Glücklicher Narr oder unglückliche Intelligenzbestie…

Unser ganzes Leben lang streben wir nach Glück. Vollkommenem Glück. Aber können das nur Narren empfinden? Man könnte sagen, dass intelligente Menschen nie vollkommen zufrieden sind, da sie sich immer der Unvollkommenheit des Glücks bewusst sind. Sie sind nie mit ihrem aktuellen Zustand zufrieden, weil selbst die beste Beschäftigung irgendwann langweilig wird und sie sich nach etwas Neuem sehnen. Ich denke, dass man Glück nicht pauschlaisieren kann. Für Menschen, die über eine längere Zeit gehungert haben, kann Essen pures Glück auslösen. Für welche, die genug Essen haben, muss es dann ein ganz bestimmtes Gericht sein. Die Ansprüche an das Glück unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Dinge, nach denen wir uns sehnen, können Glücksgefühle in uns auslösen, sobald wir sie bekommen. Aber wenn etwas zur alltäglichen Gewohnheit für uns geworden ist, dann nehmen wir den Wert dieser Sache meistens nicht mehr da. Man sagt ja, dass man Sachen erst schätzt, wenn sie nicht mehr da sind. Es kommt also darauf an, was wir bereits haben und wie komplex unsere Träume sind. Narren haben vermutlich weniger hohe Ansprüche, als intelligentere Menschen. Insofern können die Ansprüche eines Narren einfacher befriedigt werden, als die einer Intelligenzbestie. Aber bedeutet das auch, dass ein Narr dann vollkommenes Glück verspürt? Ich denke nicht. Denn Zufriedenheit ist für mich keinesfalls dasselbe wie vollkommenes Glück. Vollkommenes Glück geht darüber hinaus und ist meiner Meinung nach gar nicht erreichbar. Es gibt immer Dinge, die besser sein könnten, immer Sachen, nach denen man sich sehnt. Mit denen man noch ein kleines Stück glücklicher wäre. Wenn es so etwas wie die Vollkommenheit des Glücks überhaupt geben würde, dann wäre das Leben doch vorbei, sobald man diese Ebene des Glücks erreicht hat. Denn dann kann es ja nichts Neues mehr geben. Nichts kann dieses Glückszustand noch vollkommener machen, als er ohnehin schon ist. Ein Narr ist also meiner Meinung nach einfacher zufriedenzustellen, als ein intelligenter Mensch. Aber vollkommenes Glück kann keiner empfinden, weil es das nicht gibt. Nicht auf lange Zeit gesehen. Es gibt vielleicht Momente des vollkommenen Glücks. Aber nur, weil man in diesen Momenten alles andere ausblendet. Sobald diese Momente der Vergangenheit angehören, sieht man wieder die Dinge vor sich, die einem fehlen, nach denen man sich sehnt. Und einige davon sind unmöglich zu erreichen.

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8 Gedanken zu “Glücklicher Narr oder unglückliche Intelligenzbestie…

  1. Toll geschrieben. Ich finde Glück wird völlig überbewertet, kann man doch in so vielen ja, Kleinigkeiten sein Glück finden, die Hauptsache man ist mit sich Selbst im Reinen, denn dann muss man nicht mehr streben nach dem großen Glück, weil man das Glück bereits in seinen Händen trägt. Glück ist für mich Dankbarkeit und Wertschätzung. 🙂

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  2. Du schreibst tolle Texte, die einem zum Nachdenken anregen. Ja, das Glück ist schwer fassbar. Ich denke, es wandelt sich im Laufe eines Lebens. Vielen Menschen können am Anfang ihres Lebens große Glücksmomente definieren. Das verliert sich dann mit der Zeit und aus dem großen kurzen Glücksmoment ist irgendwann eine lang anhaltende Zufriedenheit geworden. Bei den Glücksmomenten ist das wie bei den Sinnesorganen des Menschen. Wenn man oft einen guten Geruch um sich hat, nimmt man ihn nicht mehr war. Genauso scheint es in meinen Augen beim Glück zu sein, erst wenn man lange Zeit etwas entbehrt hat, entsteht aus dem Erlangen des Entbehrten ein großes Glücksmoment – und das ganz unabhängig vom Alter.

    Als technischer Mensch kann ich Glück sogar mathematisch umschreiben, es entsteht – wie das Unglück auch – durch große differenzielle Änderung, besser vielleicht der 2. Ableitung, damit man auch das Unglück beschreiben kann.

    Viele Grüße Thomas

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    • Zuerst einmal danke für dein Kompliment! Freut mich echt zu hören, dass meine Texte gefallen. Den Vergleich mit den Gerüchen finde ich wirklich passend. Man sagt ja nicht umsonst, dass man erst etwas zu schätzen weiß, wenn es nicht mehr da ist. Gerade in der Westlichen Welt kann man das ja auf viele Dinge beziehen: Essen, Trinken, Kleidung, das tagtägliche Leben voller Luxus. Einen Luxus, den die meisten Menschen der Welt nie in ihrem Leben erfahren werden, den sie nie so ausleben werden wie wir es tun Für die meisten, die diesen Luxus allerdings ausleben ist es nichts Besonderes mehr, einfach weil es sie es von Geburt aus nicht anders kennen. Erst wenn ihnen dieser Luxus entrissen werden würde, würden sie ihn wirklich schätzen und ihn als das große Glück bezeichnen.

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  3. Ein sehr anspruchsvoller Beitrag, wie ich finde.
    Ohne jetzt mich damit auseinandersetzen zu wollen, was mangels Muse heute vermutlich scheitern würde, meine ich feststellen zu können, dass Glück (was immer das ist), zumindest etwas ist, was sehr subjektiv empfunden wird. Je nach persönlicher Situation. Und so wird ein kleines Kind oder die Oma glücklich sein, wegen der einen Blume, die man gerade geschenkt bekam, und für jemand anders muss es schon ein Auto sein. Und JA, das Streben nach Glück war immer schon ein Ziel des Menschen. Ob er es verwirklichen konnte, war von den Lebensumständen abhängig.

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  4. „Unser ganzes Leben lang streben wir nach Glück. Vollkommenem Glück.“ Ach? Vielleicht sollten wir gar nicht – aber das käme bspw. der Fernsehwerbung nicht entgegen 😉 Intelligente Menschen neigen eher zur (Selbst)reflexion, und das ist dann natürlich das Ergebnis. Aber nicht nur Intelligenz ist wichtig, sondern auch die freie Zeit. Wer immer beschäftigt ist, kann sich mit so etwas nicht auseinandersetzen. Daher entstanden diese Fragen in Europa ja im alten Griechenland – wo die Sklaven arbeiten mussten und die Oberschicht Zeit hatte. Philosophie ist vor allem ein Zeichen von (mehr oder weniger produktiver) Langeweile, genauso wie Muße insgesamt. Ich glaube, dass absolutes Glück auch darin besteht, sich aus irgendwelchen Vergleichen auszuklinken- es muss mit nichts verglichen werden. Insofern ist Glück, wie du ja bereits sagtest, am einfachsten in einem vollkommenen Moment zu erreichen…

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