Zeitung aus dem Müll…

Die Weihnachtstage sind vorüber und so langsam finde ich wieder in den Rhythmus des Alltags zurück.
Jetzt kann ich zum Glück sagen, dass sich der Stress vor Weihnachten definitiv gelohnt hat. Es war wirklich schön.
Aber wenn man mal wieder die ganzen (zugegebenermaßen nicht allzu vielen) Verwandten sieht, fällt einem auch das ein oder andere auf.

Ich bin jemand, der Geschenke eigentlich so gut wie immer aufreißt. Es macht für mich keinen Sinn sie vorsichtig zu öffnen, wenn das Geschenkpapier so oder so in der Tonne landet.
Meine Großeltern sind da ganz anders. Und zwar extrem. Sie haben ihre Geschenke nicht nur feinsäuberlich ausgepackt, nein, am Ende wurden die Geschenke zum Teil wieder eingepackt.
Und da war ich wirklich erstaunt. Bis jetzt ist mir das noch nie so richtig aufgefallen. Vielleicht war ich immer zu sehr mit meinen eigenen Geschenken beschäftigt. Wie auch immer. Eine Sache hat mich allerdings mehr schockiert als erstaunt.
Mein Opa machte den Mülleimer auf, holte die alten Zeitungen heraus und verstaute sie in seiner Tasche. Allgemein ist mir schon oft aufgefallen, dass mein Opa das nimmt, was er bekommt. Immer wenn er bei uns ist, nimmt er alle alten Zeitungen mit. Und es liegt nicht daran, dass er sich keine eigenen leisten kann.

Genauso verhält es sich mit vielen anderen kleinen Dingen.
Wenn also ein Teller Kekse beispielsweise auf dem Tisch steht, greift er hundertprozentig nicht nur einmal zu. Wenn ich etwas von meinem Essen übrig lasse, dann isst er es. Und das ist nicht nur mit dem Essen so. Wenn ich erwähne, dass ich etwas wegschmeiße, dann nimmt er es meistens an sich. Ist etwas gratis, sei es irgendetwas Unnötiges, mein Opa nimmt es.

Früher habe ich das nicht verstanden, aber heute kann ich sein Handeln nachvollziehen. Mein Opa war noch ein kleiner Junge, als der Zweite Weltkrieg ausgebrochen ist. Von heute auf morgen hat er alles verloren. Sein Haus war komplett abgebrannt und er hatte nur noch das, was er am Leibe trug. Er hat mir erzählt, dass er einmal eine Scheibe Brot geklaut hat, weil er so hungrig war. Er hatte nichts und nahm das, was er in die Finger bekam. Und war dankbar für alles. Und genau so ist es heute. Dass heute alles da ist und zwar im Überfluss, muss für ihn schwer zu begreifen sein. Und immer wird er sich zurückerinnern und nimmt daher auch noch heute das, was er bekommen kann.

Und so ähnlich ist es auch mit meinen anderen Großeltern. Da früher das Geschenkpapier knapp war und oftmals auch wiederverwendet wurde, wie man mir erzählte, werden Geschenke auch noch heute feinsäuberlich geöffnet. Einige Erinnerungen und die daraus resultierenden Gewohnheiten sind einfach in den Menschen fest verankert. Sie lassen sich nicht ändern, auch wenn sich die äußeren Umstände komplett verändern. Hinsichtlich dieser Gewohnheiten bleibt alles beim Alten.

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18 Gedanken zu “Zeitung aus dem Müll…

  1. Ich bin auch so aufgewachsen, indem man glücklich ist mit dem was man hat. Dementsprechend habe ich eine sehr seltene Einstellung in der heutigen Zeit. Ich brauch kein materiellen Kram, aber heute werden die Kinder leider ganz anders erzogen. Sie lernen nicht mehr das schätzen was man hat, was ich ehrlich gesagt sehr schade finde.

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    • Was ich noch viel schlimmer finde: Heutzutage wird der Wert von immateriellen Sachen oft vergessen. Gesundheit ist solange egal, bis sie einem Probleme bereitet. Allgemein definiert sich in der heutigen Gesellschaft viel zu viel über Geld. Wenn du jemanden kennenlernst, dann wird oftmals zuerst nach dem Beruf gefragt. Oder wenn man etwas über eine, dem anderen fremde, Person erzählt, nennt man oftmals zuerst den Beruf, den die Person ausübt. Als ob man diese Person dadurch charakterisieren könnte und der Beruf viel über die Person aussagen würde.

