Die Anstandsnudel…

Gemeinsam mit meiner Schwester und meiner Mutter saß ich heute beim Mittagessen. Während ich noch mit meinen Fussili beschäftig war, ist der Teller meiner Schwester schon längst leer gegessen. Fast zumindest. Lediglich eine Nudel lag einsam am Tellerrand.

Ich (zu meiner Schwester): Was hat die Nudel dir denn getan?

Während meine Schwester daraufhin die Nudel nehmen möchte, sagt meine Mutter (ich betone, dass sie nicht angesprochen war): Das ist die Anstandsnudel.

Meine Schwester lässt die Nudel mit großen Augen wieder zurück auf den Teller fallen.

Ich fand die Bezeichnung so lustig, dass ich mich verpflichtet fühle sie zu erwähnen. Nachdem wir aufgehört hatten zu lachen, fragten wir uns, warum man früher immer etwas aus Anstand übrig gelassen hatte. Einen kleinen Rest am Tellerrand. Soweit ich weiß, macht man das heute nicht mehr. Wir hatten eine Theorie. Man lässt etwas übrig, damit dem Koch symbolisiert wird, dass das Essen lecker war, aber man satt ist.
Eine schöne Geste, aber ich esse, wenn es mir schmeckt, immer alles auf. Außer ich bin vorher schon total satt.

Ich bin sehr gut erzogen worden. Meine Mutter hat immer darauf geachtet, dass ich zu anderen höflich bin und mich angemessen benehme. Allerdings ist mir in letzter Zeit aufgefallen, dass viele Jugendliche scheinbar keine Erziehung genossen haben. Einige verhalten sich so respektlos ohne jeglichen Anstand, dass ich mich frage, warum die Eltern nicht die Notwendigkeit einer Erziehung gesehen haben.
In der Schule werden Lehrer beispielsweise manchmal äußerst respektlos behandelt. Nicht alle, nur diejenigen, die angreifbar wirken. Sie werden von den Schülern mit Vornamen angeredet und lassen sich auf der Nase herumtanzen.

Genauso verhält es sich „bitte“ und „danke“. Zwei kleine Wörter, die man aus Höflichkeit dem anderen entgegenbringt. Heutzutage sind sie eine Seltenheit geworden. Obwohl es keine Kraft kostet die Wörter auszusprechen. Allgemein kosten Höflichkeit und Anstand nichts. Man präsentiert sich mit ihnen lediglich besser. Und andere haben im Allgemeinen einen besseren Eindruck von einem. Also warum wird in der heutigen Gesellschaft darauf so wenig Wert gelegt? Und damit meine ich nicht nur bei besonderen Anlässen, wie beispielsweise bei einem Bewerbungsgespräch. Nein, im alltäglichen Umgang. Ein gutes Benehmen und Anstand sind so einfach und doch scheinbar so weit weg.

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20 Gedanken zu “Die Anstandsnudel…

