Die Angst vor dem Älterwerden…

Gestern ist mein Opa 83 Jahre alt geworden. Er ist, trotz seines hohen Alters, immer noch ziemlich aktiv und treibt regelmäßig Sport. Zudem ist er witzig und immer da, wenn man ihn braucht. Für mich ist er der beste Opa der Welt. Seit ich klein bin gibt es einmal in der Woche den Opatag, an dem er uns besucht. In letzter Zeit spielen wir gerne zusammen Brettspiele oder Tischtennis. Nebenbei reden wir oft über die verschiedensten Dinge. Manchmal auch über das Älterwerden. Wie die meisten Erwachsenen, würde er am liebsten sein Alter vergessen und nicht darauf angesprochen werden. Wenn er allerdings mal darauf angesprochen wird, dann reagiert er mit Humor und bringt ziemlich gerne Friedhofswitze. Letztens sagte er zu mir:
„Wenn ich auf den Friedhof gehe, dann binden sich die Würmer schon die Lätzchen um.“
Das hat mich nachdenklich werden lassen. Dass wir irgendwann einmal sterben, ist mir natürlich bewusst und zugegebenermaßen habe ich vor dem eigenen Tod auch nicht besonders Angst. Allerdings habe ich Angst vor dem Älterwerden. Jetzt habe ich ja schon Angst davor, etwas zu verpassen, etwas nicht zu erleben. Man sagt mir immer, dass ich in den besten Jahren bin. Das setzt mich irgendwie gewissermaßen unter Druck. Ich habe keine Angst davor irgendwann Falten zu bekommen. Natürlich werde ich diese mit diversen Faltencremes höchstwahrscheinlich aufzuhalten versuchen, aber wenn sie dann kommen, ist es kein Weltuntergang für mich. Viel eher ist es die Angst vor dem Vergessen. Mein Opa hat das große Glück, dass er geistlich noch vollkommen fit ist, aber wie viele Leute sind das schon? Es  gibt zu viele, die dement sind. Als ich mein Sozialpraktikum im Altersheim absolviert habe, habe ich hauptsächlich Kontakt mit dementen Leuten gehabt. Und ich muss gestehen, dass ich Angst davor habe vielleicht irgendwann genauso zu enden. Ich möchte niemals meinen Verstand verlieren, denn der macht mich zu dem Menschen, der ich nun mal bin. Es ist ja auch nicht das Alter, die Zahl, die den Menschen Angst macht. Es ist vielmehr das, was sie mit sich bringen könnte. Krankheit, Schwäche und letztendlich den Tod. Gestern habe ich meinem Opa gesagt, dass ich unbedingt mit 34 Jahren sagen möchte, dass mein Opa 100 Jahre alt ist und sich kaum verändert hat. Und dass er sein Alter mit Stolz tragen kann. Alter kann Menschen nämlich nicht nur schwächen, sondern auch dafür sorgen, dass man ihnen mit noch mehr Respekt entgegentritt und beeindruckt von ihnen ist. Und dass bin ich persönlich definitiv von meinem Opa.

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18 Gedanken zu “Die Angst vor dem Älterwerden…

  1. Hallo! 🙂 Ein schöner Beitrag, irgendwie denkt man doch öfter darüber nach, wie das so wird, wenn man mal alt ist, oder wie es wird. Eigentlich kann man da auch gar nichts machen, wer nicht alt werden möchte, muss früh sterben, und das will ja nun mal auch niemand^^…man muss sein Leben einfach mal genießen und das Leben seinen Weg gehen lassen. Danke für diesen Beitrag und viele Grüße aus meinem urlaub schenna ! 🙂 Maren

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    • Danke dir für deinen lieben Kommentar! Ich stimme dir da vollkommen zu. Man sollte jederzeit versuchen das Beste aus der Situation, aus dem Leben zu machen! Dir wünsche ich noch einen ganz schönen Urlaub! 🙂

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  2. Ich glaube nicht, dass Du in den „besten“ Jahren bist. 😉
    Die besten Jahre kommen irgendwo zwischen 30 – 50.
    Nun ist man schon bald 60 und möchte immer noch in
    den „besten Jahren“ sein. Man ist immer so jung, wie
    man sich fühlt! Wenn ich Leute meines Alters sehe,
    dann graust es mir auch oft. Zum Glück habe ich
    gute Gene, toi, toi, toi. Man sollte auch etwas
    auf sich achten und sich von Ärzten fern
    halten, das hilft beim älter werden. Ich
    glaube, Du hast da ein Luxusproblem!

