Geplante Zukunft…

Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich mein Leben komplett durchplanen muss. Und auch, dass es zum Teil schon durchgeplant ist. An sich entscheiden die Eltern schon mit der Anmeldung zum Kindergarten, in welche Grundschule das Kind einmal gehen wird. Die sollten nämlich im besten Fall mit der gleichen Kirchengemeinde zusammenhängen, wenn man den Stress einer Ummeldung nicht auf sich nehmen möchte. Mit der Entscheidung, auf welche weiterführende Schule das Kind einmal geht, ist ein weiterer Teil der Zukunft geplant. Wird Wert auf Sprache oder Technik gelegt, soll das Abitur gemacht wetden oder ist ein Realschulabschluss genügend. In letzter Zeit wurde ich oftmals mit folgender Frage konfrontiert: „Was willst du nach deinem Abitur machen?“
Ich bin in der elften Klasse und mir bleibt noch ein Jahr, dann bin ich mit der Schule fertig. Obwohl erst ein viertel der Oberstufe geschafft ist, muss ich jetzt scheinbar schon wissen, was ich nach der Schule machen möchte. Schließlich muss man sich früh bewerben (mit einem Zeugnis, dass man noch gar nicht hat) und Praktika in den Ferien machen. Ich war gestern auf einer Messe, die sich mit dem Thema Berufswelt beschäftigt hat. Universitäten, Hochschulen und Unternehmen waren dort zahlreich vertreten. An einem Stand bekundete ich mein Interesse und man fragte mich was ich gerne nach der Schule machen will. Und ich sollte kein Studienfach sagen (obwohl ich das noch nicht einmal weiß), sondern vielmehr in welchem Beruf ich mich in zehn Jahren sehe. Ich war, um ehrlich zu sein, ziemlich überfordert mit der Frage. Genauso wollten alle wissen, wie mein Abiturschnitt sein wird. Natürlich kann ich eine Richtung angeben, aber eine genaue Zahl? Generell ist die Vielfalt an Möglichkeiten so groß, dass ich manchmal echt am Verzweifeln bin. Die Gesellschaft übt allgemein so einen großen Druck aus und jeder sagt mir, dass das die wichtigste Entscheidung überhaupt ist. Davon in mein ganzes weiteres Leben abhängig. Wenn ich die Entscheidung also vergeige, dann kann ich das auch auf mein Leben übertragen. Manchmal frage ich mich, warum alles so schnell gehen muss, warum ich jetzt schon mein gesamtes Leben durchplanen soll. Vieles wird doch sicherlich eh anders als geplant verlaufen, also warum üben alle so einen Druck aus? Warum muss ich jetzt schon einen perfekten Plan für mein späteres Leben haben, wo doch so vieles nicht planbar ist?

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11 Gedanken zu “Geplante Zukunft…

  1. Ich finde das grauenvoll und deine Fragen mehr als verständlich. Wieso soll man in so jungen Jahren schon wissen was man später mal sein möchte, wo man sich sieht!? Das schlimme ist doch dass man sich mit den Jahren erst entwickelt, somit wird auch die Meinung geändert. Was nützt also nach der Schule eine Ausbildung in die man sich drängen lässt, nur weil man noch keinerlei Erfahrungen hat? Ich finde es müsste bereits in der Schule schon besser auf die Berufswelt vorbereitet werden. Nicht nur ein schülerpraktika, sondern mehrere, so kann man viel besser schauen wo die Interessen liegen. 😦 Mein Tipp: Lass dich nirgends reindrängen, weder durch den Druck von anderen noch durch den Druck den du dir selbst evtl machst. Nimm dir Zeit zu überlegen und für dich heraus zu finden wo deine Interessen sind. Du machst das schon da bin ich mir sicher. 🙂

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  2. Ein sehr spannendes Thema. Wer bin ich? Was kann ich? Es gibt diese Leute mit der Berufung. Ein guter Freund von mir, von dem seit ich ihn kenne klar war: Er wird Musiker (was haben Schüler und Lehrer schon ergriffen geweint bei dessen Auftritten bei Schulkonzerten). Oder dem Nachwuchstalent von ’60 (München). Naja, aber meistens ist dem nicht so. Und das ist auch in Ordnung. In der heutigen Zeit, wo wir gelähmt sind wegen der ganzen Vielfalt, und den Entscheidungen die wir treffen sollen, müssen wir nicht die beste Entscheidung treffen. Eine gute reicht. Gut genug für uns selbst- das ist alles. Ändern kann es sich, aber was macht das schon?

