Wir wollen besonders sein…

Obwohl wir uns manchmal anpassen, sind wir alle einzigartig. Mit diesem Wissen werden wir groß und das macht uns stolz. Und doch hinterfragen wir unsere Einzigartigkeit manchmal. Oder wollen sie besonders hervorheben. Einige verändern dafür ihr Äußeres radikal, die anderen machen bewusst etwas Außergewöhnliches. Wir wollen uns beweisen. Vor allem vor uns selbst. Wir zeigen äußerlich Stärke, doch innerlich hinterfragen wir alles. Alles, was uns ausmacht.

Sicherlich hat sich jeder schon mal gefragt, was das Besondere an ihm ist. Was er besonders gut kann. Und meistens findet man keine Antwort darauf. Aber das liegt nicht an uns. Sondern an der Frage. Wir sind nicht individuell und besonders, aufgrund einer Stärke. Nein, die Kombination aus all unseren Eigenschaften, Stärken und Schwächen, macht uns besonders. Hebt uns von den anderen ab. Und selbst, wenn man es uns nicht sofort ansieht oder anmerkt. Wir sind es. Wir sind individuell. Besonders. Und auch, wenn es uns selbst nicht auffällt. Wir suchen nach etwas Besonderem an uns, obwohl wir nicht suchen müssen. Denn nicht etwas ist besonders, sondern wir sind es als Ganzes.

Früher habe ich mich oft gefragt, worin ich gut bin. Und für mich hieß gut zu sein, besser zu sein, als andere. Am besten von allen zu sein.
Ich habe beispielsweise schon immer gerne geschrieben. Und dachte, dass ich darin gut bin. Meine damals beste Freundin hat unzählige Schreibwettbewerbe gewonnen und ich habe ihre Art zu schreiben bewundert. Aber ihr Können hat auch mein Schreiben für mich entwertet. Ich habe  immer gedacht, dass sie eh immer besser sein wird. Lange hat mich der Gedanke runtergezogen und ich habe eine Zeit lang deshalb sogar nicht mehr so intensiv geschrieben. Beim Schreiben schwang immer der Gedanke mit, dass sie eh etwas Besseres schreiben würde.
Und das hat mich traurig gemacht. Ich habe mich normal gefühlt. Und nicht besonders.

Heute denke ich, dass ich nie die Beste sein kann. Es gibt immer Bessere. Sei es, weil die mehr Erfahrung oder Talent in einer Sache haben. Und oft ist es auch Ansichtssache. Heute strebe ich nicht mehr danach die Beste zu sein. Ich bin so gut, wie ich sein kann. Und hole das Bestmöglichste aus mir heraus. Und das reicht oftmals. Und wenn nicht, dann soll es eben nicht sein. Aber auch Rückschläge muss man einstecken können.

Denn nicht nur Stärken machen einen besonders. Die Schwächen sind ebenso wichtig, genauso wie die Erfahrungen, die uns prägen. Wir sind also nicht wegen einer Sache besonders. Alles, was uns ausmacht, macht uns besonders. Wir sind besonders. Einzigartig. Und zwar immer.

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20 Gedanken zu “Wir wollen besonders sein…

  1. “Denn nicht etwas ist besonders, sondern wir sind es als Ganzes.“ Sehr wichtiger Gedanke. “Das ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ (außer bei Kernfusion :D)
    Ich hatte in der Schule eigentlich nur wenige Freunde. Alle davon waren in wenigstens ein zwei Sachen herasuragend gut, das hat mir oft zu schaffen gemacht. Es wurde nicht gerade besser, als nach der Schule einige das auch bewusst rauhängen ließen (eigentlich ein Rückschritt zu vorher, wo jeder einfach er selbst sein durfte). Aber die Freunde, die geblieben sind, haben mir auch gezeigt, dass das besondere nicht eine gute Eigenschaft ist – sondern alles zusammen. Aber wir sind auch gleich- es ist nur eine Frage der Betrachtung. Schau dir die endlosen Weiten des Universums an- und wir alle hier, an einem Punkt. Mit oft ähnlichen Gedanken, Gefühlen usw. Ich glaube, dass auch das toll ist. Wir sollten nach Gemeinsamkeiten suchen, um uns zu verstehen, besser zu verstehen. Es ist auch in Ordnung, mal gleich zu sein. Es macht die gesamte Menschheit, nein, die gesamte belebte Natur zu einer Einheit. Wie Wasser in seinen verschiedenen Modifikationsformen. Ich denke, auch die sogenante Dreieinigkeit im Christentum vertritt so eine Idee, genau wie jede allegmeine weltumfassende Philosophie oder pantheistische Religion. Es ist absolut faszinierend wie gleich wir sind- und wie viele kleine, aber wichtige Unterschiede in dieser Gleichheit noch verborgen sind. Wie ein Puzzle. Die Teile sind oft ähnlich, aber nie gleich. Zusammen, und nur alle zusammen, geben sie ein ganzes.

