Selbst denken, statt nachplappern…

Am Sonntag war meine Mutter auf einer Konfirmation. Als sie nachhause kam, erzählte sie zuallererst von dem Gottesdienst in der Kirche. Der ist nämlich wohl ziemlich außergewöhnlich gewesen. Der Pastor hat zum Gebet aufgerufen und die Leute dazu aufgefordert, das von ihm Gesagte zu wiederholen. Er hat dann für die verschiedensten Dinge gebetet. Meine Mutter war selber ein wenig verwirrt, als er anfing für alle Mütter zu beten, da die sich doch jeden Tag mit den Teenagern herumschlagen müssten. Irgendwann hat er das Gebet dann abrupt abgebrochen und fragte verärgert, warum die Erwachsenen ihm denn jeden Unsinn nachreden würden. Er sagte, dass sie den Kindern vormachen, dass man alles nachplappern sollte ohne es selbst zu hinterfragen. Die Erwachsenen waren da wohl ziemlich von den Kopf gestoßen. Als er dann auch noch sagte, dass man deutlich den Einfluss der Eltern sieht, da diese genau so gekleidet wären wie die Konfirmanden, herrschte laut meiner Mutter betretenes Schweigen. Jeder erkannte sich da selbst in gewisser Weise in den Worten des Pastors wieder. Der Pastor forderte die Erwachsenen dazu auf, die individuellen Gedanken der Kinder zu fördern, auch wenn sie selbst vielleicht ganz andere haben.

Mich hat das Erzählte meiner Mutter ziemlich erheitert und ich habe intensiver darüber nachgedacht. Ich muss ganz klar sagen, dass ich dem Pastor vollkommen zustimme. Man sollte nicht immer alles nachplappern, sondern sich selber Gedanken machen. Klar, in manchen Situationen muss man auf die Worte Anderer vertrauen. Ich beispielsweise glaube meinem Mathelehrer, dass die Formeln, die er anschreibt, stimmen. Und wenn nicht, dann bin ich aufgeschmissen.

Allerdings gibt es gerade im Alltag häufig Situationen, wo man sich anderen Menschen anpasst, auf sie vertraut. Stellt man sich beispielsweise vor, wie man in der Stadt nach einem Restaurant sucht. Man findet zwei Restaurants, die eine ähnliche Karte haben. Man geht automatisch zu dem, welches voller ist. Genauso verhält es sich mit Klamotten. Einer macht es vor und viele machen es nach. Dadurch entstehen Trends. Aber warum passen wir uns immer an? Ich denke, dass sich viele in dem Strom der Masse einfach wohler fühlen, als alleine am Rand. Viele wollen auch nicht auffallen. Weder mit ihrer Meinung, noch mit ihrem Lebensstil. Widerstand und Andersartigkeit bergen auch Risiken. Man wird wahrscheinlich öfter vor dem Kopf gestoßen. Aber man sollte sich fragen, welche Menschen Letzen Endes etwas bewegen. Das sind doch immer die Querdenker.

Eigenartig

wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt
eine eigene Art zu haben
-Erich Fried

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2 Gedanken zu “Selbst denken, statt nachplappern…

  1. Nach deinem Beitrag war ich richtiggehend etwas stolz auf mich: Nicht nur, dass ich in aller Regel in das Restaurant gehe, welches nicht so voll ist (wenn denn die Speisekarte sinnvoll erscheint), so habe ich (Danke sei meinen Eltern), beizeiten die Möglichkeit gesehen, dass es meist besser ist, die Dinge zu hinterfragen, und einen eigenen Geist zu haben.
    Marken, allgemeiner Geschmack, tun weil alle es tun ….. derlei schien mir immer schon etwas suspekt.

    Gefällt 1 Person

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