Wie geht es dir…

Es spielt keine Rolle, ob man ein Gespräch anfängt oder den anderen per Whatsapp anschreibt. Man fragt zuerst, wie es dem anderen geht. Aber das ist keine normale Frage. Nein, sie ist oberflächlich. Wir suchen nur einen Einstieg für das Gespräch. Im Grunde rechnen wir damit, dass der andere knapp mit „gut“ antwortet. Wird eine andere Antwort gegeben, dann ist man überrascht.

Ich habe das Gefühl, das „Wie geht´s dir?“ nur noch eine Höflichkeitsfrage darstellt. Oftmals kommt es mir so vor, als ob viele nicht wirklich mehr wissen möchten über das Wohlergehen des anderen.  Und wenn es einem dann wirklich mal schlecht geht, dann möchte man es vielleicht auch nicht unbedingt mit jedem teilen. Also setzt man ein falsches Lächeln auf und geht nicht näher auf die Frage ein. Denn es geht verdammt nochmal nicht jeden etwas an. Ich entscheide, wem ich meine Probleme, Ängste, Sorgen erzähle.

Es gibt viele Leute, die diese Frage auch mehrmals hintereinander stellen. So, als ob sie ganz sicher gehen wollen. Man merkt, dass sie mehr wissen wollen. Aber was bringt das? Manchmal sind Taten mehr wert, als Worte. Ich kenne viele, die alles wissen wollen, aber mehr auch nicht. Also wenn es dann beispielsweise mal ein Problem gibt, dann kann man nicht auf sie zählen. Und daran spüre ich immer wieder diese Oberflächlichkeit der Frage. Die Standartfrage setzt eine Standartantwort voraus. Sobald man von dieser abweicht, schlägt einem in vielen Fällen eine Welle der Irritation und Interesselosigkeit entgegen.

Natürlich frage ich auch oft andere zur Begrüßung, wie es ihnen geht. Aber dann gehe ich auch auf Antworten ein, die nicht dem Standard entsprechen. Und ich frage auch nur dann, wenn ich es wirklich wissen möchte. Nicht weil ich den Schein wahren möchte.
Mich regt es tendenziell auf, wenn Leute nicht verstehen wollen, dass sie etwas nicht angeht. Dass ich nicht alles mit ihnen teilen möchte. Meistens sieht man jemandem an, wenn er diese Frage nicht ehrlich beantwortet. Und ja, man kann einmal nachfragen. Aber dann ist auch gut. Wenn jemand etwas partout nicht erzählen möchte, dann ist das so. Damit muss man leben. Ich erzähle nicht alles jedem, der mich danach fragt. Und genauso ist das selbstverständlich auch mit anderen. Beharrlichkeit ist da sinnlos und nur nervig.

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13 Gedanken zu “Wie geht es dir…

  1. Man muss sich öfter mal bewusst machen, was das bedeutet, was man sagt. Bewusst leben und eben auch bewusst reden. Das hat wohl auch viel damit zu tun, dass das heutige Leben mit zu Vielem vollgepropft ist, und keine Zeit mehr bleibt, die Dinge bewusst wahr zu nehmen. Da muss man dann eben langsamer tun, dann funktioniert das auch wieder

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  2. eigentlich spürt man, wenn jemand die Frage aufrichtig meint und dann sucht er/sie sich auch einen Zeitpunkt aus, dass man vernünftig antworten kann..

    Und ich bin die erste, die versteht, dass man keine Lust hat, sein Leben, seine Gefühle zu erzählen! Ich respektiere das auch bei anderen Menschen.

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      • Ich glaube, sie ist nur eine Höflichkeitsfloskel….im Englischen gibt es den Ausdruck „I’m gonna call you“….das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Dich derjenige anruft, es ist eine nette Art, das Gespräch zu beenden, um alles offen zu halten 😉 Ich denke, das ist eine ähnliche Situation

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