Alkohol macht peinlich…

Den Mann, der das ganze Restaurant unterhält, schätze ich auf siebzig Jahre. Unter dem gelben Hut auf seinem Kopf schauen vereinzelnd weiße Haare hervor. Über seinem Hemd, welches mit Palmen bedruckt ist, trägt er eine hellbraune, ausgeblichene Lederweste. Seine Hose ist ausgefranst, seine Füße nackt. Er sitzt an einem Tisch mit mehreren älteren Männern und einer Frau. Wenn sie nicht rauchen, dann trinken sie. Und das um 18:00 Uhr. An den umliegenden Tischen sitzen Familien mit Kindern. Sie essen und trinken und riskieren immer wieder einen Blick zu dem eben beschriebenen Tisch. Besonders der Mann mit dem gelben Hut fällt auf. Er will auffallen. Immer wieder singt er happy birthday to me. Dann lacht er. Und er grölt. Haut seinen Trinkkumpanen immer wieder auf die Schultern und bestellt neuen Alkohol. Die zuständige Kellnerin ist sichtlich genervt, weil er immer wieder Sprüche über sie macht, die das ganze Restaurant mitbekommt. Sie lässt es aber über sich ergehen, da der Mann immer wieder ziemlich teuren Wein nachbestellt und das Trinkgeld in seinem Zustand wohl üppig ausfallen sollte. Sie belässt es also beim Augenverdrehen. Ich frage mich immer wieder, ob die Gäste an dem Tisch nicht auch ohne den ganzen Alkohol Spaß haben könnten. Denn sie zeigen ganz deutlich, dass Alkohol vor allem zu peinlichen Verhalten führt.

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12 Gedanken zu “Alkohol macht peinlich…

  1. Toll beschrieben, auch die Gedanken dabei, so etwas zu beobachten erfüllt mich meistens mit Scham, denn wie auch dir fällt mir das Unangenehme in den Augen der Anderen auf und in solchen Situationen ist man meist ratlos.

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  2. Liebe moteens 😉
    ein schöner Beitrag, mit nachdenklich machenden Zeilen. Ich selbst trinke höchstallerhöchstselten Alkohol und wenn, dann auch nur wenig, vertrage ihn auch nicht.

    Das, was nachdenklich macht, ist aber die Feststellung, dass Alkohol nur bei den Menschen um den trinkenden Menschen herum fremdschämende Peinlichkeiten hervorruft… nicht aber dem oder den Trinkenden! Immerhin ein abschreckendes Beispiel, bei welchem mir lächelnd bewusst wird, warum ich besser die Finger von diesen Getränken lassen sollte.

    Im Übrigen hast du dir hier eine schöne und einladende Seite geschaffen und mit sehr lesenswerten Beiträgen bestückt. Deshalb habe ich mir deinen *ich folge dir*- Wegweiser mitgenommen, damit ich auch den Weg zu deinem Blog wiederfinde 😉
    Nun wünsche ich dir noch einen angenehmen Abend und ein tolles Wochenende
    Liebe Grüße
    Heike

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    • Vielen Dank für deine lieben Worte! Dank des lieben Internets sehen mittlerweile nicht nur die Anwesenden die Peinlichkeiten von alkoholisierten Menschen und diese können ihr Verhalten, nachdem sie ihren Rausch ausgeschlafen haben, auch noch im Internet begutachten und sich dann richtig schämen. Schämen für sich selbst und dafür, dass ihr peinliche Verhalten nun zugänglich für die ganze Internetwelt ist.

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  3. Ich mag die Auswirkungen von Alkohol nicht. Nachdem ich sie in meiner Jugend kennen lernte, verzichte ich nun gerne darauf. Also gibt es ihn bei mir, wenn, nur in geringen Mengen. Zumal ich davon ziemlich schnell müde werde. Da trinke ich nachts um 2 Uhr doch lieber einen Kaffee und bin anschließend wieder Taxi-Fahrer für meine Begleiter 😀

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  4. Über Süchte ließe sich vieles sagen; Alkohol ist in Deutschland noch immer unsere Kulturdroge…
    Ich habe 1980 mit dem Trinken aufgehört… Das Gedicht eines unbekannten Verfassers fällt mir ein:

    „Wir tranken vor Glück – und wurden unglücklich.
    Wir tranken vor Freude – und fühlten uns miserabel.
    Wir tranken aus Geselligkeit – und bekamen Streit.
    Wir tranken aus Freundschaft – und schufen uns Feinde.
    Wir tranken um leichter sprechen zu können – aber wir stammelten nur.
    Wir tranken um uns himmlisch zu fühlen – und hatten die Hölle.
    Wir tranken um Probleme zu lösen – aber sie wurden immer mehr.
    Wir tranken um schlafen zu können – und wachten übernächtig auf.
    Wir tranken um zu vergessen – aber unsere Gedanken holten uns ein.
    Wir tranken um frei zu werden – und wurden abhängig.
    Wir tranken um mit dem Leben fertig zu werden – und luden den Tod ein.“

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