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    • Ich könnte es mir nicht besser formuliert vorstellen. Das was du schreibst, halte ich absolut für wahr. Nickt eine gute Eigenschaft macht uns aus, sondern das Zusammenwirken aller guten und schlechten Eigenschaften von uns.

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  2. Das hast du wirklich sehr gut geschrieben. Bei dem Versuch, der/die beste in etwas zu sein, oder einfach nur einem „Ideal“ zu entsprechen, vergessen wir viel zu oft uns selbst und bewerten uns viel zu kritisch. Leider wird genau das durch die Gesellschaft auch noch gefördert, denn es scheint zumindest immer eine gewisse Erwartungshaltung zu bestehen, die es zu erfüllen gilt, auch wenn sie weit von unseren Wünschen oder Fähigkeiten entfernt ist.
    Besonders ist mir das aufgefallen, bevor ich das erste Vorstellungsgespräch bei meinem aktuellen Arbeitgeber hatte. In jedem Ratgeber stand letztendlich nur, man solle seine Stärken hervorheben, Schwächen nennen, die eigentlich Stärken sind und der übliche Standardkram, der die eigene Persönlichkeit aber irgendwie ausgelassen hat. Irgendwann dachte ich mir, dass sie doch MICH einstellen wollen und keinen Schauspieler, der vorgibt, jemand anderes zu sein. Im Vorstellungsgespräch habe ich mich dann einfach so präsentiert, wie ich bin, war ehrlich, habe mich weit entfernt von den Ratgebern bewegt – und den Job bekommen.

    Liebe Grüße, Chris

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    • Das ist doch mal ein schönes Beispiel. Ich beschäftige mich im Moment auch mit Bewerbungen und Bewerbungsgesprächen und finde es wirklich irrsinnig. Es ist verständlich, dass man sich gut präsentieren sollte, allerdings gibt jeder heutzutage Ehrgeiz als seine Schwäche an. Die wenigsten beschäftigen sich mit ihren wirklichen Charaktereigenschaften, sondern vielmehr wird auswendig gelernt, wie man seinem Gegenüber ein künstliche perfektes Bild von sich selbst vermitteln kann. Aber wir werden ja dazu gedrängt. Würde jemand zu seiner Faulheit oder Unordentlichkeit stehen und damit eine wirkliche Schwäche von sind angeben, dann vermasselt man sich damit meistens die Anstellung. Mich würde interessieren, welche Schwäche du angegeben hast. Magst du das verraten?

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      • Ich hatte damals offen gesagt, dass ich recht introvertiert bin und erstmal beobachte, ehe ich mich aktiv einbringe oder auf Menschen zugehe. Keine Ahnung, ob das jetzt wirklich eine „Schwäche“ ist, aber es entspricht natürlich nicht unbedingt den Erwartungen, die mit „Kontaktfreudigkeit“ oder „Teamfähigkeit“ verbunden werden und wird im Allgemeinen ja auch gerne als Schüchternheit angesehen. Klar, für Vertrieb oder Verkauf wäre ich damit alles andere als geeignet, aber da weiß ich natürlich selbst schon, dass es nichts für mich ist. Für eine Tätigkeit im Hintergrund, in einem kleineren Team, ist das weniger problematisch, sodass sie sich ja auch für mich entschieden hatten.

        Ich denke auch, dass ein Job, den man auf Grund einer seiner Schwächen nicht erhält, sowieso nicht der richtige wäre. Sicher kann ich sie im Gespräch verschweigen, doch wird es spätestens dann Probleme bereiten, wenn es sich auf die Arbeit auswirkt. Und wirklich Spaß macht die Arbeit ja auch nicht, wenn sie nicht zu einem passt.

        Oft habe ich das Gefühl, dass mit der Frage nach den Stärken und vor allem Schwächen in erster Linie eine gewisse Ehrlichkeit erreicht werden will, sodass es sogar durchaus positiv ankommt, eine echte vermeintliche Schwäche zu nennen, sofern sie denn mit dem Job vereinbar ist.