  1. Anstandsnudel ist ein epischer Begriff 😀 In vielen Ländern ist es noch immer sehr unhöflich, denn Teller leer zu essen, bspw. in China http://www.welt.de/reise/Fern/article123185744/Essen-Sie-in-China-niemals-den-Teller-leer.html “Man lässt etwas übrig, damit dem Koch symbolisiert wird, dass das Essen lecker war, aber man satt ist.“ Ja, und wenn man irgendwo zu Gast ist, um zu zeigen, wie gut der Gastgeber zu einem ist (indem man den Gast nicht vermeintlich verhungern lässt). ‚‚Eine schöne Geste, aber ich esse, wenn es mir schmeckt, immer alles auf. Außer ich bin vorher schon total satt.‘‘ Ich wurde ganz anders erzogen. Es wird gegessen, was es gibt, unabhängig vom Wollen oder nicht oder dem Sättigungsgrad. Die süditalienischen Bauernfamilie, aus der ein Teil meiner Familie kam, konnte es sich nicht leisten – etwas über zu lassen. Außerdem geht ja bekanntlich mit dem Hunger nicht nur der Anstand flöten: ‚‚Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral‘‘ Bertolt Brecht. Aber ist das wirklich ein gerechter Vorwurf? Es ist ja nicht selbstverschuldet. Oder wie man hier in meinem Heimatland Bayern ausdrücken würde: ‚‚Lieber den Magen verrenkt als dem Wirt was geschenkt‘‘ Inzwischen sehe ich das nicht mehr ganz so streng, wohl ein bisschen Epikurismus in die Sache hinein gekommen ;-P Wozu soll ich mich vollstopfen, wenn ich es nicht möchte? Nur um zu beweisen, dass ich es kann? ‚‚Einige verhalten sich so respektlos ohne jeglichen Anstand, dass ich mich frage, warum die Eltern nicht die Notwendigkeit einer Erziehung gesehen haben.‘‘ Oder sie wurden genauso ‚‚erzogen‘‘. Schwierig voneinander abzugrenzen. ‚‚In der Schule werden Lehrer beispielsweise manchmal äußerst respektlos behandelt. Nicht alle, nur diejenigen, die angreifbar wirken. Sie werden von den Schülern mit Vornamen angeredet und lassen sich auf der Nase herumtanzen.‘‘ Ja, das gibt es. Allerdings sind manche Lehrer auch einfach nicht für ihren Beruf geeignet, das muss man auch sagen. Wir hatten einmal einen Lehrer, den jeder respektiert hat und sich ihm äußerst korrekt gegenüber verhalten hat. Er hatte einfach dieses autoritäre Wesen, ohne dabei ungerecht oder willkürlich zu wirken. Wenn man etwas angestellt hatte, wusste man auch, dass man etwas falsch gemacht hat. Trotzdem war man nicht für immer durch, wie ich das auch teilweise kenne. Und der hat nicht mit Strafen wie Verweisen gedroht, weil es das bei ihm einfach nicht gebraucht hat. Aber solche pädagogischen Talente gepaart mit Kompetenz, Gerechtigkeitssinn etc. gibt es leider viel zu selten.
    ‚‚Genauso verhält es sich “bitte” und “danke”. Zwei kleine Wörter, die man aus Höflichkeit dem anderen entgegenbringt. Heutzutage sind sie eine Seltenheit geworden. Obwohl es keine Kraft kostet die Wörter auszusprechen. Allgemein kosten Höflichkeit und Anstand nichts. ‘‘ Richtig. Verstehe ich gar nicht. Es kam schon vor, dass sich Leute bei mir beschwert haben, wenn ich ihnen die Tür aufhielt. Zuerst habe ich gegrübelt warum, ich wollte ihnen doch nur einen Gefallen tun? Aber in einer Zeit, in der sowas völlig banales so ungewöhnlich wird, wird ein kritischer Geist wohl manchmal gleich Heimtücke oder irgendwelche anderen Hintergedanken vermuten. Schade eigentlich.
    Es freut mich aber außerordentlich, dass dir so etwas wichtig ist 🙂 Das gibt mir Hoffnung.
    P.S. Es heißt Fusilli (von italienisch fuso- Spindel). Diese Form haben sie übrigens, um Saucen besser aufnehmen zu können.

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    • Erstmal möchte ich dir generell für deine langen Kommentare danken. Was die Fusilli betrifft war ich mir auch total unsicher, habe mich aber auf die Autokorrektur verlassen. Für’s nächste Mal weiß ich es besser 😛 Danke für den Hinweis 🙂

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  2. Das haben wir leider vermutlich dem Netz und der SMS- und What’s app-Zeit zu verdanken. Alles nur noch abgekürzt, nicht mehr ausgesprochen und total unpersönlich. Und vor allem muss alles immer schnell gehen, sogar die Erziehung der Kinder. Leider! 🙂 Ich erinnere mich auch noch an das Anstandsrestchen im Teller…Du hast es mir wieder ins Gedächtnis gerufen! 🙂

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  3. Zum Anstandsstück könnte ich mir vorstellen, dass es zu damaliger Zeit als unfein galt, alles zu verschlingen. Man zeigte damit vielleicht, dass man es nicht nötig hatte alles aufzuessen, da man generell genug zu essen bekam. Im Gegensatz zur ärmeren Bevölkerung, die ihre Teller ja noch mit Brot auswischten.

    Zur Erziehung im Allgemeinen: ich kann mich eigentlich nicht beklagen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass hier (Schweiz) allgemein noch ziemlich „heile Welt“ herrscht. Man wird zB immer begrüßt, wenn man ein Geschäft betritt. Das habe ich in Deutschland inzwischen schon oft anders erlebt.
    Hier grüßt auch auf der Straße jeder jeden, ob bekannt oder unbekannt. Das färbt automatisch auf die Kinder ab.

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    • Das mit dem Zeigen des Wohlstandes ist eine wirklich gute Idee! Da ich in der Stadt lebe, kommt es selten vor, dass ich gegrüßt werde. Auf keinen Fall von fremden Leuten zumindest. In Geschäften nur, wenn es kleinere Läden sind. Die Gesellschaft, die du beschrieben hast, erinnert mich an das Landleben. Meine Oma hat auf dem Land gelebt und in ihrem Dorf kannte jeder jeden. Alle begrüßten sich auf der Straße und allgemein waren alle Dorfbewohner zusammen irgendwie wie eine riesige Familie. Ich finde es an sich total schön, wenn jeder jeden kennt. Allerdings muss ich gestehen, dass ich manchmal auch die Anonymität der Stadt sehr schätze.

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  4. Es mag auch. u.a., damit zu tun haben, dass Jugendliche (ja, ich war auch mal einer, man möchte es gar nicht glauben), rein aus Oposition, das ablehnen, was ihnen vorgeschrieben wird; in dem Bestreben erwachsen zu werden, und sich dabei geben ihre Umwelt durchzusetzen.
    Die Erziehung tut ein Übriges.
    Aber eines passiert in aller Regel auch: Wenn es dann darum geht, in der Erwachsenenwelt etwas zu werden, angefangen mit irgendeiner Ausbildung, dann lernt man sehr schnell Höflichkeit, und die wunderbaren Effekte, die diese nach sich zieht. Und man lernt den Respekt vor Menschen, die etwas Älter sind, und einen Erfahrungen vermitteln können. Und da gewinnen Dinge, wie Höflichkeit, Respekt und Dankbarkeit eine neue Dimension.