    “Nein, man gibt als Schwäche lieber an, dass man viel zu ehrgeizig ist – Eine tolle Schwäche…“ Würde ich nicht machen. Im Bewerbungsgespräch geht es nicht darum, zu lügen oder irgendetwas kopiertes zu erfinden, ehrlich sein geht aber auch nicht. Verschweigen ist gut. Das ist zwar traurig, aber sinnvoll. Wie wäre es mit: “Kann nicht gut in großer Runde Vorträge halten, möchte aber daran arbeiten“ Klingt doch weder zu einschleimerisch, noch dreist gelogen und ist meistens auch in Ordnung (außer du möchtest die Nachfolge von Steffen Seibert antreten). Und wenn es irgendwelche anderen Schwächen gab, die jemanden vergrätzen würden- Was jemand nicht weiß, macht ihn nicht heiß 😉 Würde ich aber bei mir eher nicht sagen, weil ich das eigentlich gern mache 😀

    Ansonsten möchte ich Smamap gerne zustimmen. Mein kleiner Bruder (9) sagt, er wird Arzt oder Müllmann oder Astronaut. Ich habe ihn mal gefragt, warum. Er meinte: Ob ich Arzt werde oder Müllmann ist egal, ich helfe damit Menschen und finde beides gut. Astronaut ist mein Traum, aber das ist so schwierig zu werden (jaja Astronaut wollte ich auch werden…. und bin es doch nicht geworden 😉 Ich finde, dass das die richtige Einstellung ist. Keep an open mind! Wenn es mit meinem Studium nicht klappt, werde ich Pfarrer… oder zieh zu meinem Opa und pflanze Kartoffeln. Mal schauen 😀 http://1.bp.blogspot.com/_8wnyFUUBAZA/SNy4F3jrjoI/AAAAAAAABlo/GDSZ6YBnCA4/s400/Inserat.jpg
    Ja, so hat es angefangen mit dem Albert. Und? Egal. Mach dir also kein Streß.

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  3. Lass dich nicht irre machen. Die Wenigsten wissen zu der Zeit, wo genau es hingehen soll.
    Ich hatte damals, vor ca. 35 Jahre, absolut keine Ahnung, was ich werden will. Es hat sich immer alles i-wie ergeben. Es gab auch Entscheidungen nach dem Motto … ich hab jetzt die und die Möglichkeiten und am meisten davon gefällt mir DAS. Es war auch mal was dabei, wo dann keine andere Wahl blieb.
    Ja, es gibt Menschen, da haben eine Berufung, und wissen das von Anfang an. Der Arzt etwa, oder die Hebamme oder die Kindererzieherin. Und es gibt viele, so wie mich, die haben das nicht, und wissen bis zum Ende ihres Lebens nicht, ob da eine Berufung gewesen wäre (wohl eher nicht, sonst hätte man es gespürt). Und so machen viele das, was in dem Moment, in dem die Entscheidung ansteht, sich grade anbietet bzw. als das Beste erscheint.

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    • Danke für deine netten Worte! Ich finde diesen Druck der Gesellschaft einfach ungeheuerlich. Schon jetzt ist klar, dass jeder Zeitraum, indem man nichts berufliches macht, schlecht für den Lebenslauf ist. Alles definiert sich nur noch über Noten und auswendig gelernte Standartantworten. Wer sagt in einem Bewerbungsgespräch schon, dass er faul ist? Nein, man gibt als Schwäche lieber an, dass man viel zu ehrgeizig ist – Eine tolle Schwäche….

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