Der eine Wunsch…

In der Schule haben wir uns mit dem Thema „Bedürfnisse“ beschäftigt. Meine Lehrerin hat dazu einen, wie ich finde, sehr guten Einstieg gewählt. Zunächst fragte sie uns, was wir machen würden, wenn wir hundert Euro geschenkt bekämen. Jeder bekam die Chance zu antworten. Viele würden sich Klamotten kaufen, die meisten allerdings würden auf eine Reise/Führerschein/Wohnung sparen. Ich im Übrigen auch. Danach fragte die Lehrerin, was wir uns wünschen würden, wenn wir einen einzigen Wunsch frei hätten. Und nein, man konnte sich nicht weitere Wünsche wünschen. Sie ging einmal die Klasse durch, sodass jeder seine Antwort auf die Frage mit den anderen teilen konnte. Da ich relativ weit außen saß, war ich eine der letzten. Folgende Wünsche wurden von meinen Klassenkameraden geäußert: Geld, Haus, Pool, Flugzeug, Insel und unendlich viele Klamotten. Ich wusste von Anfang an, was ich mir sofort und auf der Stelle wünschen würde, allerdings dachte ich bei den Antworten meiner Mitschüler, dass ich die Frage missverstanden hatte. Als ich an der Reihe war, fragte ich bei meiner Lehrerin nach, ob es sich um etwas Materielles handeln müsste. Sie verneinte. Ich wählte „lebenslange Gesundheit“. Die anderen waren sichtlich irritiert. Mir ist bewusst, dass man nicht lange Zeit zum Nachdenken hatte und die meisten intuitiv den ersten Einfall geäußert haben. Aber dass keiner auch nur mit dem Gedanken gespielt hat sich etwas Immaterielles zu wünschen, hat mich doch sehr erschüttert. Da sieht man mal, wie gut es uns in Europa geht. Die meisten denken zuerst an Geld. Es ist nicht schwer zu erraten, warum sich die anderen materielle Luxusbedürfnisse gewünscht haben. Unsere Grundbedürfnisse sind weitestgehend gestillt und unsere Gesellschaft ist so fokussiert auf Geld, dass der Blick zu dem Immateriellen fehlt. Warum auch? Was man nicht hat, kann man sich kaufen. Wenn es nur so schön einfach wäre.
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Ich erinnere mich noch zu gut an eine Aufgabe in der Grundschule. Wir sollten aufschreiben, wie wir uns unser Leben in zwanzig Jahren vorstellen. Und das so, wie wir es uns bestenfalls ausmalen. Als wir die Aufgabe mit nach Hause nehmen durften habe ich sie stolz meiner Mutter gezeigt. Doch sie war nicht so begeistert. Ich hatte nur Luxusgegenstände aufgezählt, die mal mir gehören würden und nicht einmal über etwas, was man nicht mit Geld kaufen konnte, geschrieben. Meine Mutter redete damals mit mir und erklärte, dass der Luxus an sich nicht glücklich macht. Viel schöner ist es, wenn man Menschen um sich hat, die man liebt und vor allem wenn man gesund ist. Irgendwie habe ich in dem Moment, indem die Wünsche geäußert wurden, an dieses Gespräch zurückerinnert.

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7 Gedanken zu “Der eine Wunsch…

  1. Ganz toller Beitrag! Schade das nicht alle so denken wie du. Wir können uns hier wirklich glücklich schätzen, denn in anderen Ländern wird ums überleben gekämpft… Geld ist nicht alles im Leben. Wichtig sind meiner Meinung nach Gesundheit, Frieden und Menschen die einen lieben 🙂
    Liebste Grüße, Pisa ❤️

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