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    • Natürlich kann man das „beste Alter“ nicht festlegen. Dazu ist diese Einschätzung zu subjektiv. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die meisten sagen würden, dass man mit 17 bis 20 im „besten Alter“ ist. Ob man persönlich das so unterstreichen kann, lässt sich wahrscheinlich erst am Ende des Lebens feststellen und selbst da ist es relativ subjektiv, da jeder andere Dinge in einem gewissen Alter erlebt hat.

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  3. Ich denke, das kann man so sehen. Vereinfacht gesagt, haben wir auf unsere Lebensumstände, wie sie sich ergaben, wenig Einfluss. Und auch darauf, welche Möglichkeiten wir haben. Was wir machen können, ist, das Beste draus zu machen. Das fällt jemandem natürlich sehr viel leichter, dessen Lebensumstände ihm das in die Wiege gelegt haben. So etwas wie Schicksal gibt es in meinen Augen nicht. Die Dinge sind so, wie sie sind, und wir haben wenig Einfluss darauf. Wir haben nur, so wie ich sagte, die Möglichkeit, das Beste draus zu machen. Insofern sind wir den Vorgaben, die uns gegeben sind, ausgeliefert. Das klingt nach Pessimismus oder was auch immer. Ich nenne es die Realität.

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  4. Hast du toll geschrieben finde ich.
    Und einmal mehr habe ich für mich bestätigt gefunden, dass es immer darum gehen muss, ein schönes Leben zu leben, und darin möglichst froh und zufrieden zu sein (andere nennen das „glücklich sein“).
    Je mehr man davon hat, so finde ich, umso weniger kann einem das „Altwerden-Gespenst“ anhaben.

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    • Ich glaube nicht, dass man immer glücklich sein sollte, oder dass man das versuchen sollte- egal wie viele Ratgeber zu diesem Thema noch herausgegeben werden sollten. Auch ein schönes Leben wie Epikur sich das vorstellt löst nicht alle Probleme, weil das Unschöne nun mal zum Leben dazugehört. Wer das verleugnet, muss sich wohl der Realität verweigern. Das Wichtigste ist vermutlich, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist, wenn wir nichts ändern können und zum positiven zu verändern, wo wir es vermögen. Glück als eine vermeintliche Art Konsumgut der postmodernen Gesellschaft ist zwar nett und nicht egal, aber ich verstehe nicht, dass Glücklichsein das höchste Ziel sein sollte-
      Wären wir lieber dumm und glücklich oder nachdenklich und unglücklich. Vielleicht ersteres, aber ist das wirklich besser?

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      • Mit der letzten Frage haben wir uns vor einigen Wochen im Philosophieunterricht beschäftigt und ich werde mich in einem meiner nächsten Beiträge genauer mit ihr befassen.

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      • Vermutlich wird es wieder der Mittelweg sein. Ich bin zwar schon der Meinung, dass man versuchen sollte, froh und zufrieden im Leben zu sein, und zwar weitestgehend, jedoch ist ebenso klar, dass einem das nicht immer gelingen wird, und man die unveränderlichen, nicht so schönen Dinge akzeptieren muss. Natürlich, wie du schreibst, verbunden mit dem Versuch, zum Positiven zu ändern, wo möglich.
        Diese Erkenntnis ergab sich für mich, im Lauf meines Lebens. Ohne Ratgeber
        Ich denke deshalb schon, dass man es versuchen sollte, um letztlich aber dennoch zu wissen, dass es nur zum Teil gelingen wird, und es an einem selbst liegt, wie weit man darin kommt

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      • „Ich denke deshalb schon, dass man es versuchen sollte, um letztlich aber dennoch zu wissen, dass es nur zum Teil gelingen wird, und es an einem selbst liegt, wie weit man darin kommt“
        Bin ich auch nur teilweise damit einverstanden. Zu der Meinung, dass man sich Glück und Zufriedenheit „erarbeiten“ kann, kann man nur kommen, wenn man eben zufrieden und glücklich ist. Die Leute, die bspw. depressiv sind, sind nicht selber daran schuld. Die Leute, die schreckliche Dinge erleben mussten und noch immer müssen, können nichts dafür. Wenn Glück und Zuefriedenheit das sinnstiftende Element dieser Welt wäre, warum sollte sie dann so ungerecht sein? Es ist hauptsächlich eine Frage des Schicksals oder wie auch immer man das benennen mag. Das heißt nicht, dass man sich nicht darum bemühen sollte, nicht nach seiner Façon selig zu werden, aber wir selbst können nur an den ganz kleinen Stellschrauben drehen…