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  2. Das hat schon alles damit zu tun, dass unsere Großeltern im Krieg aufgewachsen sind. In einer Zeit also, die mit Not und Tod zu tun hatte. Dass meine Großväter von der Front lebend zurück gekehrt sind, war ein Wunder. Ein Wunder, das ich zu ihren Lebzeiten nie wirklich begriffen habe.
    Wir konnten von Ihnen lernen (und manche können das immer noch), wie wertvoll das Leben ist, und das, was uns das Leben zu bieten hat. Und wir können lernen, wie abartig manche Verhaltensweisen in unserer „modernen“ Gesellschaft sind, wie rücksichtslos. Und dabei genügt es nicht mit dem Finger auf die böse Industrie zu zeigen; denn letztlich mache WIR ALLE das, was wir machen. UND sind dafür verantwortlich, was wir unseren Kindern hinterlassen.

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  3. Das mit den Schleifen und Bänder aufheben kenn ich. Das hat meine Oma auch immer gemacht. Das Papier wollte sie am liebsten auch behalten und wieder verwenden. Aber nur weil sie es schön fand und es einfach „schade drum“ wäre. Haben es dann immer flink weggeworfen. Muss ja nicht sein, da es, wie du schon sagtest, ja knittert und schwer oder besser unschön wieder zu verwerten ist. 😉 Hoffe du hattest schöne Weihnachten? Falls man sich nicht mehr liest wünsch ich schon mal Einen Guten Rutsch ins Neue. 😉 Liest du eigentlich gern Bücher? Habe vor kurzem einen Bücherblog eröffnet (zu finden auf meinem Profil) wenn du magst schau mal vorbei. Hätte auch paar Bücher zum Tausch, also falls du welche loswerden und dafür andere haben magst- vielleicht findet sich was zum Tauschen. 😉 Herzlichen Gruß deine Netti. 🙂

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    • Das kommt mir ziemlich bekannt vor 🙂 Ja, Weihnachten war echt schön! Bei Dir auch? Oder fiel das wegen der traurigen Nachricht flach?
      Bei deinen neuen Blog schaue ich gerne mal vorbei. Momentan komme ich nicht dazu zu lesen, weil ich furchtbar viel für die Schule erledigen muss, aber sonst bin ich eine richtige Lesemaus 😉

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  4. Wir haben einen großen Karton für Geschenkpapier und ich bin nicht im Krieg geboren 😉 aber wie du dir nun wahrscheinlich denken kannst war ich mein Leben lang sehr arm (im Sinne von wenig Geld) und bin es nun dank Jugendamt weiter trotz meiner Uniabschlüsse und dem fanatischen Job den ich hatte. Ich sammle weiter Geschenkpapier.

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    • Mit meiner Äußerung wollte ich keinesfalls jemanden angreifen. Es hat mich nur total überrascht, da ich noch nie davon gehört habe. Ich empfinde es als üblich, dass die Schleifen und Bänder aufgehoben werden, eben weil sie ziemlich teuer sind, aber ist das Geschenkpapier nicht total zerknittert nach dem Aufmachen? Meine Mutter hat mir erzählt, dass meine Großmutter das früher immer aufgebügelt hat.
      Liebe Grüße,
      moteens

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      • Oh nein. Ich habe es doch nicht als Angriff verstanden.

        Auf die Idee Papier zu bügeln wäre ich nie gekommen. Nein das Papier ist ganz glatt wenn man eckige Dinge einpackt wie zb Bücher. Nur die Falten an den kanten sind da und die Tesastreifen hinterlassen Löcher oder Flecken. Als Kind habe ich diese mit Aufklebern oder Bändern verdeckt. Allein aus Umweltgründen verwende ich Papier schon mehrfach aber ich finde das Papier auch meist so schön dass ich mich nicht sattsehen kann. Deshalb werde ich an dieser „Tradition“ wohl auch festhalten wenn ich endlich mal nicht mehr so wenig Geld habe.

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      • Puh, da bin ich erleichtert… 🙂 Es ist echt eine schöne Idee, die Stellen zu überdecken und macht die Geschenke sicherlich auch um einiges individueller. Wahrscheinlich macht man das meiste ein Leben lang so, wie man es kennengelernt hat, einfach weil es dann schon ein fester Bestandteil ist und irgendwie dazu gehört.

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      • Oooooch so allgemein würde ich das nicht sagen. Vieles tut man ja auch absichtlich anders als man es als Kind kannte nach dem Motto: nie wieder und nicht mit mir. Ja meine Geschenke waren immer sehr aufwändig und kreativ verpackt. Mir hat das großen Spaß bereitet.

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