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    • Naja, dann liegt es wohl an den Fotos, die zu hoch aufgelöst sind… Hmm… Bin gerade am überlegen, ob ich generell die Fotos ganz weglassen soll oder einfach auf andere Quellen zurückgreife😏
      Aber DANKE für die Mühe! 😘 Nur so aus Interesse: hat WordPress eigentlich geantwortet?

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      • Nein, WordPress hat nicht geantwortet.

        Ich gehe aber stark davon aus, dass es wirklich an meinem Handy liegt. Zwar noch ein iPhone 5S, aber es lässt langsam Alterserscheinungen durchblicken. Lange Ladezeiten, Pixelfehler, solche Geschichten. Ich glaub wirklich, dass es an dem liegt. So hochauflösende Bilder verpackt es wohl einfach nicht mehr. 🙂 Deswegen mach du dir mal nicht so viele Gedanken da drum, würde ich sagen.

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      • Ich versuch einfach meine Bilder von anderen Quellen zu nehmen und greife notfalls nur auf die von GettyImages zurück… Aber an sich finde ich es schade, dass WordPress nicht antwortet. Naja, wahrscheinlich gehen da täglich tausende Mails ein.
        Liebe Grüße 🙂

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  5. Das ist mir auch häufig schon aufgefallen bzw. hat man mich schon oft gelobt, für Dinge, die für mich als SELBSTVERSTÄNDLICH gelten. Dies scheint aber immer unwichtiger zu werden. Aber mich hat das Leben auch großgezogen und das ist eher die unschöne Variante, aber gut. Ich finde es schade, dass so vieles in Vergessenheit gerät bzw. sich einiges in etwas geändert hat, was ich eher nicht so prickelnd finde.

    liebe Grüße

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    • Ich habe das Gefühl, dass die Eltern oftmals es sich einfach machen, indem sie die Kinder einfach machen lassen. Oder sie bekommen Vieles einfach nicht mit. Die Eltern glauben oftmals den Aussagen der Kinder mehr, als den der Lehrer beispielsweise. Wenn der Liebe Herr Sohnemann beispielsweise sagt, dass er nicht geschwänzt hat, dann glauben ihm die Eltern. Auch, wenn die Lehrerin was gegenteiliges von sich gibt. Da kommt der Sohn dann ohne Konsequenzen davon und merkt sich das natürlich für das nächste Mal. Er ist gewohnt, dass er mit seinem Fehlverhalten einfach so durchkommt. Oftmals müssen die Eltern einfach härter durchgreifen um so etwas zu unterbinden. Und Manieren sind eine Sache der Konsequenz. Meine Mutter musste mir früher jedes Mal beim Essen sagen, dass ich die Ellenbogen von dem Tisch nehmen soll. Heute mache ich das automatisch, weil ich es so gelernt habe.

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  6. Was das Essen betrifft, ich glaube, es soll zeigen, dass es sehr gut gescheckt hat, aber man wohlerzogen ist und niemals alles essen würde, weil dies ein Zeichen von fehlender Kontrolle und guter Sitte wär. Man zeigt, man hat es nicht verschlungen…….so denke ich mir das ! Ich finde es auch eine eigenartige Sitte .
    Und zur Erziehung, Ich denke, heutzutage glauben Eltern,ihre Kinder werden in der Kita/KiGa7Schule erzogen und die Lehrer/Aufseher/Erzieher erwarten das von den Eltern….und die Kinder bleiben auf der Strecke. Ich glaube auch, dass immer mehr Eltern ein kleines weltfremdes Paradies um ihre Kinder bauen, in denen sie sich vergnügt daneben benehmen dürfen. Sie werden nur noch bedingt in das Erwachsenenleben integriert. Doch nur so können sie das Leben lernen. Mein Senf am Donnerstag 😉 Liebe Grü0e, Ann

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    • Ich mag deinen Senf😉 du hast recht, oftmals bleibt die Erziehung bei den Lehrern hängen, die sich damit total überfordert fühlen. Ich bin der Meinung, dass das ganz klar die Aufgabe der Eltern ist die Kinder zu erziehen. Und wenn ein Kind schlecht erzogen ist, dann fällt das auf die Eltern zurück. Da es oftmals für die Eltern einfacher ist nachzugeben, werden den Kindern immer weniger Grenzen aufgezeigt. Wie sollen sie diese auch ohne Konsequenzen bei Fehlverhalten kennen. Ich finde Erziehung so wichtig! Und wer eine gute Erziehung genossen hat, kann sich echt glücklich schätzen, denn er hat sicherlich einige Vorteile im Leben.

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