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  5. Liebe moteens,
    Danke für diesen Artikel.
    „Man sagt mir immer, dass ich in den besten Jahren bin“ Ein Gedanke dazu. Ich glaube, wenn man Angst hat, etwas zu verpassen, dann verpasst man es auch, weil man sich zu viele Ängste gemacht hat. Gerade diese Ängste erlauben es einem nicht, mal richtig loszulassen und zu genießen. Und das ist das tolle, wir können das auch – Ein Mensch wie Gryphius, der dreißig Jahre lang nur Krieg und Elend gesehen hat, muss einen merkwürdigen Eindruck gehabt haben von dem, was man gemeinhin das „Leben“ nennt. Er hätte sowas nicht gesagt, denn er kannte nur schlimme und noch schlimmere Zeiten. Heutzutage ist eben oft so, dass uns diese ganze Freiheit, die ganzen Möglichkeiten Angst machen- es sind viel zu viele. Vielleicht wäre es gut, wenn wir bereit sind, einzusehen, dass wir nicht nur nicht alles haben können, sondern auch nicht müssen. Das ist schon in Ordnung. Die Leute, die sowas mit den besten Jahren sagen, sollten uns mehr leid tun, als wir uns. Denn -offen oder insgeheim- haben sie das Gefühl oder den Eindruck gewonnen, dass es für sie schon zu spät ist. Dabei wären viele Leute wohl auch begeistert,
    in ihrer Lage sein zu dürfen…

    „Das ist ein guter Tag, der über den Dächern der Stadt aufgeht/ Wie all die unerwähnten, in Erinnerung verschwomm‘nen/ Denn auch über dem unscheinbarsten, alltäglichsten weht/ Der Hauch des Einzigen und das Versprechen des Vollkomm‘nen/ Ich bin bereit, zu lernen, seine Kostbarkeit zu sehn/ Mich auf ihn einzulassen und ihm jede Chance zu geben/ Ich bin bereit, den langen Weg bis ans Ende zu gehn/ Und bis zum allerletzten Ton den Ausklang zu erleben/
    Im Wissen, daß ich eines Tages nichts anderes mehr Erbitten und ersehnen, daß ich gar nichts auf der Erde/ So sehr wie einen neuen Morgen, eine Wiederkehr/ Des unscheinbarsten, alltäglichsten Tags erflehen werde/ Ich weiß, was ich sag – Das ist ein guter Tag!“ – Reinhard Mey, „Das war ein guter Tag“

    P.S. Allerliebste Grüße an deinen Opa und nachträglich alles Gute zum Geburtstag.

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    • Da gebe ich dir völlig Recht! Wenn man Angst davor hat etwas zu verpassen, dann passiert genau das zwangsläufig. Allerdings ist es auch nicht so einfach diese Angst abzustellen. Ich möchte einfach nicht irgendwann zurückblicken und sagen: „Hätte ich doch…“ Aber wahrscheinlich tut man das in den meisten Fällen und somit ist das nicht zu umgehen. Man sollte einfach leben.

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  6. Dir muss ein Typo untwrlaufen sein, wenn Du 24 sein moechtest, wenn Dein Opa 100 ist, das waere in 17 Jahren……nur nebenbei……das war ein beeindruckender Beitrag, es ist wunderbar, einen solchen Opa zu haben , du hast so wunderbar ueber ihn geschrieben. Es gibt viele Studien, dass Grosseltern wichtig fuer ihre Enkelkinder sind 😉

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    • Ja, wobei das immer sehr schade ist, wenn man da nicht das Vergnügen hat. Meine Großeltern mütterlicherseits sind leider schon länger verstorben, die väterlicherseits weit weg und ich merke das manchmal schon. Vor allem habe ich ja immerhin noch eine kurze Zeit mit Ihnen gehabt, meine kleinen Brüder aber nicht. Das ist sehr schade, darum freue ich mich, wenn jemand da noch so fitte Großeltern hat 🙂

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