nicht möglich ist vielleicht den Blick eher auf etwas Positives lenkt, anstatt mit ihm mitfühlend zu sagen, wie leid er einem doch tut weil es soooo schlimm ist woran er leidet.

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    • Du triffst es auf den Punkt genau. Gegenseitiges bemitleiden und herunterziehen ist noch mal eine Stufe schlimmer, denn dann gibt es keinerlei Hoffnungsschimmer. Am Wichtigsten ist tatsächlich immer, dass man in einer schweren Zeit an das Licht am Ende des Tunnels glaubt, auch, wenn man es nicht mit eigenen Augen sieht. Es genügt manchmal schon, dass jemand anderes dir von dem Licht erzählt.

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  5. Mitleid sollte man abschaffen! Es ist völlig überflüssig, wie Du perfekt beschrieben hast…ich behaupte auch, dass Mitleid einem Bekloppten nur ein Gefühl der Überlegenheit gibt!!! PS:Du schreibst wirklich toll!

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