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  3. Das hast du wirklich toll formuliert. Ich liebe die Menschen gerade wegen ihrer Ecken und Kanten. Perfektionismus gibt es nicht. Jedes noch so kleine Detail macht uns aus, egal ob positiv oder negativ. Und egal was man erreicht hat und sei es, dass einer darin besser ist, sollte man trotzdem stolz darauf sein.

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  4. Da steckt so viel Wahrheit in Deinem Beitrag. Ich glaube, es ist ungesund, sich immer mit anderen zu vergleichen.
    Es passiert zwar so oft, in der Schule, in der Uni, im Job, mit den Freunden. Ich denke aber, dass es den Weg erschwert, sich selbst zu finden.

    Wie soll ich wissen, wie ich wirklich bin, wenn ich mich mit anderen vergleiche oder sie kopiere?

    Du hast Recht, jeder ist auf seine Art etwas Besonderes. Gerade Schwächen zwingen uns oft, über unseren Schatten zu springen und dadurch vielleicht neue Erfahrungen zu machen. Dein wirklich guter Beitrag macht nachdenklich!

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    • Danke zuerst einmal für deine lieben Worte, Ann! Ich habe mich selbst viel zu oft mit anderen verglichen und erwische mich immer noch das ein oder andere mal dabei. Wir bedenken oftmals gar nicht, dass die Menschen, mit denen wir uns vergleichen, wahrscheinlich die selben Zweifel haben, sich auch vergleichen und an anderen orientieren. Das liegt einfach in unserem Wesen. Wir suchen gezielt unsere Schwächen und verunsichern uns damit nur. Besser ist es seine Stärken zu kennen und diese einzusetzen.

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      • …..nix zu danken 😉

        das kommt meist erst, wenn man älter wird.
        Ich glaube jeder vergleicht sich, sobald er verunsichert ist.
        Wenn man älter wird, findet man sich (im besten Fall) in sich selbst und nimmt sich an, wie man ist oder modifiziert es noch eine Runde.

        Und Zweifel sind ja auch grundsätzlich nicht schlecht, denn man überdenkt seine Situation wieder. Ich habe einmal gelesen, dass Menschen, die schon als Kinder genau wisen, was sie werden wollen und das auch verwirklichen, meist von der Realität enttäuscht sind. Die, die sich langsam durch das Leben und die Erfahrungen weiterentwickeln, die zufriedeneren Menschen werden. Es erscheint mir auch logisch!

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      • Das ist interessant! Ich kann mir das gut vorstellen. Als Kind stellst du dir alles viel einfacher vor und siehst nur die schönen Seiten eines Berufs beispielsweise. Ich wollte früher immer Kinderarzt werden, weil ich die Praxis so schön fand, in die ich gegangen bin. Jetzt sehe ich natürlich primär das Medizinstudium und denke, dass das nichts für mich wäre. Kommt Zeit, kommt eben Rat 🙂

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      • Ich hatte damals wirklich keine Ahnung was ich werden sollte. Es kam dann eher auf mich zu. Niemals hätte ich früher darin gedacht, dass ich nun etwas mit Chemie mache und damit unter die Naturwissenschaftler gehe. Heute ist es gar nicht mehr weg zu denken, denn ich liebe meinen Job und bin sehr zufrieden.

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      • Ich finde es immer toll, wenn Lehrer einen motivieren und persönlich pushen. Ich hatte auch einen Lehrer, der in allen das Beste gesehen hat. Auch wenn jemand in seinem Unterricht nicht gut war, hat er auf andere Stärken hingewiesen und damit vielen geholfen und sie bestärkt in ihren Zielen. Das fand ich immer total beeindruckend. In meiner ersten Englischstunde bei einer neuen Lehrerin, fiel das Thema auf´s Studieren. Wir sprachen über BWL. Einfach so sagte sie, dass dieser Studiengang zu mir überhaupt nicht passt, allerdings zu meiner Sitznachbarin. Ich war erst einmal total verwirrt, weil diese Frau mich gar nicht richtig kannte und trotzdem irgendwelche Behauptungen aufgestellt hat. So hat sie eine Stunde lang uns gesagt, was zu uns passt, ohne uns zu kennen. Das Fazit war, dass eigentlich nichts davon auf unsere Stärken und Schwächen gepasst hat. Aber trotzdem hat sie es für nötig befunden uns als Außenstehende zu sagen, welche Berufe zu uns passen würden.

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